Journalismus als professionelle Auftragslüge

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Haben Sie kürzlich den SPIEGEL gelesen? Er zitierte eine bemerkenswerte Umfrage des Allensbachinstitutes.

Konjunktur robust, Arbeitsmarkt stabil, Euro-Krise abgeflaut: Angesichts der wirtschaftlichen Lage schauen viele Deutsche optimistisch aufs neue Jahr. So gut war die Stimmung seit Mitte der Neunziger nicht mehr.

Ich wohne da wohl in der falschen Ecke Deutschlands. Hier ist keiner so optimistisch, aber wenn die Bildzeitung für die gehobene Klasse dies vorgibt, wird keiner so schnell widersprechen. Schauen wir ein paar Tage später nochmal beim SPIEGEL vorbei:

„Mut zu immer neuen kleinen Anfängen“: Das forderte Angela Merkel von den Deutschen in ihrer Ansprache. Aber auch für die Kanzlerin könnte es das Motto der nächsten Monate sein. Die Euro-Krise ist längst nicht überstanden, und auch in der Innenpolitik steht ihre Koalition vor etlichen Baustellen.

Haben Sie etwas bemerkt?

Ja – die Eurokrise ist auf einmal wieder da. Für den Bürger ist sie abgeflaut, aber für die Kanzlerin ist sie eine wichtige Herausforderung. Was wir daraus lernen? Nun – könnte sein, dass der Bürger einfach zu blöde ist, die Krise richtig einzuschätzen. Es war aber der Journalist des SPIEGEL – und nicht der Bürger – der nebenbei bemerkt hat, dass die Krise bitte schön keine Rolle mehr zu spielen hat. Wir haben alle glücklich und optimistisch zu sein, weil wir sonst verschrobene Einzelgänger sind, die den Trend der Zeit, die Wirklichkeit und die Realität nicht verstehen wollen oder können.

Krise ist nur dann da, wenn sie nützlich ist – so könnte man es auch beschreiben.

Was ist das eigentlich, ein Journalist?

Das ist nicht leicht zu beantworten, denn: der Begriff ist gesetzlich nicht geschützt. Bevor wir uns jetzt in die rein akademische Diskussion stürzen wollen, was denn nun wirklich ein echter, richtiger, guter Journalist ist und welche Journalisten alle falsch und böse sind, sollte uns erstmal eins auffallen: für diesen nicht geschützten Beruf gibt es Schulen.

Seltsam, oder?

Jeder in Deutschland darf sich Journalist nennen, wenn er öffentliche Schriften verfaßt: hier gilt der Schutz der Meinungsfreiheit. Lange Zeit konnte man nur öffentliche Schriften verfassen, wenn man einen Finanzier hatte, der einem die Mittel zur Veröffentlichung zur Verfügung stellte – eine Zeitung, einen Verlag, eine Partei, eine Kirche, eine Gewerkschaft oder was es sonst noch so an gesellschaftlich etablierten Mächten gab. Heute kann das jeder – per Internet. Ist ganz leicht zu erlernen – viel leichter jedenfalls als die Kunst der Rede oder der Wahrheitsfindung.

Wozu braucht ein Beruf, der kein klares Berufsbild hat (obwohl viele Journalisten für sich selbst ein sehr klares Bild haben), eine Schule? Wozu brauche ich zur Formulierung meiner politischen Meinung in der Öffentlichkeit eine Ausbildung?

Wer zum Beispiel braucht eine RTL-Journalistenschule, die seltsamerweise auch die Landesanstalt für Medien NRW als Gesellschafter hat, die sich die Aufsicht im Internet als Aufgabe selbst gestellt hat, aber bei der Aufsicht über Sendeinhalte des RTL, welche Persönlichkeitsrechte (von Arbeitslosen) verletzen, sexuelle Handlungen deutlich abbilden oder Sendungen ausstrahlen, die einem „fragwürdig, anstößig oder kriminell“ vorkommen können, offensichtlich wenig Aktivität zeigt. Sehe ich, welche Methoden RTL laut Zeitgeistmagazin anwendet, so würde ich schon sagen: da macht man den Bock zum Gärtner – mit Hilfe von Steuergeldern.

