Der Konflikt mit dem Iran erreicht Europa längst nicht mehr nur über diplomatische Kanäle. Die Folgen zeigen sich auf den Energiemärkten, im internationalen Zahlungsverkehr und damit potenziell auch bei Unternehmen und Verbrauchern. Besonders sensibel ist die Lage rund um die Straße von Hormus: Vor dem Krieg passierte diese Meerenge rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls. Gleichzeitig bewegt sich Brent laut dem vorliegenden Bericht um 90 Dollar je Barrel, während Gold im Bereich von 4.300 Dollar je Feinunze notiert.
Nun verschärft sich auch die wirtschaftspolitische Front. Die Europäische Union hat sich der von Washington geführten Sanktionskampagne gegen Teheran angeschlossen. US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte den europäischen Schritt. Damit wächst der internationale Druck auf den Iran in einer Phase, in der sich die militärische Situation in der Region ebenfalls zuspitzt.
Washington will Irans wirtschaftliche Verbindungen kappen
Im Zentrum steht die Ende August von der Trump-Regierung gestartete „Operation Economic Outcast“. Das Maßnahmenpaket soll den iranischen Zugang zu mehreren wirtschaftlich wichtigen Bereichen erschweren. Dazu zählen digitale Vermögenswerte, moderne Technologie, Goldreserven, zivile Luftfahrt und Schifffahrt. Die EU hatte bereits am 31. August erkennen lassen, dass sie zusätzlichen wirtschaftlichen Druck unterstützt. Begründet wurde dies mit dem Vorgehen gegen Teherans „destabilisierende Aktivitäten“ und dem Ziel, den Iran wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Die europäische Positionierung fiel zeitlich mit dem Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina zusammen.
Doch Washington will sich nicht mit politischen Erklärungen begnügen. Bessent hatte angekündigt, andere G20-Staaten dazu zu bewegen, ihre Finanzbeziehungen mit dem Iran zu kappen. Andernfalls stehen Sekundärsanktionen im Raum. Besonders Banken geraten damit unter Druck. Vorgesehen sind fortlaufend neue Maßnahmen gegen Institute, die Geschäfte mit Iran-Bezug abwickeln. Ihnen droht der Ausschluss aus dem dollarbasierten Finanzsystem.
Der Dollar wird zum entscheidenden Hebel
Gerade für Europa hat diese Strategie eine zusätzliche Dimension. Die wirtschaftliche Macht der Vereinigten Staaten beruht in diesem Fall nicht allein auf direkten Sanktionen gegen den Iran. Entscheidend ist die zentrale Stellung des Dollars im internationalen Finanzsystem. Europäische Banken müssen deshalb berücksichtigen, welche Konsequenzen Geschäfte mit iranischem Bezug für ihren Zugang zum Dollarraum haben könnten. Die EU verfügt zwar bereits über eigene Sanktionen im Zusammenhang mit dem iranischen Nuklear- und Raketenprogramm sowie wegen der militärischen Unterstützung Russlands. Der amerikanische Ansatz erhöht den Druck jedoch zusätzlich.
Teheran reagiert entsprechend scharf. Außenamtssprecher Esmail Baghaei bezeichnete das Vorgehen als „Wirtschaftsterrorismus“. Zugleich warf er der Europäischen Union vor, sich dem amerikanischen Druck untergeordnet zu haben. Die wirtschaftliche Auseinandersetzung lässt sich kaum von der militärischen Entwicklung trennen. Anfang der Woche griffen die USA erneut militärische Ziele im Iran an. Teheran reagierte mit Raketenangriffen auf amerikanische Stützpunkte in der Region. Besonders kritisch bleibt die Handelsschifffahrt. Nach Angaben des US-Zentralkommandos wurden 87 Handelsschiffe umgeleitet. Drei weitere Schiffe seien manövrierunfähig gemacht und zwei geentert worden.
Damit rückt auch Südkorea stärker in den Mittelpunkt. Seoul prüft dem Bericht zufolge eine mögliche Entsendung von Truppen noch in diesem Jahr, hat eine entsprechende Entscheidung allerdings dementiert. Washington wiederum zeigt sich mit der bislang zurückhaltenden Haltung Südkoreas unzufrieden. Für europäische Haushalte liegt das unmittelbarste Risiko nicht bei den Sanktionen selbst, sondern bei ihren möglichen Begleiterscheinungen. Eine länger anhaltende Störung der Ölversorgung über die Straße von Hormus könnte Energie verteuern. Steigende Energiepreise wiederum erhöhen die Kosten von Produktion und Transport und können sich schließlich auch bei Lebensmitteln und anderen Konsumgütern bemerkbar machen.
Damit entsteht ein unangenehmes Zusammenspiel: militärische Unsicherheit trifft auf wirtschaftliche Sanktionen und Risiken für eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Der Bericht bringt diese Kette auf eine einfache Formel: teurere Energie führt zu höheren Produktions- und Lebensmittelkosten und kann den Inflationsdruck hartnäckiger machen. Gold erhält in diesem Umfeld ebenfalls besondere Aufmerksamkeit. Der im Beitrag genannte Preis von rund 4.300 Dollar je Unze steht dabei neben dem deutlich erhöhten Ölpreis als Ausdruck eines Marktes, der mit geopolitischer Unsicherheit und Inflationsrisiken konfrontiert ist.
Europas Entscheidung ist deshalb mehr als eine weitere Sanktionsrunde. Sie bindet die EU enger in die amerikanische Strategie des wirtschaftlichen Drucks auf Teheran ein – während gleichzeitig die militärischen Risiken rund um eine für die Weltwirtschaft entscheidende Wasserstraße wachsen. Je länger beide Konfliktebenen parallel bestehen bleiben, desto stärker könnten ihre Folgen auch weit außerhalb des Nahen Ostens zu spüren sein.