Wie endet der Krieg in der Ukraine? Die Quintessenz des Konflikts und was die Welt vorbereiten sollte

Panzer Ukraine

Mehr als vier Jahre Krieg in der Ukraine. Das heißt hunderttausende Tote, Millionen Vertriebene und noch immer ist kein Ende in Sicht. Die vorangegangenen Analysen haben gezeigt: Weder Russland noch die Ukraine können diesen Krieg in absehbarer Zeit vollständig gewinnen. Damit bleibt die unbequeme Frage: Wie endet er dann – und was kommt danach?

Das wahrscheinlichste Szenario ist ein eingefrorener Konflikt

Das historisch plausibelste Szenario – gestützt auf vergleichbare Konflikte wie Korea, Zypern oder die Südossetien-Frage – ist ein eingefrorener Konflikt. Das bedeutet: eine Waffenruhe entlang der aktuellen Frontlinie, ohne formellen Friedensvertrag, ohne Anerkennung der russischen Annexionen durch die Ukraine und ohne Lösung der Kernfragen.

Europa, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Ukraine haben diesen Ansatz in ihren gemeinsamen fünf Friedensbedingungen vom Juni 2026 indirekt bereits skizziert: Die aktuelle Frontlinie soll Ausgangspunkt für Verhandlungen sein, was de facto bedeutet, dass die Ukraine zunächst damit leben muss, dass signifikante Teile ihres Territoriums russisch besetzt bleiben.

Ein solches Einfrieren könnte noch 2026 oder in 2027 eintreten, wenn der Druck aus Washington und die Erschöpfung beider Seiten zusammenkommen. Es wäre kein echter Frieden. Es wäre vielmehr eine Atempause, die ohne robuste westliche Sicherheitsgarantien mit der realen Gefahr eines erneuten Aufflammens der Kämpfe verbunden ist.

Das gefährlichste Szenario ist die Eskalation

Das Gegenteil des eingefrorenen Konflikts wäre eine Eskalation, die über die Ukraine hinausgreift. Russische Drohnen- und Raketenangriffe auf NATO-Territorium, ein Zwischenfall an der polnischen oder baltischen Grenze oder eine fehlgeleitete ukrainische Aktion auf russischem Kerngebiet könnten den Konflikt ausweiten.

Die NATO hat sich bislang zurückgehalten. Doch je mehr Waffen in die Ukraine fließen und je tiefer ukrainische Drohnen in Russland einschlagen, desto dünner wird der Puffer. Diese Möglichkeit ist aktuell nicht die wahrscheinlichste, aber es ist das Szenario, das die weitreichendsten Folgen nach sich zieht.

Das wünschenswerte, aber unwahrscheinliche Szenario ist ein verhandelter Frieden

Ein echter Friedensvertrag, der die Souveränität der Ukraine schützt, Sicherheitsgarantien verankert und einen Rahmen für den Wiederaufbau bietet, wäre das beste Ergebnis für alle Beteiligten. Er ist aber derzeit nicht in Reichweite. Die Verhandlungen in Genf sind gescheitert. Russland beharrt auf Maximalforderungen. Die Ukraine weigert sich zu Recht, erpressten Gebietsabtretungen zuzustimmen.

Ohne einen grundlegenden Wandel im Kalkül einer oder beider Seiten – sei es durch militärischen Druck, wirtschaftlichen Kollaps oder innenpolitische Veränderungen – bleibt ein echter Frieden bis auf Weiteres ein fernes, recht unrealistisches Ziel.

Auf was sich die Welt vorbereiten sollte

Europa muss sich vor diesem Hintergrund auf eine lange Phase strategischer Unsicherheit einstellen. Die europäischen Verteidigungsausgaben sind gestiegen, aber noch nicht ausreichend. Deutschland hat seinen Ruf als verlässlicher Sicherheitspartner langsam zurückgewonnen, bleibt aber in der Beschaffung träge. Die Lehre aus diesem Krieg ist eindeutig: Abschreckung kostet Geld, aber sie ist billiger als der Krieg selbst.

Die Welt muss sich auch auf ein neues Verhältnis zu Russland nach Wladimir Putin vorbereiten. Dieser Krieg wird nicht ewig dauern. Wenn er endet – wie auch immer – wird Russland ein geändertes, wahrscheinlich geschwächtes, aber immer noch nuklear bewaffnetes Land sein. Eine Strategie für den „Tag danach“ fehlt dem Westen noch immer.

Auch die Ukraine muss gestärkt werden – nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich und institutionell. Der Wiederaufbau ist bereits in vielen Regionen im Gang. Die EU-Beitrittsperspektive ist das größte langfristige Sicherheitsversprechen, das Europa der Ukraine machen kann. Diese Perspektive muss real bleiben, unabhängig davon, wie der Krieg endet.

Dieser Krieg endet vermutlich weder mit einem großen Sieg noch mit einer klaren Niederlage. Er endet wahrscheinlich mit einem mühsamen Kompromiss, dessen Bedingungen schmerzhaft und unbefriedigend für alle sein werden. Darauf sollte die Welt sich vorbereiten – nicht mit Naivität, sondern mit Ausdauer.