„Die Rente ist sicher.“ Als der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm diesen Satz den vor ihm stehenden Journalisten in die Mikrofone diktierte, schuf er die wohl langlebigste Beruhigungspille der bundesrepublikanischen Geschichte.
Technisch gesehen hatte er sogar recht: Irgendein Betrag wird im Alter immer auf das Konto des Rentners überwiesen. Die alles entscheidende Frage ist nur: Kann man davon im Jahr 2026 mehr kaufen als ein halbes Kursbrot und die Monatskarte für die Verkehrsbetriebe?
Die nackten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigen unbarmherzig, dass die große Rentenkatastrophe, vor der uns Ökonomen seit Jahrzehnten für die Zukunft warnen, keine düstere Prophezeiung ist. Sie findet genau jetzt statt.
Der exklusive Club der „Gutsituierten-Rentner“
Während in Talkshows leidenschaftlich darüber gestritten wird, ob das Rentenniveau künftig auf eine „Basisabsicherung“ schrumpfen könnte, hat die Realität die politische Debatte längst überholt. Wer glaubt, mit der gesetzlichen Rente allein im Alter den mühsam erarbeiteten Lebensstandard halten zu können, lebt in einer mathematischen Scheinwelt.
Lediglich 1,7 Millionen Rentner, das sind knapp acht Prozent aller Rentenempfänger, beziehen eine Rente von 2.000 Euro und mehr. Eine Rente von über 3.000 Euro pro Monat wird nur an etwa 18.000 Rentner ausgezahlt. Das sind gerade einmal 0,08 Prozent aller Rentenempfänger.
Das bedeutet im Umkehrschluss: Für über 92 Prozent der rund 21,5 Millionen Rentner in Deutschland reicht die gesetzliche Rente eben nicht für das, was man gemeinhin eine gutbürgerliche, sorgenfreie Existenz nennt. Am anderen Ende der Skala wird es erst richtig ungemütlich: Modellrechnungen prognostizieren, dass allein aus der Generation der Baby-Boomer rund 5,1 Millionen Menschen mit weniger als 800 Euro im Monat kalkulieren müssen.
Die Realitätsverweigerung im Berliner Elfenbeinturm
Trotz dieser erdrückenden Faktenlage reagieren Sozialverbände und Gewerkschaften mit kollektiver Schnappatmung, wenn Ökonomen oder Politiker die Wahrheit aussprechen. Als die Warnung die Runde machte, die Rente mutiere zur reinen Grundsicherung, hieß es prompt von Seiten des Sozialverbands Deutschland (SoVD), das System dürfe „nicht kleingeredet“ werden, um die Bürger nicht zu verunsichern.
Die unbequeme Wahrheit, die sich niemand im politischen Berlin mehr auszusprechen wagt, ist jedoch eine andere: Was faktisch bereits winzig ist, dass muss nicht erst kleingeredet werden. Eine Prise bürgerlicher Verunsicherung ist an dieser Stelle deshalb nicht das Problem, sondern eher der erste Schritt in Richtung auf eine Lösung.
Selbst die Rentenversicherung klammert sich beharrlich an das Dogma, die gesetzliche Rente müsse die „tragende Säule“ bleiben. Doch eine Säule, die unter der Last einer alternden Bevölkerung taugt nicht als Fundament für den Ruhestand. Man braucht sich an dieser Stelle nur vor Augen zu führen, dass die Zahl der Rentner vor zehn Jahren noch bei 20,8 Millionen lag und inzwischen auf 21,5 Millionen angestiegen ist.
Wer klug ist, nimmt seine Zukunft selbst in die Hand
Wer die Finanzierung seines Lebensabends komplett dem politisch-bürokratischen Komplex überlässt, geht eine hochriskante Wette ein. Oder um es mit den zeitlosen Worten des US-Ökonomen Thomas Sowell zu sagen: „Es gibt kaum etwas Dümmeres und Gefährlicheres als wichtige Entscheidungen in die Hände von Leuten zu legen, die keinen Preis dafür bezahlen müssen, wenn sie danebenliegen.“
Die Politik wird für eine magere Alterskasse nicht geradestehen. Die einzige logische Konsequenz? Jeder muss selbst dafür sorgen, so unabhängig vom System zu werden wie möglich. Der beste Zeitpunkt, die finanzielle Vorsorge in die eigenen Hände zu nehmen, war vor zehn Jahren. Der zweitbeste ist genau jetzt.