Züchtet man sich aber so – mit staatlichem Segen – seine eigenen Journalisten heran, schützt man sich hervorragend vor zukünftigen „Whistleblowern“.

Das gilt nicht nur für RTL.

Natürlich haben Parteien ihre eigenen Schulen, ebenso Kirchen und Verlage. Man erzieht gerne jene, die die Meinung des Auftraggebers vervielfältigen sollen, selber. Im Prinzip wäre also jede Journalistenschule ein Vergehen gegen die freie Meinungsbildung und Wahrheitsfindung, weil hier jeweils nur eine bestimmte Perspektive hervorgehoben wird, eine bestimmte Art der Darstellung favorisiert wird … und eine bestimmte Methode der Manipulation der Wahrheit praktiziert wird, die Pressesprecher von Parteien und Konzernen gerne zur Verschleierung unangenehmer Wahrheiten einsetzen.

Schon verstehen wir, warum man teils sehr kostenintensive Ausbildungen für einen Beruf anbietet, den man ohne jegliche Ausbildung jederzeit selbst ausüben könnte.

Journalismus.com, der „Journalisten-Treff im Web“, beschreibt deutlich, warum man diese Journalistenschulen besuchen sollte:

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Die meisten Journalistenschulen in Deutschland genießen einen exzellenten Ruf. Hier lernen Journalisten das Handwerk von der Pike auf. Wer Absolvent einer Journalistenschule ist, findet in den meisten Fällen einen Job.

Wie das „Handwerk“ aussieht, haben wir oben bei den zeitlich naheliegenden Artikeln des Spiegel gesehen. Wer noch ein paar handwerklich korrekte Ergüsse zum Thema „Verdrehung der Realität“ haben möchte, ist bei Fietje Stegers von „Netzjournalismus.de“ gut aufgehoben: dort sieht man, wie Tagesschau, Stern, Spiegel-online und andere Auftraggeber ganz verschiedene Abläufe der Konfrontation des Vaters das NSU-Täters Mundlos mit dem betreffenden Richter beschreibt.

Wirklichkeit ist halt in ihrer Beschreibung enorm dehnbar.

Was aber die Journalistenschulen auszeichnet, ist vor allem eins: man findet in den meisten Fällen einen Job.

Ach so.  So kann man auch formulieren, dass sie Vorrausetzungen für eine jener gut bezahlten und rar gesäten Stellen als bezahlter Vollzeitjournalist ist – eine angenehme Alternative zum stets hungrigen, von Obdachlosigkeit und sozialer Ausgrenzung bedrohten „freien Journalisten“, die in Deutschland steten Zulauf haben … vor allem, weil die tollen (und untereinander bestens vernetzten) Journalisten der Journalistenschulen sie aus dem Job verdrängen.

Die Henri-Nannen-Schule prahlt ganz offen mit ihren Absolventen:

Ehemalige Nannenschüler sind in rund 120 deutschen Redaktionen anzutreffen, in allen Mediengattungen. Sie produzieren im Politikressort oder Feuilleton, am Newsdesk oder in der Lifestyle-Redaktion. Sie arbeiten als Korrespondenten im Ausland, als Community-Redakteure, als investigative Reporter. Nicht wenige von ihnen sind in Führungspositionen gelangt, als Ressortleiter, Textchefs und auch als Chefredakteure.

Seit 1979 haben 631 junge Frauen und Männer unsere Ausbildung absolviert. Ende 2013 arbeiteten knapp 200 von ihnen als fest angestellte Redakteure bei G+J, dem Spiegel und der Zeit (jeweils Print und Online). Insgesamt waren bei den drei Verlagen, die die Schule tragen, in den vergangenen Jahrzehnten noch mehr Nannenschüler beschäftigt; viele von ihnen haben Verlag und Redaktion mehrfach gewechselt, typisch für die meisten Journalisten-Biographien.

