in Gesellschaft

Leistungsgesellschaft bedeutet Selbstzerstörung.

Burnout und Depressionen sind in aller Munde. Jeder hat die beste Idee und die einfachste Lösung. Denkt er! Obwohl viele Ideen in die richtige Richtung gehen, gehen sie bei weitem nicht weit genug. Wir verzögern das Unvermeidliche nur um ein paar Jahre.

Natürlich ist es gut, wenn wir mehr auf unsere Gesundheit achten. Natürlich ist es toll, dass Meditation gegen Stress hilft, was es auch tatsächlich tut. Aber das eigentliche Problem liegt doch wo ganz anders.

Solange wir auf Leistung getrimmt werden und einfach nur funktionieren müssen, wird sich nichts ändern. Dann dauert es eben ein paar Jahre länger bis die Krise kommt, bis Depressionen und Burnout auftauchen, aber verschwinden werden diese Krankheiten dadurch nicht.

Komisch ist doch auch, dass das es sich hierbei um Krankheiten der Industrienationen handelt. Komisch ist doch auch, dass diese Krankheiten erst in den letzten Jahrzehnten so stark zugenommen haben.

Worin liegen die Ursachen?

Die Ursache liegt in unseren derzeitigen gesellschaftlichen Strukturen. Die Ursache liegt in unserem eigenen Denken, in unseren eigenen Werten. Die Ursache ist tief in unserem Denken durch unsere schulische Erziehung verwurzelt und durch die Gesellschaft geprägt. Es werden Werte bei uns propagiert, die einfach nicht mit einem gesunden Leben übereinstimmen.

Das Fernsehen tut sein Übriges dazu und verschlimmert das Ganze, indem wir laufend durch Werbung zum Konsumieren angehalten werden. Hast du was, bist du was! Nur dann?! Ja, so hören wir es zumindest überall!

Klar, um diesen Konsum zu finanzieren müssen wir mehr und mehr arbeiten. Klar, das gefällt den großen Konzernen.

Während meiner Ausbildung habe ich das beste Beispiel kennen gelernt, dass das Ganze verdeutlicht.

Während einer Übung zur Ermittlung unserer Werte (z. B. hier: http://blog.ziele-sicher-erreichen.de/2012/10/uebung-eigene-werte-wertvorstellungen-finden-und-entwickeln.html) wurde deutlich, dass ein junger Teilnehmer (Student), seinen Wert Gesundheit unter den Wert Leistung und Erfolg eingeordnet hat.

Was bedeutet das?

Es bedeutet, dass dieser Teilnehmer immer so lange arbeiten würde, bis er vollkommen erschöpft bzw. krank wäre.

Klar, das mag (kurzfristig) gut für ihren späteren Arbeitnehmer sein, aber ist es gut für sie?! Das mag gut für ihr finanzielles Auskommen sein. Aber was nützt ihr das, wenn sie irgendwann nichts mehr mit ihrem hart verdienten Geld anfangen kann, weil sie ausgebrannt und krank ist. Des Weiteren ist zu überlegen, dass eine längere Arbeitsunfähigkeit ihrerseits auch der Gesellschaft schadet, da diese Person auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen ist.

Aber es gibt ja zum Glück Versicherungen, die dann im Leistungsfall natürlich schauen, dass sie nichts ausbezahlen müssen. Es findet sich doch bestimmt irgendwo eine Möglichkeit der Leistungspflicht zu entgehen. Logisch, wenn das Unternehmensziel ist, wie in jedem großen Unternehmen, die Gewinne zu maximieren.

Werte sind unsere verborgenen Handlungsmotive, die unsere Entscheidungen unbewusst steuern. Werte beeinflussen unser Handeln, bestimmen, was wir Denken, Fühlen und für richtig und falsch halten.

Jemand, der Leistung und Erfolg höher einstuft als Gesundheit und Wohlbefinden, wird langfristig immer unter dem Druck, den er sich selbst erzeugt, zusammenbrechen.

Werte bestimmen nämlich unsere Entscheidungen maßgeblich, indem sie uns unbewusst in eine Richtung lenken und damit unser Verhalten beeinflussen. Ein wichtigerer Wert steht letztendlich immer über einem weniger wichtigen Wert.

Ein Beispiel: Jemand, der krank ist und eigentlich Ruhe braucht, wird trotzdem auf die Arbeit gehen, wenn ihm Erfolg bzw. Leistung wichtiger ist als die eigene Gesundheit. Zu was das führt, ist klar.

Diese Person weiß vielleicht nicht einmal bewusst, warum sie sich so entschieden hat, z. B. trotz Krankheit zur Arbeit zu gehen. Diese Entscheidung zu arbeiten, wird vielleicht nur aufgrund eines Gefühls oder eines Gedankens getroffen, aber dennoch war der wichtigere Wert ausschlaggebend. Denn unsere Werte beeinflussen unsere Gedanken und unsere Gefühle. Das führt in diesem Fall dazu, dass die Person arbeiten geht, auch wenn es schlecht für ihre Gesundheit ist.

Es geht mir hier gar nicht darum Menschen von irgendetwas abzuhalten, sondern ich möchte darauf hinweisen, warum wir Menschen handeln, wie wir handeln und ich möchte auf die Auswirkungen aufmerksam machen.

Kann der Teilnehmer etwas dafür?

Natürlich nicht! Er wusste es ja bisher überhaupt nicht besser. Er steht stellvertretend für alle Menschen und unsere Situation. Niemand erklärt uns, wie wir ein erfülltes, gesundes, selbstbestimmtes Leben führen können. Dafür gibt es kein Schulfach und auch keine Studienrichtung.

