Die französische Rechtsnationalistin Marine Le Pen liegt in den Umfragen zur kommenden Präsidentschaftswahl weiterhin deutlich vor ihren Konkurrenten. Nach den jüngsten gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich konnte sie ihren Vorsprung sogar noch vergrößern. Allerdings bleibt ihre Kandidatur mit juristischen Risiken verbunden.
Marine Le Pen hat ihre Position als Favoritin für die französische Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr weiter gefestigt. Wie die WELT berichtet, erreicht die Politikerin des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) in einer aktuellen Umfrage des Instituts Ifop zwischen 34 und 38 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang. Die Werte hängen davon ab, welche Gegenkandidaten antreten.
Die Erhebung wurde im Auftrag der französischen Medien LCI, Sud Radio und „Le Figaro“ durchgeführt. Gegenüber einer früheren Ifop-Befragung verbesserte sich Le Pen in vergleichbaren Konstellationen um ein bis zwei Prozentpunkte. Bereits eine vor den jüngsten Ausschreitungen veröffentlichte Umfrage des Instituts Odoxa hatte Le Pen in bestimmten Konstellationen bei 38 Prozent gesehen.
Le Pen fordert härteres Vorgehen gegen Gewalttäter
Die neuen Zahlen wurden nach den gewaltsamen Ausschreitungen im Zusammenhang mit Sozialprotesten erhoben. Le Pen hatte daraufhin ein entschiedenes Vorgehen der Sicherheitsbehörden gefordert und die Regierung von Präsident Emmanuel Macron für eine tiefgreifende Vertrauens- und Autoritätskrise verantwortlich gemacht. Dabei kritisierte sie insbesondere auch die französische Einwanderungspolitik. Ob die Unruhen tatsächlich zu ihrem jüngsten Umfragezuwachs beigetragen haben, lässt sich allerdings nicht feststellen. In der Ifop-Erhebung wurden die Befragten nicht ausdrücklich zu den Ausschreitungen befragt. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Ereignissen und dem Anstieg ihrer Zustimmungswerte ist daher nicht belegt.
Auch in möglichen Stichwahlen liegt Le Pen vorn
Besonders bemerkenswert sind die Ergebnisse für einen möglichen zweiten Wahlgang. Laut Ifop würde Le Pen derzeit gegen sämtliche untersuchten Herausforderer gewinnen. Im ersten Wahlgang erreicht der Vorsitzende der französischen Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, je nach Konstellation zwischen 15 und 20 Prozent und liegt damit deutlich hinter Le Pen. Auch der sozialistische Bewerber Raphaël Glucksmann und der frühere Premierminister Édouard Philippe kommen auf erheblich niedrigere Werte.
Wer letztlich gegen Le Pen antreten wird, ist allerdings noch weitgehend offen. Während sich bei der Linkspartei und den Sozialisten Kandidaturen abzeichnen, ist die personelle Aufstellung anderer politischer Lager noch nicht abschließend geklärt. Präsident Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren.
Juristische Probleme könnten Kandidatur überschatten
Trotz ihrer starken Umfragewerte ist Le Pens Weg zur Präsidentschaft keineswegs gesichert. Hintergrund ist ihre Verurteilung wegen der Veruntreuung von EU-Geldern, die im Juli von einem Berufungsgericht bestätigt wurde. Le Pen hat dagegen Revision eingelegt. Abhängig vom weiteren Verlauf des Verfahrens könnte ihr während des Wahlkampfs das Tragen einer elektronischen Fußfessel drohen. Damit ergibt sich für Frankreich eine ungewöhnliche politische Konstellation: Während Le Pen in den Umfragen sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlgang führt, bleibt ihre persönliche und juristische Situation ein Unsicherheitsfaktor.