Weitere rund 180 Absolventen hatten Ende 2013 einen Anstellungsvertrag bei anderen Redaktionen. Und 200 Absolventen sind als freie Journalisten tätig. Manche machen auch beides zugleich – so die Absolventen des jüngsten Lehrgangs 2012/13, die sich, ob fest angestellt oder frei, alle gemeinsam zu einer Journalistengemeinschaft zusammengeschlossen haben: www.killdarlings.de. Und 50 ehemalige Nannenschüler haben seit 1979 den Beruf gewechselt – wozu wir auch jene zählen, die nun eine Festanstellung in der PR-Branche haben.

Den gleichen Einfluß auf die Meinungsbildung in Deutschland hat auch die Berliner Journalistenschule:

Seit 1986 hat die BJS über 350 junge Journalisten zu Redakteuren ausgebildet. Viele von ihnen arbeiten heute erfolgreich in verantwortlichen Positionen, zum Beispiel als Chefredakteure, Moderatoren oder Korrespondenten.

Eine kleine Hand voll führender „Journalistenschulen“ bestimmen also, welche Leute uns Nachrichten in jener Form bringen, die ihren Auftraggebern genehm ist. Zu den führenden Journalistenschulen gehört auch die Kölner Journalistenschule – ein Prunkstück der deutschen Medienwelt:

Das Sponsoringkonzept der Kölner Journalistenschule gibt Unternehmen die Möglichkeit,

  • schon während der Ausbildung Kontakt zu den angehenden Politik- und Wirtschaftsjournalisten der Kölner Journalistenschule zu knüpfen;
  • ihre Öffentlichkeitsarbeit, die Entwicklung ihrer Branche und ihre Unternehmensstrategie den Kölner Journalistenschülern vorzustellen;
  • die Ausbildung, einzelne Ausbildungselemente oder die technische Ausstattung der Kölner Journalistenschule finanziell zu unterstützen.

Hier können sich Unternehmen schon während der Ausbildung genehme Journalisten kaufen, mieten oder warm halten. Den Service nehmen folgende Unternehmen in Anspruch: Bayer, Ergo, RWE, Henkel, Telekom, BP und einige andere hochrangige Konzerne in Deutschland. Der Fettdruck wurde von der Schule selbst vorgenommen – und sagt genug aus. Hier kauft man sich als Konzern Politik- und Wirtschaftsmeinung und bestimmt, wann genau die Eurokrise jetzt abflaut oder zum Problem wird – sogar innerhalb eines einzelnen Magazins.

Man könnte darüber lächeln … wäre nicht der Journalismus im Prinzip die „Vierte Macht im Staat“, jene Macht also, die den anderen Mächten auf die Finger schauen soll. Was würden wir dazu sagen, wenn die anderen Mächte im Staat von privaten Schulen trainiert werden, um ihr „Handwerk“ sinnvoll auszuführen – wobei die Reduktion des Journalismus auf „Handwerk“ schon der erste Schritt ist, seine gesellschaftskritische Komponente auszulöschen.

Laut Wikipedia bestand Journalismus im „Vormärz“ noch aus „geistig anspruchsvoller Flugblatt- und Zeitschriftenliteratur“, während heute das (geistlose?) „planmäßige Zusammenwirken von Nachrichtenwesen und Tagesliteratur“ vorherrscht.

Wer aber schreibt den Plan dazu – den Journalisten dann handwerklich korrekt umsetzen sollen …. oder müssen, wenn sie einen Job wollen?

Was bleibt, ist der Eindruck, dass sich das „System“ (in Anlehnung an das gleichnamige Buch des Verfassungsrechtlers Hans Herbert von Arnim) den Journalismus als professionellen Auftragslügner gefügig gemacht hat und damit komplett die öffentliche Meinung dirigiert – ganz nach Wunsch der Auftraggeber.

So ist zu erklären, dass Montags keine Krise ist, Dienstags aber wieder, Donnerstag jedoch nicht – ausser für die Kanzlerin.

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