Chinas geplatzte Immobilienblase: Wie Peking die schwache Binnennachfrage ins Ausland exportiert

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Fünf Jahre nach dem Beginn der Krise um die chinesichen Immobilienentwickler Evergrande und Country Garden hat sich Chinas Immobilienmarkt bis heute nicht stabilisiert. Die Investitionen in den Sektor brachen in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 um 6,7 Prozent ein, die Neubaupreise sanken im Juli im Jahresvergleich um 3,2 Prozent. Da nach Schätzungen von Ökonomen rund die Hälfte bis zwei Drittel des Vermögens chinesischer Haushalte in Immobilien gebunden ist, hat der anhaltende Preisverfall nicht nur Billionen an Buchvermögen vernichtet, sondern auch das Vertrauen der chinesischen Konsumenten nachhaltig beschädigt. Die Folge ist eine lahmende Binnenkonjunktur. Sie wird in den aktuellen Konjunkturdaten gut sichtbar: Im zweiten Quartal 2026 wuchs Chinas Wirtschaft nur noch um 4,3 Prozent. Das war nicht nur schwächste Wert seit über drei Jahren, sondern liegt auch unterhalb der offiziellen Zielspanne von 4,5 bis 5 Prozent.

Einzelhandel und Anlageinvestitionen enttäuschten im Juli erneut, während die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und den Dienstleistungssektor im gleichen Monat erstmals seit Februar wieder unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten rutschten. Hinzu kommt eine seit drei Jahren anhaltende Erzeugerpreis-Deflation: Weil Verbraucher bei sinkenden Preisen Anschaffungen aufschieben, verstärkt sich die Kaufzurückhaltung zusätzlich. So ist ein Teufelskreis entstanden, den man in Peking selbst als „Involution“ bezeichnet.

Der Exportmotor als Ausweichventil

Um den Ausfall der Binnennachfrage zu kompensieren, setzt die Führung in Peking noch stärker auf den Export. Chinas Handelsüberschuss stieg 2025 um 20 Prozent auf 1,19 Billionen US-Dollar an und erreichte damit den höchsten je gemessenen Wert eines einzelnen Landes.

Die Ausfuhren tragen aktuell rund ein Drittel zum Wirtschaftswachstum bei, so viel wie zuletzt 1997. Der Internationale Währungsfonds warnte nach einer Artikel-IV-Mission in Peking und Shanghai im Dezember 2025 ausdrücklich vor den wachsenden Handelsüberschüssen und der schwachen Inlandsnachfrage als strukturellem Risiko und mahnte, eine derart hohe Exportabhängigkeit sei angesichts der Größe der chinesischen Volkswirtschaft auf Dauer kaum tragfähig.

Die einseitige Fokussierung auf den Export löst allerdings das eigentliche Problem nicht, sondern verschiebt es nur. Solange das Immobilienvermögen und das Vertrauen der Haushalte nicht wiederhergestellt sind, bleibt der Konsum die Schwachstelle der chinesischen Wirtschaft. Entscheidend ist an dieser Stelle, dass China eine Volkswirtschaft hat, die zu rund 30 Prozent der weltweiten Industrieproduktion beiträgt, aber nur etwa 13 Prozent des globalen Konsums ausmacht. Das Land bewegt sich also ohnehin schon in einem strukturellen Ungleichgewicht.

Zugleich wächst die politische Abhängigkeit von offenen Absatzmärkten im Ausland, die zunehmend Gegenmaßnahmen ergreifen. Sollte sich der Marktzugang etwa durch neue Zölle und andere Schutzmaßnahmen der Länder, in die exportiert wird, weiter verengen, träfe dies eine Volkswirtschaft, die kaum noch auf die eigene Nachfrage als Puffer zurückgreifen kann. Die Kehrseite von Chinas Exportoffensive bekommen zunehmend auch andere Länder zu spüren. Nach Angaben der EU-Kommission könnte die weltweite Stahlüberkapazität bis 2027 auf 721 Millionen Tonnen steigen. Damit würde allein die Überkapazität fast das Fünffache des gesamten EU-Stahlverbrauchs betragen.

Peking erzielte allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 einen Handelsüberschuss von 113 Milliarden US-Dollar mit der EU, nach 91 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Als Reaktion hat Brüssel die zollfreien Stahlkontingente seit Juli 2026 um 47 Prozent gekürzt und prüft ähnliche Schutzmaßnahmen für weitere Branchen wie die Chemieindustrie, deren chinesische Importe sich binnen fünf Jahren um 81 Prozent erhöht haben. Auch einzelne Antidumpingzölle, etwa auf Keramik oder Aluminiumprodukte aus China, liegen mittlerweile bei bis zu 79 Prozent. Peking wiederum wehrt sich mit eigenen Strafzöllen, unter anderem auf Schweinefleisch und Weinbrand aus Europa. Damit entsteht ein Muster, das die Gefahr eines offenen Handelskonflikts erhöht. Für Volkswirtschaften wie Deutschland bedeutet die chinesische Exportoffensive einen doppelten Druck: einerseits sinkende Absatzchancen auf dem chinesischen Markt selbst, denn die deutschen Warenexporte nach China gingen im ersten Halbjahr 2026 bereits um mehr als 12 Prozent zurück, und andererseits eine wachsende Konkurrenz durch günstige chinesische Produkte auf Drittmärkten und im eigenen Land.

Das Potential für eine rasche Entspannung dieses Ungleichgewichts erscheint aktuell gering, solange Chinas Immobilienkrise andauert und Peking keine wirksamen Schritte zur Stärkung der Binnennachfrage einleitet.