in Naher Osten

Haitham Maleh ist Sprecher des Treuhändergremiums in der Führung der „Nationalen Koalition syrischer Revolutionäre und Oppositioneller“ (i. folg.: NCSR) und ist oder wird in dieser Eigenschaft maßgeblich zuständig für die Aquisition und Verwaltung der Mittel zur Bewaffnung, Ausstattung und Finanzierung der Terrorgruppen in Syrien, die auf ausdrücklichen Wunsch des US-Außenministeriums vom NCSR geführt werden sollen.

Der ehemalige Anwalt und Richter (!) ist passenderweise zugleich zum „Head of Legal Commitee“ ernannt worden, zum Direktor jenes Gremiums, bei dem lt. Gründungsurkunde im Auftrag der die Koalition ermächtigenden Nationen künftig die alleinige Rechtshoheit in Syrien liegen soll; das heißt die Entscheidung darüber, welcher angebliche „Kollaborateur mit dem System“ – egal in welcher Funktion er gestanden habe – einfach sterben, zu Tode geschunden – oder aus diesem oder jenem Grunde verschont bleiben soll.

In dieser Position des Blutrichters hat al-Maleh sein erstes Urteil gesprochen. Er erklärte vor den Kameras al-Dschasiras alle in Syrien lebenden oder sich dort aufhaltenden Iraner und Russen für vogelfrei:

Russland und der Iran unterstützen das Assad-Regime mit Waffen und Munition. Deshalb sind Bürger dieser Länder legitime Ziele für die Rebellen in Syrien

Zuvor hatten lt. Ria Novosti

Extremisten in einer Erklärung die Rebellen in Syrien aufgerufen, „die Botschaften der Ukraine und Russlands heute und künftig zu überfallen, allen Ukrainern, Russen und Iranern offiziell den Kampf anzusagen und es keinem Ukrainer, Russen bzw. Iraner zu ermöglichen, Syrien lebendig zu verlassen, sowie ihre Objekte im Ausland anzugreifen.

Es ist daher legitim, zu unterstellen, al-Maleh ist, indem er diesem Aufruf weder widersprach noch ihn modifizierte, mit einer solchen Interpretation seines Urteils einverstanden.

Maleh ist nicht zufällig für seinen Posten gewählt worden, er hat sich qualifiziert. Im Januar verschaffte er sich in einschlägigen Kreisen Aufmerksamkeit, indem er gegenüber dem Londoner Telegraph nicht nur Bashar al Assad, sondern auch seiner Frau und seinen Kindern verhieß, „sie werden gekillt, wie Gaddafi“.

Werfen wir einen Blick auf weitere Bestandteile der Vorgeschichte für al-Malehs Berufung.
Haitham Maleh wurde in Syrien am 14. Okt. 2009 verhaftet, einen Tag, nachdem der in London arbeitende Satellitensender „Barada TV“ ein Interview mit ihm veröffentlichte, in dem er zum Sturz des syrischen „Regimes“ aufrief. „Barada TV“ war, wie heute bewiesen ist, ein unter anderem von der amerikanischen Regierung finanziertes Projekt, das den Angriff auf die syrische Staatssouveränität mittels Bewaffnung von Söldnern und militanten Oppositionellen vorbereiten sollte. Über diese und andere Vorbereitungen, besonders auch die beträchtliche deutsche Beteiligung daran, kann man in diesem Blogbeitrag von mir nachlesen und Quellen finden.

Al-Maleh wurde daraufhin von einem Militärgericht der Verschwörung „zum Schaden des syrischen Volkes“ schuldig gesprochen und mit Rücksicht auf sein fortgeschrittenes Alter zu einer nach landesüblichen Maßstäben „milden“ dreijährigen Haft verurteilt.
Im Rahmen einer Amnestieerklärung Bashar al Assads für Häftlinge über 70 Jahren kam er im März 2011 frei, verließ das Land und schloß sich nun offiziell dem sogenannten „Syrischen Nationalrat“ an, zu deren vorgesehenen Gründungsmitgliedern er – folgt man meinen Ermittlungen zu den Vorbereitungen – möglicherweise schon 2009 gezählt hat.
Doch im März 2012 erklärte seinen Austritt aus dem SNC zugunsten eines abgespaltenen Gremiums mit ausdrücklichen Beführwortern einer weiteren Aufrüstung der „Rebellen“ und einer NATO-Intervention.

