Wir haben uns mit dem Krieg der USA gegen den Iran und den durch ihn hervorgerufenen massiven Energiepreisanstieg, den ausufernden Staatsschulden, einem weiter anschwellenden US-Verteidigungshaushalt und einer KI-bedingten Entlassungswelle bereits mit vier der sieben wirtschaftlichen Problemfelder der USA beschäftigt. Heute werden wir die Lage an der Börse, bei den Gewerbeimmobilien und bei den Regionalbanken in den Blick nehmen und ein erstes Fazit ziehen.
Der Büroleerstand in den USA erreichte 2025 mit rund 902 Millionen Quadratmetern einen neuen Rekordwert. Die Preise für Gewerbeimmobilien stehen deshalb massiv unter Druck und liegen weiterhin rund ein Fünftel unter dem Niveau von 2022. Da in den USA die Regionalbanken deutlich stärker in diesem Segment engagiert sind als die Großbanken, bleibt das Ausfallrisiko für sie überdurchschnittlich hoch. Dies ist ein seit Jahren bekanntes Problem, das weiterhin ungelöst ist.
Sorgen bereitet an der Börse die Konzentration auf die „Magnificent 7“ und bei den Arbeitnehmern die Stagnation bei den Löhnen und Gehältern. Die sieben großen Techkonzerne machten Anfang 2026 rund ein Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus. Dies ist in Kombination mit dem zuletzt sinkenden Ergebnisbeitrag ein klassisches Konzentrationsrisiko.
Parallel dazu fiel in diesem Jahr der Lohnanteil am Bruttoinlandseinkommen auf rund 51 Prozent zurück und erreichte damit den niedrigsten Stand seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 1947. Gleichzeitig erreichten die Unternehmensgewinne und die Vermögenseinkommen neue Rekordstände, sodass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet.
Ein ernüchterndes Fazit
Keine der gestern und heute diskutierten sieben Thesen ist aus der Luft gegriffen und einzeln betrachtet wäre keine von ihnen zwangsläufig so gefährlich, dass sich Amerika und die Welt vor ihr fürchten müssten. Brisant wird die Lage allerdings durch ihre Gleichzeitigkeit.
Ein Krieg mit massiven Energiepreiseffekten, eine strukturelle Verschuldung nahe der 40-Billionen-Marke, ein extrem aufgeblähter Verteidigungsetat, ein angeschlagener Gewerbeimmobiliensektor und eine historisch enge Kursabhängigkeit von sieben Aktien all das trifft in einer Phase aufeinander, in der die Reallöhne der breiten Bevölkerung stagnieren.
Genau diese Kombination aus mehreren, sich gegenseitig verstärkenden Risiken unterscheidet die aktuelle Lage fundamental von den Krisen der vergangenen Jahre in denen nur einzelne, isoliert wirkende Wirtschaftssorgen das Bild bestimmten. Damit ist nicht gesagt, dass es unweigerlich zu einer großen Krise und zu einem massiven Crash an der Börse kommen wird. Doch jedem Konsumenten und Anleger sollte derzeit bewusst sein, dass der vor uns liegende Weg nicht nur durch eine einzige Mine, sondern gleich durch ein ganzes Minenfeld geprägt ist. Das macht die zu bewältigende Aufgabe nicht unbedingt einfacher.