405.000 Unterschriften für den Erhalt des Bargelds: Bürgerinitiative erhöht Druck auf die Bundesregierung

23. Oktober 2026 – Mehr als 400.000 Menschen haben eine Petition zum Schutz des Bargelds unterzeichnet. Am 22. Oktober übergaben die Initiatoren Hansjörg Stützle und Hakon von Holst die Unterschriften in 18 Stapelkisten an einen Vertreter des Bundesfinanzministeriums in Berlin. Darüber berichtet der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring in seinem Beitrag „Bargeldinitiative übergibt Petition mit 400.000 Unterschriften an Finanzminister Klingbeil“. Die Initiative fordert, dass Bargeld in Europa auch künftig möglichst überall als Zahlungsmittel akzeptiert werden muss. Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat der Europäischen Union über neue Vorschriften zum Bargeld und zur Einführung des digitalen Euro.

Streit um die Bargeldannahme in öffentlichen Einrichtungen

Ein zentraler Streitpunkt ist die Frage, ob öffentliche Einrichtungen Bargeld ablehnen dürfen. Nach dem Bericht von Hakon von Holst über die deutsche Verhandlungsposition setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass Behörden und öffentliche Dienstleister unter bestimmten Voraussetzungen auf Bargeldzahlungen verzichten können, beispielsweise um Verwaltungskosten zu sparen. Das könnte Bürgerämter und den öffentlichen Nahverkehr betreffen. Die Bargeldinitiative sieht darin einen Widerspruch zum erklärten politischen Ziel, Bargeld dauerhaft zu erhalten.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt die Entwicklung in Berlin. Wie Norbert Häring berichtet, kündigten die Berliner Verkehrsbetriebe am 15. Oktober weitere Schritte zur Abschaffung von Bargeldzahlungen an. Die Diskussion betrifft damit nicht nur die Zukunft des Bezahlens im Einzelhandel, sondern zunehmend auch öffentliche Dienstleistungen, auf die Bürger im Alltag angewiesen sind.

Bargeldlose Automaten als weiterer Streitpunkt

Besonders kritisch bewertet die Initiative die geplanten Ausnahmen für unbemannte Verkaufsstellen. Nach Härings Darstellung haben sich Europäisches Parlament und EU-Ministerrat darauf verständigt, dass solche Einrichtungen Bargeld grundsätzlich ablehnen dürfen. Betroffen sein könnten beispielsweise Parkautomaten, Selbstbedienungskassen und andere automatisierte Verkaufsstellen.

Der frühere Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler warnt laut Härings Bericht davor, dass sich die Verdrängung des Bargelds dadurch beschleunigen könnte. Hinter dieser Sorge steht ein wirtschaftlicher Zusammenhang: Je seltener Bargeld verwendet wird, desto teurer kann es werden, die notwendige Infrastruktur aus Geldautomaten, Bankfilialen, Bargeldtransporten und Kassen aufrechtzuerhalten. Ein Rückgang der Nutzung könnte dadurch weitere Einschränkungen nach sich ziehen.

Initiative verweist auf erste Erfolge

Die Petition richtet sich allerdings nicht nur gegen bestehende und geplante Einschränkungen. Ihre Unterstützer sehen auch erste Erfolge. Nach Angaben im Bericht von Norbert Häring zeichnet sich in den europäischen Verhandlungen eine stärkere Verpflichtung für Geschäfte, Cafés und Apotheken ab, Bargeld anzunehmen. Die Initiative betrachtet dies als wichtigen Fortschritt gegenüber früheren Entwürfen. Die genaue Reichweite und die Ausnahmen einer solchen Annahmepflicht hängen jedoch von der endgültigen Fassung der europäischen Verordnung ab. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Inzwischen zählt die Initiative nach eigenen Angaben rund 405.000 Unterstützer. Davon wurden etwa 80.000 Unterschriften auf öffentlichen Plätzen gesammelt. Weitere 325.000 Menschen unterzeichneten online und bestätigten ihre E-Mail-Adresse. Zu den Unterstützern gehören nach Härings Darstellung unter anderem die Sängerin Julia Neigel, die Kabarettistin Monika Gruber sowie die Wissenschaftler Manfred Spitzer und Gerald Hüther.

Die hohe Zahl der Unterschriften verdeutlicht, dass die Zukunft des Bargelds für einen erheblichen Teil der Bevölkerung ein wichtiges Thema ist. Bargeld erfüllt mehrere Funktionen, die digitale Zahlungsmittel nicht in gleicher Weise abdecken. Es ermöglicht Zahlungen ohne unmittelbare elektronische Erfassung einzelner Transaktionen. Außerdem können Menschen auch ohne Smartphone, Bankkarte oder stabile Internetverbindung bezahlen. Bei technischen Störungen kann Bargeld darüber hinaus als unabhängiges Zahlungsmittel dienen.

Dem stehen Vorteile digitaler Bezahlverfahren gegenüber, etwa die bequeme Abwicklung, geringerer Aufwand bei bestimmten Zahlungsvorgängen und die Möglichkeit automatisierter Prozesse.

Die eigentliche politische Frage lautet deshalb nicht, ob digitale Zahlungen erlaubt oder gefördert werden sollen. Entscheidend ist vielmehr, ob Bürger weiterhin eine praktisch nutzbare Wahl zwischen Bargeld und digitalen Zahlungsmitteln behalten.