Vom Feind zum Freund? Amerikas wechselvolles Verhältnis zum Gold

lange galt Gold in Washington als Relikt, als Störenfried einer modernen Geldpolitik. Heute bunkern Zentralbanken weltweit Barren, und in den USA wird offen darüber gerätselt, ob die Regierung ihren Goldschatz eines Tages neu bewerten könnte. Wie kam es zu diesem Wandel, und was davon ist belegt?
Vom Goldstandard zum Nixon-Schock
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Dollar das Rückgrat des Weltwährungssystems von Bretton Woods: Ausländische Zentralbanken konnten ihre Dollar zu 35 Dollar je Unze in Gold tauschen. Solange die USA nicht mehr Dollar in die Welt schickten, als sie an Gold besaßen, ging das gut. In den 1960er Jahren kosteten der Vietnamkrieg und neue Sozialprogramme viel Geld, im Ausland sammelten sich Dollar-Forderungen an, die den Goldbestand überstiegen. Am 15. August 1971 schloss Präsident Richard Nixon das sogenannte Goldfenster. Finanzminister John Connally brachte die Haltung der Regierung später auf die Formel, der Dollar sei zwar Amerikas Währung, aber das Problem der anderen. Fortan konnten die USA ihre Geldmenge ausweiten, ohne dass jemand Gold verlangen durfte. Mitte der 1970er Jahre wurde Öl faktisch in Dollar abgerechnet, und die Überschüsse der Förderländer flossen in amerikanische Staatsanleihen. Dieses Arrangement, oft Petrodollar genannt, stützte die Nachfrage nach der Währung.

Der Mythos vom Preisdeckel

Unter Goldanlegern hält sich die Erzählung, die amerikanische Regierung habe Gold zum Feind erklärt und an der Terminbörse Comex einen Deckel auf den Preis gelegt. Die Fakten sehen anders aus. Am 31. Dezember 1974 hob Präsident Gerald Ford das Verbot privaten Goldbesitzes auf, das seit 1933 gegolten hatte. Am selben Tag begann an der Comex der Handel mit Gold-Terminkontrakten. Der Preis lag damals bei rund 195 Dollar je Unze und stieg bis Januar 1980 auf etwa 850 Dollar, mehr als eine Vervierfachung. Ein wirksamer Deckel sieht anders aus. Der lange Abstieg kam danach: Unter Fed-Chef Paul Volcker, der von 1979 bis 1987 amtierte, stiegen die Zinsen stark, und der Goldpreis fiel bis 1999 auf etwa 255 Dollar, rund 70 Prozent unter dem Höchststand. Volcker war übrigens 1971 noch kein Notenbankchef, sondern hochrangiger Beamter im Finanzministerium.
Preismanipulation hat es dennoch gegeben, nur in anderer Form. Händler der Edelmetallabteilung von JPMorgan gaben zwischen 2008 und 2016 Kaufs- und Verkaufsaufträge ab, die sie nie ausführen wollten. Diese Praxis heißt Spoofing. Das Unternehmen zahlte 2020 rund 920 Millionen Dollar, mehr als die Handelsaufsicht CFTC je in einem solchen Fall verhängt hatte. Das belegt Fehlverhalten einzelner Abteilungen. Einen staatlichen Plan zur Preisunterdrückung belegt es nicht.

Was die USA heute besitzen

Die Vereinigten Staaten halten 261,5 Millionen Unzen Gold, rund 8.133 Tonnen, und damit den größten offiziellen Bestand der Welt. Etwa die Hälfte lagert in Fort Knox. Gesetzlich ist der Schatz mit 42,22 Dollar je Unze bewertet, in den Büchern sind das gut elf Milliarden Dollar; zu aktuellen Preisen sind es mehr als eine Billion. Immer wieder wird behauptet, das Gold sei seit Jahrzehnten nicht geprüft worden. Finanzminister Scott Bessent sagte im Februar 2025, es gebe jedes Jahr eine Prüfung; tatsächlich prüft die Aufsichtsbehörde des Finanzministeriums den Bestand jährlich mit externen Wirtschaftsprüfern. Wahr ist allerdings, dass Außenstehende den Tresor zuletzt vor langer Zeit besichtigen durften. Als letzte öffentlich gemeldete Inspektion nennt die US-Münzprägeanstalt den September 1974. Präsident Donald Trump kündigte 2025 an, sich selbst ein Bild zu machen, Kritiker fordern unabhängige Stichproben.

Wird Gold zum Freund?

Die These geht so: Weil die Schulden und Zinsen steigen, lassen die USA den Goldpreis steigen und bewerten später ihren Bestand neu, um Spielraum zu gewinnen. Für Plausibilität spricht, dass die Staatsfinanzen unter Druck stehen und dass die Regierung offen daran arbeitet, die Renditen langlaufender Anleihen zu drücken. Dagegen spricht einiges. Eine Neubewertung bräuchte nach verbreiteter Rechtsauffassung ein Gesetz, und ein offizieller Plan ist nicht bekannt. Die Maßnahmen des Finanzministeriums im Sommer zielten auf den Anleihemarkt, nicht auf Gold. Und der Goldpreis selbst ist seit dem Januar-Rekord von rund 5.590 Dollar um etwa ein Viertel gefallen, was nicht nach einer gezielten Politik des Hochtreibens aussieht. Selbst bei einer Bewertung von 20.000 Dollar je Unze würde der Schatz nur gut fünf Billionen Dollar einbringen, etwa 13 Prozent der Staatsschulden.

Der Blick nach Peking

Fest steht, dass andere Länder Gold nachfragen. Seit dem Einfrieren russischer Reserven 2022 kaufen Zentralbanken im Schnitt rund 1.000 Tonnen pro Jahr, mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt von 2010 bis 2021. Chinas Notenbank meldet rund 2.300 Tonnen und kauft seit fast zwei Jahren jeden Monat zu. Manche Beobachter vermuten, China besitze ein Vielfaches davon. Belegen lässt sich das nicht; es bleibt Spekulation. Der Dollar behält zudem seine Stärke: 57 Prozent der ausgewiesenen Weltreserven lauten auf ihn.

Fazit

Gold war für Washington nie bloß Feind oder Freund, sondern ein Maßstab, an dem Geldpolitik gemessen wurde. Heute zeigt der Preis vor allem, wie sehr Anleger und Notenbanken der Finanzlage der USA misstrauen, aber auch, wie viel Gold dem Dollar nicht ersetzen kann. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.