Es sind Bilder, die sich einprägen: Feuerwalzen in Südeuropa, Rauch aus Kanada über amerikanischen Großstädten, Löschkräfte im Dauereinsatz und brennende Waldflächen auch in Deutschland. Wer einen solchen Sommer erlebt, könnte meinen, die Zahl und das Ausmaß der Brände nähmen weltweit immer weiter zu.
Doch an diesem Punkt lohnt sich der Wechsel von den Bildern zu den Zahlen. Denn global betrachtet zeigt sich eine Entwicklung, die der öffentlichen Wahrnehmung teilweise entgegenläuft: Bis zum 19. August lag die weltweit verbrannte Fläche 41 Prozent unter dem Normalwert. Sämtliche Kontinente lagen unter ihrem jeweiligen Durchschnitt. In Afrika sowie Nord- und Südamerika wurden sogar Rekordtiefstände erreicht.
Der globale Trend überrascht
Besonders bemerkenswert ist der Blick auf die längerfristige Entwicklung. Die weltweite Brandaktivität befindet sich derzeit auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenerfassung im Jahr 2001. Möglicherweise handelt es sich sogar um den niedrigsten Wert seit 1900. Der historische Vergleich macht die Dimension deutlich: Anfang des 20. Jahrhunderts verbrannten jährlich fast vier Prozent der globalen Landfläche. Das entspricht nahezu dem Doppelten des heutigen Anteils. Auch einzelne Regionen liegen erheblich unter ihren Vergleichswerten. In den USA betrug das Minus bis zum 5. August 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2025. Asien lag 41 Prozent darunter, Afrika sogar 44 Prozent. Damit entsteht ein scheinbarer Widerspruch: Wie können schwere Waldbrände gleichzeitig die Nachrichten dominieren, während weltweit insgesamt weniger Fläche verbrennt?
Die Antwort liegt zunächst in der unterschiedlichen Perspektive. Ein verheerender Brand kann für eine Region eine Katastrophe sein. Häuser können verloren gehen, Menschen müssen evakuiert werden, Wälder werden zerstört und Feuerwehren kämpfen tagelang gegen die Flammen. Die Bedeutung eines solchen Ereignisses wird nicht dadurch geringer, dass es anderswo weniger brennt. Aber aus mehreren spektakulären Ereignissen lässt sich nicht automatisch ableiten, wie sich die gesamte verbrannte Fläche der Erde entwickelt. Lokale Intensität und globale Gesamtfläche sind zwei verschiedene Größen.
Hinter dem langfristigen Rückgang stehen nicht nur natürliche Veränderungen. Auch menschliches Handeln spielt eine wesentliche Rolle. Vor allem Grasland- und Savannenbrände sind in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen. Als Ursachen werden Veränderungen der Landnutzung, schneller reagierende Feuerwehren und weniger Rodungsfeuer genannt. Das zeigt zugleich, wie komplex die Entwicklung von Bränden ist. Temperatur und Trockenheit sind wichtige Faktoren, aber sie bestimmen nicht allein, wie viel Fläche tatsächlich verbrennt. Es kommt ebenso darauf an, wie Landschaften genutzt werden, wie Wälder bewirtschaftet sind, wie schnell Brände erkannt und bekämpft werden und welche Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.
Weniger Brandfläche widerlegt den Klimawandel nicht
Aus dem globalen Rückgang der verbrannten Fläche lässt sich deshalb auch nicht ableiten, dass der Klimawandel für Waldbrände bedeutungslos wäre. Hitze und Trockenheit können die Voraussetzungen für Feuer verschärfen. Gleichzeitig stellt sich jedoch die praktische Frage, mit welchen Maßnahmen sich Brände verhindern, begrenzen und ihre Folgen für Menschen reduzieren lassen. Genannt werden dafür insbesondere eine bessere Forstwirtschaft, kontrollierte Brände und andere direkte Maßnahmen der Brandprävention. Beide Beobachtungen könnten also gleichzeitig zutreffen: Klimatische Bedingungen können das Brandrisiko erhöhen – und dennoch kann die insgesamt verbrannte Fläche durch andere Entwicklungen und Gegenmaßnahmen sinken.