Wer jahrzehntelang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, dürfte erwarten, im Alter zumindest finanziell einigermaßen abgesichert zu sein. Die Zahlen zeigen jedoch, wie häufig diese Rechnung nicht aufgeht. Rund jeder fünfte Ruheständler ab 65 Jahren verfügt über höchstens 1.400 Euro im Monat. Besonders häufig trifft das Frauen.
Dabei sind 1.400 Euro nicht einfach nur „etwas weniger“ als das Einkommen eines durchschnittlichen Rentners. Je nachdem, welche Definition man zugrunde legt, liegt dieser Betrag bereits außerhalb dessen, was noch zur gesellschaftlichen Mitte gerechnet wird. So zieht die Bertelsmann Stiftung bei einem alleinstehenden Menschen die Grenze bei 1.500 Euro verfügbarem Monatseinkommen. Das Institut der deutschen Wirtschaft setzt die Schwelle zur Mittelschicht sogar bei 1.850 Euro netto an.
Selbst ein langes Arbeitsleben schützt nicht
Besonders auffällig wird das Problem bei Menschen mit sehr langen Versicherungszeiten. Mehr als jeder fünfte Rentner und sogar jede zweite Rentnerin mit entsprechend langer Beitragsbiografie erhielt eine gesetzliche Rente unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Diese lag 2025 bei monatlich 1.446 Euro.
Damit lässt sich Altersarmut nicht einfach mit kurzen Erwerbsbiografien oder wenigen Beitragsjahren erklären. Selbst 45 Jahre im Rentensystem können in einem Einkommen enden, das statistisch als armutsgefährdet gilt.
Auch die häufig genannte Standardrente vermittelt deshalb nur einen Teil des Bildes. Nach 45 Jahren mit durchgehendem Durchschnittsverdienst belief sie sich seit Juli 2025 auf 1.835,55 Euro brutto beziehungsweise 1.612,53 Euro netto vor Steuern. Zum Juli 2026 wurden die Renten um 4,24 Prozent erhöht.
Die tatsächlichen Rentenzahlungen liegen bei vielen Menschen erheblich darunter. Ende 2024 betrug der durchschnittliche Zahlbetrag sämtlicher Altersrenten lediglich 1.154 Euro im Monat. Männer kamen im Mittel auf 1.405 Euro, Frauen auf gerade einmal 955 Euro.
Frauen trifft die Rentenlücke besonders hart
Noch deutlicher wird die Schieflage, wenn neben der gesetzlichen Rente weitere Alterseinkünfte berücksichtigt werden. Einschließlich Betriebsrenten, Pensionen und Hinterbliebenenrenten erreichen Frauen durchschnittlich 1.720 Euro brutto, Männer dagegen 2.320 Euro.
Am oberen Ende der Rentenskala wird der Unterschied noch drastischer. Im Jahr 2024 erhielten lediglich 31.634 Menschen mindestens 3.000 Euro Rente im Monat. Davon waren 28.867 Männer und nur 2.767 Frauen.
Die entscheidende Zahl lautet deshalb nicht „Rente“, sondern „Einkommen im Alter“
Das mittlere Nettoäquivalenzeinkommen von Ruheständlern liegt bei 1.990 Euro. In der Gesamtbevölkerung sind es 2.300 Euro. Die Hälfte der Ruheständler verfügt also über weniger als diese 1.990 Euro, die andere Hälfte über mehr.
Wer im Alter ausschließlich von seiner gesetzlichen Rente leben muss, hat deshalb ein anderes Problem als jemand, der zusätzlich auf eine Betriebsrente, private Vorsorge oder eigenes Vermögen zurückgreifen kann. Unter etwa 1.600 Euro netto werden die finanziellen Spielräume eng; rund 2.000 Euro gelten als Größenordnung, ab der ein alleinstehender Ruheständler deutlich komfortabler leben kann. Für Paare werden gut 3.100 Euro Haushaltsnettoeinkommen genannt.
Damit verschiebt sich auch die Frage der Altersvorsorge. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Jahre jemand gearbeitet und wie viel er in die Rentenkasse eingezahlt hat. Entscheidend ist, welche zusätzlichen Einkommensquellen und welches Vermögen beim Eintritt in den Ruhestand tatsächlich vorhanden sind.
Denn 45 Beitragsjahre sind eine beachtliche Lebensleistung. Eine Garantie für finanzielle Sicherheit im Alter sind sie nicht.