in Gesellschaft

Der Psychiater Michael Winterhoff hat sich in seinem Buch „Deutschland verdummt“ mit der Digitalisierung und dem Bildungssystem in Deutschland befasst. Er kommt zu dem Schluss: Durch die „Umkrempelung“ des Bildungssystems vor zwanzig Jahren fehlten jungen Menschen heute wesentliche soziale Kompetenzen. Einige 18-Jährige beispielsweise hätten die „psychische Reife eines Kleinkindes“, sagte er im Interview mit „Deutschlandfunk“.

Das aktuelle Bildungssystem verbaue Kindern die Zukunft und es sei tragisch, dass wir in einem Land lebten, in dem schon heute 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen nach dem Schulabschluss große Probleme hätten. Auffallend sei, dass vielen Praktikanten und Auszubildenden vor allem die sogenannten „Soft Skills“ fehlen würden. Soft Skills wie Arbeitshaltung, Pünktlichkeit oder das Erkennen und Einhalten von Strukturen und Abläufen. Den meisten sei das Handy wichtiger als der Kunde, der vor ihnen stehe und die wenigsten könnten über das, was sie einmal gelernt hätten, verfügen, kritisiert Winterhoff.

Viele Kinder seien bereits in Kitas sich selbst überlassen. Zwar gebe es (prämierte) Kitas mit Bastel-Raum, Café, Theater-Raum oder To-Be-Raum – doch was den Kindern fehle sei die Fähigkeit, wirkliche, reale Beziehungen zu Bezugspersonen aufzubauen. Die aktuelle Bildungspolitik sei von Ideologen durchgesetzt worden und dabei seien weder Lehrer gefragt, noch Eltern informiert worden, so Winterhoff.

Es sei daher wenig verwunderlich, dass es bereits beim Übergang von der Schule in den Beruf so niederschmetternde Ergebnisse gebe, so Winterhoff. Die Entwicklung der Psyche sei nur in der konstruktiven Auseinandersetzung mit der menschlichen Umgebung möglich und dafür brauche es Orientierung und Hilfestellung. Soziale Fähigkeiten müssten von klein auf eingeübt und abverlangt werden – diese würden nicht von alleine kommen.

Wenn Kinder auf sich selbst gestellt wären, lebten sie wie Kleinkinder in der Vorstellung: Ich kann alles bestimmen, alles steuern und muss mich auf niemanden einstellen. Dabei lebe ich nach meinen Lustimpulsen. Das sei der Grund, weshalb viele auf diesem Niveau stehenbleiben würde, schlussfolgert Winterhoff, die psychische Reife seit nicht-entwickelt. Mit der psychischen Reife eines Kleinkindes seien 18-Jährige häufig weder umsichtig noch weitsichtig und nicht vorausdenkend, und könnten weder für sich noch für andere Verantwortung übernehmen. Viele würden nur rein lustorientiert und in ihrer Computerwelt leben.

In seinem Buch fordert Winterhoff „digitalfreie Oasen“ in Kindergärten und Grundschulen. Deutschland befinde in einem digitalen Wahn. Digitalisierung sei nur eine Technik, mit der junge Menschen noch besser umgehen könnten, als ältere. Und es brauche nicht Menschen, die sie anwenden, sondern die kreativ sind und über das verfügen, was man mit der digitalen Technik machen könne.

Kinder müssten zunächst lernen, die Welt mit den Wahrnehmungsorganen wahrzunehmen. Wenn Kinder schon im Kindergarten mit Computern zu tun hätten, bräuchten sie aber keinen menschlichen Kontakt mehr. Dieser psychische, menschliche Kontakt sei aber notwendig für die psychische Reife. Damit wolle sich Winterhoff nicht gegen Digitalisierung aussprechen. Es müsse nur darüber nachgedacht werden, wo der Einsatz von Computern und digitalen Produkten Sinn mache und wo nicht.

Lehrer, die genau das fordern, würden jedoch einen Maulkorb verpasst bekommen. Notwendig sei eine Bildungsoffensive mit engagierten Lehrern, die bereit seien, diese Probleme darzustellen. Dann müsste an Lösungen gearbeitet werden. In der Schweiz und in Südtirol würden Kinder heute so gefördert werden, dass sie trotz Digitalisierung später im Leben klarkommen und über diese emotionale, soziale Psyche verfügen. Wenn Sie an diesem Thema interessiert sind, klicken Sie einfach hier….

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Kommentar

  1. Diese Zustände gab es früher auch schon, nur nicht mit der Digitalisierung, dass man ein Volk dumm hält. Fakt ist jedenfalls, daß es von der „Obrigkeit“ so gewollt ist, denn ein dummes Volk ist leichter zu manipulieren, zu instrumentalisieren – und nicht zuletzt für deren Zwecke zu mißbrauchen.

    • Genauso sehe ich das auch. Je mehr man die Leute mit Unwichtigen beschäftigt, desto mehr stumpfen sie ab. Alles gewollt.

    • Das Problem ist doch, dass nicht einmal mehr grundlegende Kulturtechniken wie Lesen, Scheiben, Rechnen beherrscht werden (weil sie nicht mehr gelehrt werden), das kann auch kaum nachentwickelt werden. Es ist so gewollt !
      Wenn die restlichen alten Lehrer nicht mehr zur Verfügung stehen, könnt ihr das Buch zuklappen ! Einige Eltern werden das privat lösen können, der Rest bleibt blöde…und das ist so gewollt !!! Was da auf uns zu kommt, wird euch gar nicht gefallen !!!

  2. Die berichteten Beobachtungen stimmen zu 100%. Meine Erfahrungen dazu sind die Zusätzlichen als erschreckendes Ergebnis: Extreme Egomanie und keinerlei Empathie für andere! Die hohe Anzahl der Ausgeburt dieser extremen Fehlentwicklung meint wirklich, die Welt dreht sich nur um sie. Sie können ohne Smartphone mit sich selbst nichts anfangen. Sie wollen unterhalten werden! Andere werden werden von ihnen „benutzt“ wie Ersatz-Smarties … und weggeworfen wie das letze oder vorletzte Modell. Und alles, was nicht in ihre sehr begrenzte Smartphone-Erfahrung paßt, begegnen sie mit völligem Unverständnis, einem dümmlichen Überlegenheitsgefühl, und dem Machtanspruch jeden und alles beherrschen zu wollen, wovon sie keinerlei blassen Dunst haben.

  3. Der Artikel ist gut, genauso die bereits abgegebenen Kommentare.

    Nur zur Ergänzung, dass was man heute als „Soft Skills“ bezeichnet hieß vor 20 Jahren noch „Soziale Kompetenzen“, davor waren es die Fähigkeiten und Fertigkeiten des sozialen Umganges miteinander.

    Nur wer weiß welche Auswirkungen sein Handeln oder eben auch Nicht-Handeln auf sich selbst und auf andere hat, sich damit bewusst auseinandersetzt, kann ein vollwertiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft werden.

    Computer aber insbesondere „Smartphones“ schaffen Scheinwelten und rauben die Zeit, die für die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt, der Realität erforderlich sind. Das, was ein PC noch an Nutzung eigener Kreativität zulässt, fehlt beim Smartphone völlig.