Italienischer Virologe: 95 % Infizierter in Italien symptomfrei

Der italienische Professor für Mikrobiologie und Virologie an der Universität in Padua, Giorgio Palu, sagte in einem Zeitungsinterview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“, dass lediglich die Zahl der Patienten entscheidend sei, welche auf Intensivstationen eingeliefert würden. Das sei die Zahl, die die Gefährlichkeit der Lage bezeuge und nicht die Zahl der Infizierten. Das Virus könne zwar töten, habe aber eine sehr niedrige Sterblichkeitsrate. Das Coronavirus sei nicht die Pest, sagte Palu und warnte vor Hysterie.

Palu machte darauf aufmerksam, dass 95 Prozent der mit SARS-CoV-2-Infizierten in Italien nicht an Covid-19 erkranken. Als Bürger Italiens sei er gegen einen neuen Lockdown, weil dieser für die italienische Wirtschaft Selbstmord wäre. Als Wissenschaftler sei er gegen einen neuen Lockdown, weil dieser die Bildung der Jugend beeinträchtigen würde, welche die Zukunft des Landes sei. Als Arzt sei er ebenfalls gegen einen Lockdown, weil man mit einem Ausgangsverbot Personen, die an anderen Krankheiten wie Krebs leiden, den Zugang zu Behandlungen verwehren würde. Dabei sei die Letalität mit dem Corona-Virus so gering. Man müsse der Hysterie endlich ein Ende setzen.

Gegen einen neuen Lockdown sprach sich auch der Präsident des Obersten italienischen Gesundheitsinstituts aus, Franco Locatelli, dessen Einrichtung die Regierung im Umgang mit der Coronavirus-Epidemie berät. Die Zahl der Patienten auf Intensivstationen sei wesentlich geringer als im Frühjahr. Ein nächtliches Ausgangsverbot würde die Gastronomie weiter belasten, die ohnehin seit dem Frühjahr in einer schweren Krise stecke. Ein erneuter Lockdown hätte unerträgliche soziale und wirtschaftliche Folgen, so Locatelli.

Trotz aller Warnungen und des Widerstands seitens Experten herrscht seit einer Woche ein „Teil-Lockdown“ in Italien. Ministerpräsident Conte hat ein neues Maßnahmenpaket „im Kampf gegen das Virus“ unterzeichnet. Die Maßnahmen sollen zunächst bis zum 24. November gelten. Angesichts des erneuten Lockdowns ist es in vielen Städten Italiens zu großen Protesten aber auch zu Ausschreitungen gekommen. Auch in Madrid kam es zu Ausschreitungen und Protesten, da auch in Spanien ein weiterer Lockdown verhängt worden ist. Offenbar haben sich die Länder der EU darauf geeinigt, kurz vor den US-Wahlen eine konzertierte Aktion zu starten. Denn auch Frankreich und Österreich sind seit dem 02.11.2020 im Lockdown.

Ob die Stimmen der Experten gegen einen Lockdown überhaupt einen Nutzen haben? Warum nicht? (AM) Lesen Sie  hier weiter…