Wärmewende der Merz-Regierung: Das kann sehr teuer werden!

Die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz kreiste lange um Wärmepumpen, Verbote und Übergangsfristen. Weniger Aufmerksamkeit erhielt dagegen eine andere Frage: Was passiert eigentlich, wenn Millionen Heizungen künftig auf Biomethan, Bioheizöl oder Wasserstoff angewiesen sind?

Hier setzt ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages an. Seine zentrale Botschaft ist weniger politisch als ökonomisch: Wer knappe Energieträger verpflichtend in großem Umfang einsetzen will, muss damit rechnen, dass ihre Preise steigen. Der Grund dafür ist simpel. Nachfrage lässt sich per Gesetz erhöhen, das  Angebot jedoch nicht.

Der Flaschenhals liegt auf der Angebotsseite

Die Diskussion wird häufig so geführt, als müssten lediglich ausreichend politische Anreize geschaffen werden. Tatsächlich hängt der Erfolg aber von der Verfügbarkeit der Energieträger ab. Biomethan entsteht nicht unbegrenzt. Die Produktion stößt auf natürliche Grenzen, etwa durch verfügbare Flächen und konkurrierende Nutzungen. Auch Bioheizöl basiert auf Rohstoffen, deren Mengen begrenzt sind. Wasserstoff wiederum wird zwar oft als Zukunftstechnologie beschrieben, steht jedoch zunächst vor allem der Industrie zur Verfügung, die ihn für Prozesse benötigt, die sich kaum elektrifizieren lassen. Das Gutachten verweist deshalb auf Nutzungskonkurrenzen und dauerhaft hohe Preise.

Entscheidend ist dabei nicht nur die absolute Menge. Dieselben Energieträger werden gleichzeitig von Industrie, Verkehr und Energiewirtschaft nachgefragt. Der Gebäudesektor tritt somit in einen Wettbewerb ein, den er preislich nicht zwangsläufig gewinnt. Je stärker mehrere Sektoren um dieselben Ressourcen konkurrieren, desto größer wird der Druck auf die Preise. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das keine Überraschung, sondern die normale Folge knapper Güter. Selbst wenn künftig mehr Wasserstoff verfügbar wäre, stellt sich eine weitere Frage: Wie gelangt er überhaupt bis zum privaten Heizkeller?

Für eine flächendeckende Versorgung wären erhebliche Investitionen in Leitungen, Speicher und Verteilnetze erforderlich. Diese Infrastruktur existiert bislang nur in Ansätzen. Entsprechend weist das Gutachten darauf hin, dass zusätzliche Investitionen notwendig wären, wodurch sich die Gesamtkosten weiter erhöhen könnten. Damit verschiebt sich die Diskussion. Nicht die Frage, ob eine Grüngasquote sinnvoll klingt, steht im Mittelpunkt. Entscheidend ist vielmehr, ob genügend klimaneutrale Energieträger zu vertretbaren Preisen verfügbar sein werden. Sollte das Angebot dauerhaft knapp bleiben, entstehen steigende Kosten unabhängig davon, welche Regierung die Regelung beschlossen hat. Denn Gesetze können zwar Quoten festlegen, sie schaffen jedoch keine zusätzlichen Mengen an Biomethan oder Wasserstoff.

Technologieoffenheit gewinnt an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund erscheint eine technologieoffene Wärmeversorgung ökonomisch sinnvoll. Unterschiedliche Gebäude haben unterschiedliche Voraussetzungen. Während Wärmepumpen in vielen Fällen wirtschaftlich sein können, könnten andere Gebäude weiterhin auf klassische Heizsysteme angewiesen bleiben, sofern klimaneutrale Alternativen nicht in ausreichender Menge verfügbar sind. Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb weniger darin, eine bestimmte Technologie vorzuschreiben, sondern knappe Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen entfalten.