Ich bin aus dem SNC ausgetreten, weil es dort total chaotisch zugeht und keine Einigkeit darüber herrscht, was es jetzt vordringlich zu tun und zu erreichen gilt. Wir sind in unseren Bemühungen, die Rebellen zu bewaffnen, nicht besonders weit gekommen.“ (Quelle)

begründete Maleh seinen Schritt.
Zu dieser Zeit, der interessierte Leser wird sich erinnern, war auch in der westlichen Presse gelegentlich von ethnischen Massakern dieser „Rebellen“ berichtet worden, die in Homs die Bewohner eines Stadtteils – Baba Amr – zu Geiseln genommen hatten, um die syrische Armee an ihrer Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu zerbrechen. Diese Strategie war Ende Februar an der Beharrlichkeit und Geduld der syrischen Kampftruppen gescheitert.
Deshalb lief just zur Zeit des Rücktritts von Maleh und zwei weiteren Prominenten vom SNC – Kamal al-Labwani und Catherine al-Telli – die diplomatische Initiative des von UNSC berufenen Kofi Annan, die, dem Wortlaut seines „Fünf-Punkte-Plans“ nach, die Feindseligkeiten in Syrien zugunsten einer „politischen Lösung“ unter Beteiligung der regierungstreuen Kräfte beenden sollte.
Das geschah gegen den erklärten Willen Haitham al-Malehs. Am 16. März zitierte „Middle East Voices“ ihn mit den Worten:

Die Freie Syrische Armee ist die einzige Kraft, die mit der Regierung fertig werden kann. Es gibt keinen Weg, das Regime mit politischen, mit friedlichen Mitteln zu stoppen. Es muß mit Gewalt beendet werden, und die Leute von der FSA verteidigen sich nur selbst.

Man könnte meine Übersetzung angreifen, die aus Malehs eher undeutlichen Worten eine Anspielung auf die wohlbekannte Mujaheddin-Strategie der USA gegen die Sowjetunion macht, aber die Ähnlichkeiten sprechen für sich: Man nötige eine staatliche Autorität mittels asymetrischer Angriffe auf das Umfeld ihrer urbanen Zentren, und unter wohlbedachter Benutzung tausender Leichen aus der Zivilbevölkerung wie unter den unterlegenen, aber billig zu rekrutierenden Söldnern dazu, die Grundlagen ihrer Verankerung im ökonomischen und kulturellen Leben des Landes zu zerrütten und systematisch auszuhöhlen. Unter anderem dadurch, daß einem wachsenden Teil der betroffenen Landbevölkerung der von außerhalb finanzierte Krieg zur alternativlosen Revenuequelle wird, zur Überlebensnotwendigkeit. Maleh schrieb in einer Art Manifest, das zwei Tage vor dem bis dahin gewaltigsten Massaker an der Damaszener Zivilbevölkerung Anfang Mai veröffentlicht wurde, die hervorgehobenen Kernsätze:

Ein System, das Zivilisten vor brutaler Gewaltausübung schützen sollte (gemeint ist die „Responsibility to Protect“- Maxime der UN, TG), versagt in einem monumentalen Ausmaß. Wir hören Ausflüchte, wie die, daß eine Intervention in Syrien, so, wie sie in Libyen geschah, nicht möglich sei. Je länger das so geht, desto mehr schaut es danach aus, als sei es in Libyen nur um Öl gegangen … und noch viele Syrer mehr werden infolge internationaler Untätigkeit umkommen. (Quelle)

Deutlich genug.
Doch im Hinblick auf eventuelle Vorbedachtheit der Auftritte Malehs und ihre Stellung in einem strategischen Zusammenhang habe ich ein wenig vorgegriffen.
Zunächst war da der 1. April 2012, der nicht nur eine grundsätzliche Zustimmung Bashar al Assads zum „Fünf Punkte Plan“ Kofi Annans sah, dessen erste Stufe, eine Waffenruhe, nach Detailverhandlungen und – vorbereitungen am 12. April in Kraft trat. Er sah auch ein Treffen von Vertretern der wichtigsten am Angriff auf Syrien beteiligten Staaten – USA, UK, GB und die Vereinigung der Golfstaaten, GCC – in Istambul unter Führung von Killary „we came, wie saw, he died“ Clinton und eifriger Teilnahme Haitham al Malehs. Das Ergebnis: Ein Scheck über $200 Mio – gezeichnet von den Golfstaaten und Saudi-Arabien – zum expliziten Zweck der Anwerbung, Honorierung, Bewaffnung und Ausstattung von Söldnern für „den Krieg gegen Bashar al Assad“.
Al-Maleh’s Kommentar:

Das ist nicht genug. Wir haben um Milliarden gebeten.(Quelle)

