Der verrückte Grüne

https://www.youtube.com/watch?v=9UNM6Ul1yK0

Am vergangenen Wochenende trafen sich Delegierte der Partei Bündnis 90/ Die Grünen in Hamburg zu ihrem jährlichen Parteitag. Die Debatten, Stellungnahmen und auftretenden Personen zeigen deutlich wie sehr eine Partei ihre Identität verlieren kann. Zwischen Freiheit, Veggie-Day, Pazifismus und Geopolitik – eine Abhandlung.

Johannes Steen betritt die Bühne. Der Kieler Schülersprecher wirkt etwas zittrig. Verständlich, immerhin wird er gleich der blöden bürgerlichen Klasse Geopolitik erklären. Und wahrlich: er schlägt sich garnicht schlecht: „Putin ist ein Despo.. äh Despot“ er hängt gern mit seinem Freunden von der NPD oder vom Front National rum – bzw. es kommt noch schlimmer: mit seinen Busenfreunden aus der AfD. Die Ukraine ist auf dem göttlichen Weg gen Westen und vollbringt demokratische Wundertaten. Gegenläufige Meinungen sind fremdgesteuert – soweit das transatlantische Blabla. Das beherrscht Johannes recht gut, und in der Schule gibt es dafür bestimmt eine 2, sollte er die vielen Versprecher weglassen. Mit vernunftbegabter Geopolitik hat das dennoch nichts zu tun. Trotzdem steht sein – zugegeben eher unwichtiger – Auftritt bei den Grünen sinnbildlich für eine Gesichtslose Partei.

Auch Cem Özdemir wiederholt sein „Yoga-Matten Argument“ aus dem Juli: Er betonte, wenn es ein UN-Mandat für Kriegseinsätze gebe, könne Deutschland nicht sagen: „Nicht mit uns.“ Militäreinsätze könnten jedoch allenfalls die „ultima ratio“ sein; zunächst müssten alle diplomatischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Doch Kritik aus Reihen der Delegierten blieb weitestgehend aus. Selbst die Sprecherin der Grünen Jugend, Theresa Kalmer, sprach sich für eine Bekämpfung des „Islamischen Staates“ mit Waffengewalt aus. Die hohe Zahl an Flüchtlingen, das unglaubliche Leid der Betroffenen und die erschreckende Gewalt der Islamisten machten diesen Schritt notwendig. Freilich, die Grüne Jugend rund um Johannes hat wohl eher eine gegenläufige Meinung. Von der pazifistischen Grünen Partei der 80er Jahre fehlt jede Spur.

Der Auftritt von Johannes versinnbildlicht aber auch das geopolitische Desaster der Grünen. Die urgrüne Grundhaltung von der eigenen moralischen Überlegenheit scheint sich auch in die Sicherheitspolitik zu ziehen. Statt „Nie wieder Krieg“ heißt es dort jetzt „endlich für die Ukraine kämpfen“, denn – wie hätte man es auch anders erwartet – der nun demokratisch revolutionierte Staat möchte auch etwas westlicher werden, oder vielleicht gleich ein bisschen grüner? So ist es kaum verwunderlich dass Johannes auf seinem ultramodernen super mega coolem Politikblog etwas mehr Politik a la „Battlerap“ fordert. Ist das Sicherheit oder Größenwahn?