Warum Diesel gerade so teuer ist wie nie zuvor

Dieselfahrer in Deutschland zahlen derzeit Rekordpreise an der Tankstelle. Am 17. September kostete ein Liter im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC 2,471 Euro und übertraf damit den bisherigen Höchststand vom April. Ende 2025 hatte ein Liter noch rund 1,60 Euro gekostet. Bund und Länder haben deshalb bereits eine befristete Entlastung von 14 Cent je Liter für die Monate Oktober bis Dezember beschlossen.

Der Hauptgrund für die Preisexplosion liegt im Zusammenspiel zweier Kriege. Im Kampf gegen Russland greift die Ukraine gezielt mit Drohnen russische Raffinerien an. Mehrere Großanlagen wurden dabei schwer beschädigt. Moskau reagierte im Juli mit einem Exportverbot für Diesel, um die eigene Versorgung sicherzustellen und die Unterstützerstaaten der Ukraine unter Druck zu setzen – die Beschränkung wurde inzwischen bis Ende Oktober verlängert.

Das Exportverbot ist nicht unerheblich, denn Russland zählte zuvor zu den größten Dieselexporteuren der Welt, auch wenn die EU selbst schon seit Jahren kein russisches Dieselöl mehr abnimmt; über den Weltmarkt bekommt Europa die Verknappung trotzdem zu spüren.

Auch Europa und die USA stehen mächtig unter Druck

Parallel dazu belastet der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran die Versorgung. Durch die eingeschränkte Schifffahrt in der Straße von Hormus gelangen weniger Rohöl und bereits raffinierte Produkte wie Diesel aus der Golfregion auf den Weltmarkt. Zugleich hat der Iran gezielt die Energie- und Raffinerieinfrastruktur der mit den USA verbündeten Staaten im Nahen Osten angegriffen, was die regionalen Produktionskapazitäten am Golf zusätzlich schmälert.

Verschärft wird die globale Lage durch einen Zwischenfall in Indien: Die gerade erst fertiggestellte HPCL-Raffinerie im nordindischen Rajasthan musste im April 2026 wegen eines Brands in der Rohöldestillation kurzzeitig den Betrieb unterbrechen. Dies geschah ausgerechnet in einer Phase, in der neue Raffineriekapazitäten dringend gebraucht würden, um die ausfallenden russischen und iranischen Anlagen zumindest teilweise zu kompensieren.

Auch in Europa fehlt es an Reserven: Im wichtigen Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen lagen die Dieselbestände im Juli rund 16 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Die Verknappung ist damit kein rein amerikanisches oder europäisches, sondern ein globales Phänomen, das mehrere Kontinente gleichzeitig erfasst.