Gibt es Lösungsmöglichkeiten?

Ja, die gibt es! Vielleicht wäre es an der Zeit ein grundsätzliches Umdenken zu beginnen und unserer Verantwortung gegenüber der Welt und unseren Mitmenschen bewusst zu werden. Wir sollten erkennen, dass wir gerade auch durch unser Bildungssystem Kinder und junge Menschen zu diesem Denken erziehen und zwar ohne dass jemals ernsthafte Alternativen aufgezeigt werden.

Wir müssen anfangen uns, unsere Werte, die Gesellschaft, einfach alles kritisch zu hinterfragen. Wir sollten anfangen uns selbst mehr mit unsere Gesundheit und unserem Wohlbefinden zu beschäftigen und selbst herausfinden, was uns gut tut und in welchem Maße.

Wir müssen uns mit Fragen auseinandersetzen, ob es eventuell andere Möglichkeiten gibt. z. B., weniger konsumieren und dafür mehr Nachhaltigkeit und Selbstbestimmung in unser Leben bringen.

In jedem von uns schlummert ein riesengroßes, ungenutztes Potenzial. Ich habe nie studiert. Ich dachte bis vor 8 Monaten, dass ich keine ordentlichen Texte schreiben kann. Das waren meine Prägungen aus der Schulzeit. Keine besonders gute Note in Deutsch musste ja bedeuten, dass ich dazu nicht geeignet sei! Aber nein! So ist das nicht!

Ich habe es einfach getan, einfach begonnen und mir die wichtigsten Skills selbst angelesen und durch ständiges Üben in Eigenregie beigebracht.

Genau deshalb, habe ich abschließend eine Bitte an euch:

Lasst euch nichts einreden, hinterfragt alles und folgt eurem eigenen Herzen.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. viel schlimmer ist noch, dass man systematisch das volksvermögen zerstört nur damit der kleine mann immer wieder gezwungen ist bei null anzufangen und ja nicht auf die idee kommt sich auf seinen leistungen/ersparnis auszuruhen

  2. >> Die Ursache liegt in unseren derzeitigen gesellschaftlichen Strukturen. Die Ursache liegt in unserem eigenen Denken, in unseren eigenen Werten. Die Ursache ist tief in unserem Denken durch unsere schulische Erziehung verwurzelt und durch die Gesellschaft geprägt. Es werden Werte bei uns propagiert, die einfach nicht mit einem gesunden Leben übereinstimmen. <<

    Mit die wichtigsten Kernaussagen. Back to the roots und zu wahren Werten wie Liebe, Mitgefühl, Familie, Lebenssinn usw. sowie Eigen-verantwortung übernehmen. Leben anstatt von anderen und vom System "gelebt" zu werden. Zeit für einen Paradigmenwechsel in allen Bereichen des Lebens, für einen persönlich als auch kollektiv.

    Schöner Artikel! Gern mehr davon. :-)

  3. Danke Jens für diesen tollen Artikel.

    Ich kann dir nur zustimmen, dass der Wert Gesundheit wesentlich ist und mehr beachtung braucht als äußerliche und aufgezwungene („falsche“) Wert wie Ansehen.

    In der Schule hab ich auch keine guten Deutschnoten geschrieben. War eher der Mathematiker ;) Entweder oder eben? Hat’s zumindest geheißen.

    Heute tu ich nichts lieber als schreiben und betreibe erfolgreich meinen Blog.

    DANKE
    Liebe Grüße
    Robert

  4. Emphatischer Artikel, der Burnout und Depression vom Kern her erfasst. Eine Zunahme wie mittlerweile grassierend hat nichts mit genetischer Fehldisposition zu tun, auch wenn dies medizinisch und medial vorzugsweise vorgegauckelt wird. Hat man dies -so wie auch in dem Artikel beschrieben- erkannt, liegt der erste Schritt zur Besserung vor!

    Allerdings steht im Wege der Spagat aus klarer Sicht und sodann Realisierung, in welchem gesellschaftlichen Umfeld sich zu „sozialisieren“ ist, wie nah man am Abgrund der Isolation unterwegs ist. Kurzum – erneut zeichnet sich ungesunde Anpassung ab, Aus diesem Dilemma einen Weg zu finden, gerade wenn keine finanzielle Autonomie vorliegt, ist der nächste Knackpunkt. Man fühlt sich in der ungesunden…

  5. Aufgrund des geringen Zeichenvolumens folgender Nachtrag:

    Ergänzend zu dem Artikel als Zusatzinformation zu empfehlen ist ein Artikel von Götz Eisenberg, der bzgl. medizinischer Reflektion von „Befriedungsverbrechen“ schreibt, was rundum zutreffend ist!

    http://www.magazin-auswege.de/2013/01/psychologisierung-sozialer-konflikte/

    Auch sei auf den Psychoanalytiker Erich Fromm hingewiesen, der sehr früh auf Entwicklungen hingewiesen hat, die heute pandemieartig vorliegen. Stelle mal ein Kurzinterview aus den 70ern ein und eines aus den 50ern, damals noch in Amerika (wahrhaft weise Erkenntnisse/Worte).

    https://www.youtube.com/watch?v=JayPmA9pFfY

    https://www.youtube.com/watch?v=OTu0qJG0NfU

  6. Ein Artikel der mir aus der Seele spricht! Ich glaube auch, dass ein Burnout absolut eine Krankheit unserer Zeit ist. Mehr schaffen, mehr verdienen, mehr erledigen mehr mehr mehr…

    Das das auf Dauer nicht gut gehen kann ist da ja wohl vorprogrammiert!