in D/A/CH

Anfang September kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, die Organspende zur Pflicht machen zu wollen. Jeder solle automatisch Organspender sein, wenn nicht er selbst oder jemand aus der Familie widerspreche. Nur so könnte Organspende zum „Normalfall“ werden, denn in Deutschland würden 10.000 Menschen auf ein fremdes Organ warten. Jedoch nur rund 2.500 Organe würden jährlich gespendet, so Spahn. Spahn brachte die Diskussion darüber in den Bundestag ein.

Eingriff in die Freiheit des Einzelnen

Zwar stelle die Neuregelung einen Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen dar. Doch bislang seien alle Versuche der Politik, die zurückgehende Zahl der Organspender wieder zu erhöhen, erfolglos geblieben. Krankenhäusern fehle es oft an Zeit und Geld, potentielle Organspender zu identifizieren. Deshalb will Spahn die Zahl der Organspenden durch eine bessere Vergütung der Krankenhäuser erhöhen.

Klinken bekommen mehr Geld für Transplantationen

Jetzt stimmte das Bundeskabinett dem Gesetzesvorschlag von Jens Spahn zur „Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen der Organspende“ zu. Kliniken sollen eine „leistungsgerechte Vergütung“ erhalten. Damit soll die Zahl der Organspenden erhöht werden. Die Regierung hatte entschieden, dass die niedrigen Organspenden auf strukturelle Defizite zurückzuführen seien. Mit dem neuen Gesetz soll dem entgegengewirkt werden. Das Gesetz sieht vor: „Die vollständige Refinanzierung der Transplantationsbeauftragen durch die Kassen soll nach Berechnungen des Ministeriums mit Mehrkosten von rund 24 Millionen Euro im Jahr zu Buche schlagen. Jederzeit sollen qualifizierte Ärzte bereitstehen, um auf Anfrage einer Klinik den Hirntod eines Patienten festzustellen“.

Zwar sollen Organspender bislang noch ausdrücklich die Zustimmung zur Organentnahme im Falle des Hirntodes gegeben haben müssen. Ob die Widerspruchslösung, die Jens Spahn fordert, wonach jede Person automatisch zum Organspender wird, wenn sie nicht widerspricht, eingeführt werden wird, darüber muss noch entschieden werden. Geht es nach Jens Spahn, soll die Organspende zum Normalfall werden. Er sieht es zudem unproblematisch, dass durch die Widerspruchslösung der Staat in die Freiheit des Einzelnen eingreift.

Organspende ethisch nicht vertretbar

Das Thema Organspende ist umstritten. Darf der Gesetzgeber die Organspende zu einer rechtlichen und moralischen Pflicht machen? Oder muss sie freiwillig bleiben? Der Vorsitzende des Deutschen Ethik-Rats, Peter Dabrock, kritisierte Spahns Vorschlag aufs Schärfste: „Die bisherige Organspende trägt den Charakter von Freiwilligkeit und von wohltätiger Solidarität mit Schwerkranken“, sagte der Theologe. Man dürfe den Körper nicht zu einem Objekt staatlicher Sozialpflicht machen. Dann wäre es keine Organspende mehr, sondern eine Organabgabepflicht. Die bisher als selbstverständlich erachtete Integrität des Körpers würde in Frage gestellt.

Ist Hirntod gleichbedeutend mit Tod?

Die Mutter eines Sohnes, dessen Körper aufgrund der ärztlichen Aussage, er sei tot, zur Organspende freigegeben wurde, sieht das Thema Organspende heute kritisch. Seit mehr als 40 Jahren würden Wissenschaftler darüber diskutieren, ob der Hirntod der Tod eines Menschen sei, wie es die Transplantationsmedizin behauptet oder ob der Hirntod ein Moment im Sterben eines Menschen sei. Mehr als 40 Jahre lang gab es ernstzunehmende Proteste aller wissenschaftlichen Fakultäten, ob der Hirntod mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen sei.

Die Mutter des verstorbenen Sohnes sagt heute, dass sie als Mutter eines sterbenden Kindes dafür Sorge tragen wolle, dass ihr Kind in Ruhe und Frieden sterben dürfe, seinem Tempo gemäß, ohne dass irgendjemand an seinen sterbenden Körper schon Ansprüche anmeldete. Die Mediziner, mit denen sie zu tun gehabt hätte, hätten schwerst hinverletzte Patienten als Organreservoir betrachtet, die nicht um ihrer selbst willen behandelt, sondern nur als Organspender für andere konditioniert worden seien.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Als ob der finanziell Zugriff bis ins A. loch der Bürger nicht mehr ausreiche, krallen sich Lobbyisten ihre langen Finger nun an die inneren Organe.

  2. Wenn der Spahn das durchbringt wird ihm die Weltelite sehr dankbar sein auf dem Taschengeldkonto, denn dann haben die Eliten ja niemals mehr Nachschubprobleme, gell?