Springer Presse: „Solidarität mit den Vereinigten Staaten von Amerika“

Über die polemische Einseitigkeit des Springer „Journalismus“ sind sich viele bewusst. Dennoch: die Boulevardzeitung hat Millionenauflagen. Und das obwohl sich Springer selbst eine politische Richtung vorgibt. Die berechtigte Frage lautet da: Ist das noch Journalismus?

Millionenauflage

Die Springer Zeitungen und Zeitschriften sind die bekanntesten in Deutschland. Allein die BILD Zeitung und die BILD am Sonntag haben gemeinsam eine Auflage von über vier Millionen. Zusammen mit den anderen Springer-Plattformen wie die WELT, dem Hamburger Abendblatt und der Berliner Zeitung lesen somit über 10 Millionen Deutsche Springer-Blätter. Sehr viel Einfluss für nur einen Konzern.

Die Unternehmensgrundsätze

Die Unternehmensgrundsätze der Springer-Gruppe sind öffentlich und klar formuliert und dennoch stehen sie in einem kompletten Gegensatz zu dem was man Journalismus nennt – nämlich eine „objektive Fremdbeobachtung geschehener Dinge“, In jedem Arbeitsvertrag und in jeder Redaktion heißt es:

  1. Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas.
  2. Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.
  3. Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
  4. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.
  5. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.

Allein zum ersten Grundsatz lässt sich ein Roman schreiben. „Das unbedingte Eintreten (…) Deutschland[s] als Mitglied er westlichen Staatengemeinschaft“ versichert jeder Springer „Journalist“ nickend zu unterstützen mit seiner Unterschrift unter seinem Arbeitsvertrag. Er versichert die „Freundschaft“ zu westlichen Staaten ohne Bedingungen und vollkommen absolut zu sichern und zu fördern. Objektiv? Wohl eher nicht.

Auch der zweite Punkt – so schön er klingen mag – ist problematisch. Die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen sowie die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes sind unglaublich wichtige und tolle Dinge – Journalismus mit all seinen Konsequenzen ist das aber nicht. Besonders der zweite Teil des Satzes bringt ungeahnte Folgen mit sich. Die „Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“ wird eben nicht nur als Befürwortung von der Wahrung israelischer Leben interpretiert, so schrieb Kai Diekmann beispielsweise in seiner letzten Kolummne:

„Sehr einfach: Wer als Deutscher die Lehren und die Verantwortung aus dem Holocaust ernst nimmt, dessen Platz muss immer an der Seite Israels sein, wenn die Existenz des jüdischen Staates bedroht ist.“

Was gut klingt, ist jedoch die Voreingenommenheit eines jeden Redakteurs stets die israelischen Rechte höher zu betrachten als beispielsweise die der Palästinenser.

Das schlimmste Bekenntnis ist jedoch ist „die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“ Mit dieser Phrase verabschiedet sich Springer vollkommen vom Journalismus. Von Objektivität kann hier auf keinen Fall mehr die Rede sein. Eine „Unterstützung des transatlantischen Bündnisses“ mit all seinen medial-inhaltlichen Folgen ist eine grundsätzliche Tendenz und Einseitigkeit die dem „Journalismus“ komplett dem Boden nimmt.

Erst vor kurzem veröffentlichte die Otto Brenner Stiftung eine Studie die überaus deutlich der BILD Zeitung den Journalismus aberkennt. Ausschlag auf Leserschaft scheint das jedoch nicht zu haben. Und das obwohl Einseitigkeit, Aufstachelung und teilweise auch Propaganda gängige Praxis im Hause Springer ist.

Quelle:
http://nachhaltigkeit.axelspringer.de/de/grundsaetze/unternehmensgrundsaetze.html
http://www.axelspringer-mediapilot.de/MEDIA-DATEN-Auflagen_551946.html
http://www.duden.de/rechtschreibung/unbedingt_bedingungslos_absolut
http://www.bild.de/news/standards/bild-kommentar/niemals-wieder-36966568.bild.html
https://www.otto-brenner-shop.de/publikationen/obs-arbeitshefte/shop/drucksache-bild-eine-marke-und-ihre-maegde-ah67.html