Welternährung teurer!

Die Zeit vergleichsweise entspannter Lebensmittelpreise könnte sich dem Ende nähern. Auf den internationalen Agrarmärkten sind die Preise im August erneut gestiegen und haben inzwischen den höchsten Stand seit Ende 2022 erreicht. Der globale Lebensmittelpreisindex kletterte auf 133,3 Punkte. Gegenüber Juli entspricht das einem Anstieg von 1,9 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt das Plus 2,5 Prozent.

Von den extremen Preisniveaus des Jahres 2022 sind die Märkte zwar noch entfernt. Damals lagen die Preise rund 17 Prozent höher. Auffällig ist diesmal jedoch, dass mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig zusammenkommen.

Schlechtere Ernten und unsichere Handelswege

In Europa setzen Hitze und Trockenheit verschiedenen Kulturen zu. Unter anderem haben sich die Aussichten für Mais und Zuckerrüben verschlechtert. Gleichzeitig sorgen Veränderungen der globalen Wetterbedingungen für zusätzliche Unsicherheit bei Pflanzenölen und Zucker. Hinzu kommen geopolitische Probleme. Spannungen wirken sich auf die Versorgung mit Düngemitteln aus, während die Situation im Schwarzen Meer wichtige Handelswege für Getreide aus Russland und der Ukraine belastet.

Damit geraten gleich mehrere Teile der Versorgungskette unter Druck. Es geht nicht nur darum, wie viel auf den Feldern geerntet wird. Auch Düngemittel, Transportmöglichkeiten und die Kosten für den internationalen Handel spielen eine Rolle. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beim Weizen. Dessen Preis stieg im August um 2,6 Prozent und lag damit bereits 15 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig wurden die Erwartungen für die weltweite Getreideernte nach unten korrigiert. Erwartet werden nun 2,98 Milliarden Tonnen. Das wären etwa zwei Prozent weniger als 2025. Von einer globalen Missernte kann allerdings keine Rede sein: Die prognostizierte Menge wäre noch immer die zweitgrößte Getreideernte, die bislang erreicht wurde.

Im Supermarkt ist davon bislang wenig zu sehen

Für Verbraucher in Deutschland zeigt sich diese Entwicklung bisher nur begrenzt. Die allgemeine Teuerungsrate lag im August voraussichtlich bei 2,9 Prozent. Während vor allem Energie stärker zum Preisauftrieb beitrug, entwickelten sich Lebensmittel zuletzt vergleichsweise ruhig. Das muss allerdings nicht so bleiben.

Preissprünge auf den internationalen Agrarmärkten landen nicht unmittelbar im Supermarktregal. Vom Getreide auf dem Weltmarkt bis zum fertigen Brot sind zahlreiche Produktions- und Handelsstufen beteiligt. Verarbeitung, Energie, Transport, Löhne und Handel beeinflussen den Endpreis zusätzlich. Deshalb kann es Monate dauern, bis höhere Rohstoffpreise bei den Verbrauchern ankommen.

Mehrere Risiken treffen gleichzeitig aufeinander

Genau das macht die aktuelle Situation bemerkenswert. Anders als bei einem einzelnen kurzfristigen Preisschock kommen derzeit verschiedene Risiken zusammen. Ungünstiges Wetter kann Ernten schmälern. Konflikte können Handelswege beeinträchtigen. Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Düngemitteln verteuern die landwirtschaftliche Produktion. Gleichzeitig können steigende Energie- und Transportkosten den Preisdruck entlang der gesamten Lieferkette verstärken. Noch ist die Situation deutlich von den außergewöhnlichen Verhältnissen des Jahres 2022 entfernt. Der erneute Anstieg der Weltmarktpreise zeigt jedoch, wie schnell sich das Bild verändern kann. Sollte sich die Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzen, könnten die höheren Kosten mit Verzögerung auch stärker bei den Verbrauchern ankommen. Noch ist davon an der deutschen Supermarktkasse vergleichsweise wenig zu spüren – auf den vorgelagerten Märkten hat sich die Lage jedoch bereits merklich verändert.