Umweltbehörde in den USA hebt wichtige CO-2-Regeln auf

Amerikas Strombedarf wächst kräftig. Für 2026 wird eine Rekorderzeugung von 4.368 Milliarden Kilowattstunden erwartet, 2027 soll die Nachfrage weiter steigen. Vor allem Rechenzentren und zusätzliche Industrieproduktion treiben den Verbrauch. Ausgerechnet in dieser Situation vollzieht Washington nun eine weitreichende Kehrtwende bei den Vorgaben für Kohle- und Gaskraftwerke.

EPA hat wichtige CO2-Regeln nun „aufgehoben“

Die US-Umweltbehörde EPA hat die zentralen CO2-Regeln für den Kraftwerkssektor aufgehoben. Behördenchef Lee Zeldin verkündete die Entscheidung am 14. September 2026 in Houston am Rande eines G20-Energietreffens. Nach Berechnungen der Behörde sollen dadurch über den gesamten Regelungszeitraum Kosten von rund 310 Milliarden Dollar vermieden werden.

Im Zentrum steht eine Regelung aus dem Jahr 2024. Kohlekraftwerke, die über 2039 hinaus betrieben werden sollten, hätten demnach ab 2032 rund 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen abscheiden und dauerhaft speichern müssen. Vergleichbare Anforderungen galten für neue, stark ausgelastete Gasturbinen.

Dabei ging es nicht um eine generelle Verpflichtung, sämtliche Kohlekraftwerke bis 2039 abzuschalten. Für Anlagen mit früher geplantem Betriebsende galten weniger strenge Anforderungen. Dennoch stellte die Regel Betreiber langlebiger Kraftwerke vor die Wahl, erhebliche Investitionen in CO2-Abscheidung und -Speicherung zu tätigen oder ihre weitere Betriebsdauer neu zu bewerten.Genau bei dieser Technologie hat sich die Einschätzung der US-Behörde inzwischen grundlegend verändert. Während sie 2024 davon ausging, dass die erforderliche CO2-Abscheidung technisch erprobt und wirtschaftlich umsetzbar sei, bewertet die heutige Führung diese Annahme anders. Nach ihrer Auffassung ist die Technologie nicht ausreichend belegt und die bisherige Regulierung hätte Kraftwerke eher zur Stilllegung gedrängt, als praktikable Emissionsgrenzen vorzugeben.

Neben der Aufhebung dieser Vorschriften steht eine weitere Änderung im Raum. Ein bislang noch nicht endgültiger Vorschlag könnte nach Berechnungen der Behörde zusätzliche direkte Erfüllungskosten von rund 370 Millionen Dollar vermeiden. Das Verfahren befindet sich allerdings noch in der Kommentierungsphase.

Wie unterschiedlich die wirtschaftlichen Folgen solcher Klimavorgaben bewertet werden können, zeigt ein Blick auf frühere Berechnungen. Für dieselben Kraftwerksregeln waren ursprünglich Erfüllungskosten von rund 19 Milliarden Dollar angesetzt worden. Gleichzeitig wurde bis 2047 ein Netto-Nutzen von etwa 370 Milliarden Dollar veranschlagt, wobei neben Klimaeffekten auch gesundheitliche Vorteile berücksichtigt wurden.

Die heutige Behörde kommt zu einer erheblich anderen Bewertung und beziffert die mögliche Kostenentlastung nun auf 310 Milliarden Dollar. Die enorme Differenz zeigt, wie stark das Ergebnis langfristiger Kosten-Nutzen-Rechnungen davon abhängt, welche technologischen, gesundheitlichen und klimapolitischen Annahmen in die Modelle einfließen.

Für die amerikanische Stromversorgung könnte der Zeitpunkt kaum bedeutender sein. Der zusätzliche Energiebedarf von Rechenzentren und Industrie erhöht den Druck auf die vorhandenen Erzeugungskapazitäten. Dennoch bedeutet die Lockerung der Vorschriften nicht automatisch eine Renaissance der Kohle. Trotz steigender Stromnachfrage soll ihr Anteil an der US-Stromerzeugung von 16 auf 14 Prozent zurückgehen.

Hinzu kommt, dass der regulatorische Kurswechsel juristisch noch Folgen haben dürfte. Umwelt- und Gesundheitsorganisationen haben Klagen angekündigt. Außerdem könnten nach vorliegenden Schätzungen durch die Änderungen im kommenden Jahrzehnt zusätzlich 123 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Vorschriften einzelner US-Bundesstaaten bleiben von der Entscheidung ebenfalls unberührt.Für Energieversorger und energieintensive Unternehmen verschieben sich dennoch die Rahmenbedingungen. Washington setzt stärker auf verfügbare Erzeugungskapazitäten und niedrigere regulatorische Kosten, während gleichzeitig der Stromverbrauch durch Digitalisierung und Industrie wächst.

Damit wird Energiepolitik zunehmend auch zu einer Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Je stärker sich regulatorische Vorgaben, Strompreise und verfügbare Kapazitäten zwischen den großen Industriestandorten auseinanderentwickeln, desto stärker können diese Unterschiede Investitionsentscheidungen von Unternehmen beeinflussen. Die amerikanische Kehrtwende bei den Kraftwerksregeln ist deshalb weit mehr als eine Debatte über Kohle. Sie ist Teil der größeren Frage, wie viel Energie eine zunehmend stromhungrige Wirtschaft zu welchem Preis bereitstellen kann.