Die Zentralbanken bauen ihre Goldreserven weiter aus

Nachdem es im zweiten Teil dieser Serie über die Hintergründe des starken und für viele Anleger überraschenden Goldpreisanstiegs von Anfang August um das grundsätzliche Motiv hinter der Goldnachfrage der Notenbanken ging, werfen wir heute in Teil 3 einen genaueren Blick auf die aktuellen Zahlen: Wer kauft tatsächlich Gold, wer verkauft, und wie hat sich das Bild zuletzt entwickelt?

Ein deutlicher Anstieg im zweiten Quartal

Nach einem eher verhaltenen Jahresauftakt haben die Notenbanken ihre Goldkäufe im zweiten Quartal 2026 spürbar ausgeweitet. Nach Angaben des Edelmetallhändlers Ophirum stockten die Zentralbanken zwischen April und Ende Juni ihre Reserven um insgesamt rund 289 Tonnen Gold auf.

Verglichen mit den lediglich 57 Tonnen Gold, die von den Zentralbanken im ersten Quartal 2026 gekauft worden waren, war dies nicht nur ein extrem starker Anstieg, sondern gleichsam auch die Rückkehr zur „alten“ seit 2022 bestehenden Normalität. Die gesamten offiziellen Goldreserven aller Notenbanken weltweit liegen nach jüngsten Berechnungen des World Gold Council bei rund 36.600 Tonnen und erreichten damit einem historischen Höchststand.

An der Spitze der Käuferliste stehen 2026 vor allem Polen und China. Polen hat seine Bestände im Rahmen einer erklärten Strategie, den Goldanteil an den eigenen Währungsreserven auf rund 20 Prozent zu erhöhen, kontinuierlich ausgebaut. China wiederum meldete im Mai den zwanzigsten Monat in Folge mit steigenden Goldreserven. Die offiziellen chinesischen Godlbestände erreichten zu diesem Zeitpunkt rund 2.331 Tonnen.

Doch es sind nicht nur die „üblichen Verdächtigen“, die derzeit ins Gold drängen. Auch neue Käufergruppen treten in Erscheinung: Nach Angaben des World Gold Council haben zuletzt etwa Indonesien und Malaysia nach längerer Zurückhaltung wieder begonnen, ihre Goldreserven aufzustocken.

Nicht alle Notenbanken kaufen – eine wichtige Differenzierung

Das Bild von den massiv kaufenden Notenbanken ist allerdings nicht einheitlich. Die Türkei etwa, die 2025 noch zu den größten Goldkäufern zählte, hat in den ersten Monaten des laufenden Jahres Bestände abgebaut. Allein im Januar und Februar 2026 reduzierte die türkische Zentralbank ihren Goldbesitz um rund 8,1 Tonnen.

Innenpolitische Gründe, insbesondere die Nutzung von Goldreserven zur Stützung der eigenen Währung, spielen hierbei eine Rolle. Der Fall der Türkei zeigt sehr gut, dass die Kaufentscheidungen einzelner Notenbanken durchaus von kurzfristigen und sehr länderspezifischen Motiven getrieben sein können. Die Anleger sollten deshalb nicht einfach undifferenziert davon ausgehen, dass eine jede Notenbank dem globalen Trend gleichermaßen folgt.

Warum diese Käufe strukturell wirken

Entscheidend für den Goldpreis ist weniger die einzelne Kauf- oder Verkaufsmeldung einer Zentralbank als vielmehr die grundsätzliche Ausrichtung ihrer globalen Reservepolitik. Einen Aspekt gilt es dabei besonders zu beachten. Er unterscheidet die Goldkäufe der Notenbanken fundamental von jenen der institutionellen und privaten Anleger: Die Notenbanken agieren als besonders langfristig orientierte, wenig preissensitive Käufer.

Das heißt, Gold wird in aller Regel nicht für einige Wochen oder Monate gehalten, sondern über Jahre oder Jahrzehnte hinweg. Dadurch entzieht diese Nachfrage dem Markt kontinuierlich Angebot, unabhängig von kurzfristigen Preisschwankungen. Der bereits erwähnte Central Bank Gold Reserves Survey 2026 des World Gold Council unterstreicht diesen Trend: 89 Prozent der befragten Reserveverwalter rechnen mit weiter steigenden globalen Goldreserven der Notenbanken, 45 Prozent erwarten sogar einen Anstieg in der eigenen Institution.

Langfristige Sicherheit zählt mehr als eine kurzfristige Rendite

Interessant sind auch die Kaufgründe. Als häufigste Motive nennen die befragten Notenbanker die Bewährung von Gold in Krisenzeiten, den langfristigen Werterhalt sowie die Diversifikation der Reserveportfolios weg von einer zu starken Konzentration auf eine einzelne Währung.

Diese strukturelle, mehrjährige Nachfrage bildet einen wichtigen Unterbau für die aktuelle Goldpreis-Rallye. Sie erklärt zwar nicht den kurzfristigen Kurssprung einer einzelnen Handelswoche, wohl aber, warum viele Marktbeobachter der längerfristigen Entwicklung optimistisch gegenüberstehen.

Anders als viele private Anleger, die häufig prozyklisch handeln und bei Kurssprüngen Gewinne mitnehmen, halten die Notenbanken an ihrer strategischen Ausrichtung meist auch dann fest, wenn der Preis kurzfristig stark schwankt. Für sie hat die über Jahrhunderte bestätigte langfristige Sicherheit des Goldes einen viel höheren Stellenwert als jeder noch so attraktive kurzfristige Gewinn.

Im nächsten Teil dieser Serie wenden wir uns der US-Notenbank selbst zu: Warum befindet sich die Federal Reserve Bank aktuell in einem geldpolitischen Dilemma zwischen Inflationsbekämpfung und konjunktureller Schwäche und was bedeutet dieser Zwiespalt für das Gold?