Das konnte nicht verwundern.
Denn ein halbes Jahr zuvor – da war der US-Botschafter Robert Ford noch nicht aus Damaskus abberufen – war Haitham Maleh in Paris und London für einen Interventionskrieg antichambrieren gegangen, mit folgenden Argumenten und Aussagen:

Wie kann die internationale Gemeinschaft weiterhin Kontakte zu diesem Regime unterhalten? Es benutzt jede Art von Waffen und wenn die internationale Gemeinschaft weiterhin untätig bleiben wird, wird in Syrien niemand mehr übrig sein, außer ein paar Kindern. („you won’t find anybody left but the children“)

Schon zu dieser Zeit wurde er beim UN-Menschenrechtsrat in Genf vorstellig, um einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs für Assad und seine „engsten Mitarbeiter“ einzufordern. Über die in Syrien zu erledigende „Arbeit“ sagte er im September 2011:

In der 300.000 Mann starken syrischen Armee sind nur 60.000 Mann, die Brigaden, die Assads Bruder Maher unterstehen, wirklich loyal. (Quelle)

Spätestens hier sollte dem Leser klar werden, Haitham al-Maleh ist eine zerstörte Person. Wir können nicht wissen, wie er die Zerstörungen erwarb, aber wir können und sollten unterstellen, daß Malehs Haftzeiten – er war 1980, während des Aufstandes der Muslimbrüder verhaftet und für 6 Jahre eingebuchtet worden – und seine Behandlung in syrischen Verhörzimmern und Folterkellern keine unmaßgebliche Rolle darin spielt, auch wenn der heute 80 jährige keine sichtbaren Spuren davon zurück behalten zu haben scheint. Das „Skandalon“, das ich vorzuführen beabsichtige, sind nicht seine Mordaufrufe, seine Bemühungen um eine mitleidlose Massenschlachtung in Syrien, damit seine, Malehs erkorene Todfeinde zur Strecke gebracht werden, sondern der Gebrauch, der von ihm gemacht wird, die brutale Leidenschaftslosigkeit, mit der Maleh benutzt, und als das unkenntliche wahre Gesicht der Damen Killary und Susan, der Herren Cameron, Erdogan, Fabius und Hollande vorgeschoben wird, die in seinem vielleicht einst zerschlagenen Rücken Strippen ziehen und das Schlachten organisieren, zu dem er aufruft und aufrief. Denn spätestens in diesem September 2011 hat jeder, der nur über ein bißchen Landeskenntnisse verfügt hat – bzw. untergebene Knechte danach fragen konnte! – gewußt, daß Haitham al Maleh verrückt ist. Komplett durchgeknallt. Und trotzdem, ja gerade deswegen, muß man schließen, ist er heute in der Position, die ich eingangs nannte.

Die Folgen des $200 Mio – Segens waren vorbestimmt und blieben nicht aus. Vor allem Entführungen, Folterungen, Massaker vervielfachten sich in den darauf folgenden Wochen. Ein Tiefpunkt war der 10. Mai, an dem die „Al Nusra“ Brigade – das wissen wir heute vom CIA – in Damaskus zur Hauptverkehrszeit zwei Autobomben detonierte, denen 450 Unbeteiligte zum Opfer fielen, von denen 55 sofort starben. Die Hilfskräfte waren noch beschäftigt, die abgerissenen Glieder zu sortieren und die Klumpen von Hirn und anderen Organen in einem 200m Umkreis vom Asphalt zu kratzen und aus dem Dreck zu klauben, da wußte Maleh, „das Regime“ sei das „Mastermind“ hinter dem Anschlag. Niemand fragte ihn, warum er die Menschen nicht rechtzeitig gewarnt habe, wenn er doch wußte, daß „die Regierung“ derartige „Pläne“ hege …
Am 25. folgte Al Houla – 100 Familienmitglieder aus dem Umkreis eines syrischen Abgeordneten wurden in zwei Häusern zusammen getrieben und dort teils erschossen, teils mit Messern zerfleischt. Haithams Kommentar erspare ich mir und euch.

Und jetzt also dieser Mordaufruf gegen alle Iraner und Russen, denen die „Rebellen“ und ihre Verbündeten habhaft werden können, dessen Begründung die angesprochenen Regierung umstandslos gegen al-Maleh selbst und alle seine Spießgesellen und Hinterleute wenden können, die dazu kein klares Dementi heraus bringen.

Ich sage: Hey, Leute, killt diesen verrückten alten Mann nicht. Wenn denn gekillt werden soll oder muß, wählt andere.

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