in Gesellschaft

Das Thema Migration wird in Deutschland und Europa weiterhin diskutiert. Frankreichs Präsident Macron hat das Thema jetzt zu einem zentralen Punkt seines Europawahlkampfs gemacht. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen allerdings lediglich die Folgen der Einwanderung aus süd- und osteuropäischen Ländern. Dabei werden einige Probleme übersehen, wie die Einwanderung zumeist unqualifizierter, oftmals sogar ungelernter Migranten, auch aus arabischen und afrikanischen Ländern.

Ein Thema fehlt jedoch in der öffentlichen Diskussion: Viele Hochqualifizierte wandern aus Deutschland aus. Deutschland ist für viele Deutsche wieder, wie einst im 19. Jahrhundert, zum Auswanderungsland geworden. Die „NZZ“ berichtet, dass deutsche Ärzte nach Norwegen oder in die Schweiz gehen, deutsche Ingenieure nach Australien. Verlässliche Daten über die Auswanderung von Hochqualifizierten gibt es jedoch kaum.

Auch wenn viele Auswanderer zunächst nur temporär auswandern wollen und ihre Wohnungen untervermieten, bezeichnet die Weltbank Menschen, die länger als zwölf Monate im Ausland tätig sind, als Auswanderer. Laut Weltbank lag Deutschland 2017 immerhin auf Platz 9 der Auswanderungsländer. Auf den Plätzen davor liegen die klassischen Auswanderungsländer wie China, Indien oder die Philippinen.

Um die Statistik zu erheben, untersucht die Weltbank die Überweisungen von im Ausland lebenden Deutschen in die Heimat. Demnach sollen Deutsche 2017 knapp 17 Milliarden Dollar in die Heimat überwiesen haben. US-Amerikaner sollen laut Weltbank lediglich 6 Milliarden Dollar in die Staaten überweisen haben.

Die USA führt jedoch die Liste der Länder an, aus denen Geld in die Heimat überwiesen wird: 2017 haben in den USA tätige Bürger aus anderen Staaten rund 66 Milliarden Dollar in ihre Herkunftsländer überwiesen. Aus Saudi-Arabien wurden knapp 38 Milliarden Dollar überwiesen und aus der Schweiz rund 26 Milliarden. An vierter Stelle steht Deutschland. Über 20 Milliarden Dollar haben in Deutschland lebende und arbeitende Menschen aus anderen Staaten in ihre Herkunftsländer überwiesen.

Deutschland unterscheidet sich jedoch von den klassischen Einwanderungsländern. Während klassische Einwanderungsländer in der Lage sind, wirtschaftliche Anreizstrukturen für hochqualifizierte Einwanderer und für Einheimische zu schaffen, so dass die eigenen Hochqualifizierten nicht abwandern, herrscht in Deutschland ein Ungleichgewicht. Hier ausgebildete Hochqualifizierte wie Mediziner und Ingenieure verlassen das Land und Geringqualifizierte wandern ein. Im Vergleich zu Australien oder der Schweiz sind die Gehälter in Deutschland deutlich niedriger und die Arbeitsbedingungen häufig schlechter.

Angestellte Ärzte in leitenden Positionen verdienen in Deutschland ein Drittel dessen, was für vergleichbare Positionen in den USA oder Australien gezahlt wird. In Dänemark oder der Schweiz sind die Gehälter immerhin doppelt so hoch wie hierzulande. Solange die Gehälter nicht steigen, wird es schwierig, Hochqualifizierte hier zu halten: Assistenzärzte verdienen nur wenig mehr als ein Lastwagenfahrer in den USA, der für den Handelskonzern Walmart arbeitet.

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Kommentar

  1. Schon seit etlichen Jahren wandern pro Jahr ca. 140.000 Deutsche für immer aus. Ab 2016 gibt es jedoch einen drastischen Anstieg.

    Es sind hoch und gut qualifizierte Personen (Ärzte, Ingenieure, Techniker, Meister, Facharbeiter) mit Berufserfahrungen und vielfach auch Zusatzqualifikationen.

    Sie finden in Deutschland nach einer Arbeitslosigkeit keine Neueinstellung oder gehen, weil das Arbeitsklima oder/und die Bezahlung in den Unternehmen sich eklatant verschlechtert hat.

    Dass sie fit, flexibel, mobil und bereit für neue Herausforderungen sind, beweisen sie durch ihre Auswanderung.

    Wer da von Fachkräftemangel faselt sollte erstmal seinen eigenen Augiasstall ausmisten und entsprechende Arbeitsbedingungen schaffen.

  2. Mir ist noch ein Bericht eines Allgemeinmediziners mit Doktorwürde im Gedächtnis. Dieser Dr. arbeitete die Hälfte des Monats in England und mit dem dort verdienten Geld die deutsche Praxis aufrechterhalten zu können. So sieht es dann auch in vielen anderen Gewerken aus. Die Krankenkassen aber fahren alljährlich zig Milliarden Überschüsse ein. Diese Zahlen findet man noch im Mainstream. Aber wohin die Milliarden verschwinden erfährt man dann nicht mehr. Und so bleibt dann der Pflegenotstand, der Ärztenotstand auf dem Lande und der sog. Fachkräftenotstand, der in gleicher Art und Weise funktioniert. Obwohl die private Fa. Arbeitsagentur ebenfalls Milliardenüberschüsse macht. Aber hilft es darüber zu Klagen und zu Jammern? Das hilft mit Sicherheit nicht! Was hilft denn dagegen? Selbstbewusste Eigenverantwortung! Diese muss das deutsche Volk endlich wieder aufnehmen um sich damit eine volksherrschaftliche Verfassung zu geben, mit der dann dieser Missstand und viele weitere Tausend behoben werden können

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