in Gesellschaft

Wir leben in phantastischen Zeiten – historisch gesehen. Ich finde, das wird viel zu selten gewürdigt. Historiker der Zukunft würden einen Arm dafür opfern, wenn sie „live“ dabei sein und im Detail studieren könnten, wie der größte Paradigmenwechsel der letzten eintausendsiebenhundert Jahre vorbereitet und durchgeführt wird – vor allem, ohne das groß darüber geredet wird. Dabei ist es eine Zeit, in der so viel geredet wird wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit – allerdings mehr übereinander als miteinander, doch das ist ein anderes Thema. Jede Kleinigkeit unseres gesellschaftlichen Lebens wird beleuchtet und in Talk-Shows zerredet, aber die große historische Wende wird nicht erwähnt, dabei findet man ihre Spuren jeden Tag in den Nachrichten. Es wird auch in großen und dicken Büchern darüber geschrieben – es wird nur nicht beim Namen genannt.

Vor eintausendsiebenhundert Jahren gab es schon einmal solch phantastische Zeiten: im Jahre 313 fand die Konstantinische Wende statt, die blutige Verfolgung des Christentums endete und damit hatte eine seltsame Botschaft Gelegenheit, sich auf dem europäischen Kontinent auszubreiten: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ wurde als oberste ethische Maxime eines Gottes postuliert, der der größte Gott der Menschheitsgeschichte sein sollte: kräftiger kann man neue ethische Ideen nicht in die Welt tragen, möchte man meinen.

Nun – eintausendsiebenhundert Jahre später (2013, um genau zu sein) – ist es wieder gefährlich, sich als Christ im öffentlichen Leben zu präsentieren – vor allem als einer, der es ernst meint. Ich selbst bin keiner – um die üblichen Verdächtigungen von vornherein auszuschließen – ich beobachte das nur. Eine breite Front von „aufgeklärten“, „modernen“, „fortschrittlichen“ Menschen arbeiten sich in hunderten von Blogbeiträgen an dem Thema Christentum ab – und die Medien unterstützen sie dabei. Mal ehrlich – was fällt uns denn zum Thema Chistentum ein? Der Postillion hat pünktlich zu Karfreitag etwas dazu geschrieben:

Man will es sich nicht ausmalen: Mitten in Deutschland feiert eine obskure Kultvereinigung den blutigen Foltertod eines unschuldigen Menschen. Bilder und Skulpturen der Grausamkeiten werden vorgeführt, der widerwärtige Akt auch noch nacherzählt, besungen und befürwortet. Was unvorstellbar klingt, ist grausame Realität – die verrückte Sekte feiert heute ihr krankes Horror-Ritual: die sogenannte „Karfreitagsmesse“.

Das Christentum – eine verrückte Sekte

Die christliche Botschaft? Dafür gibt es allerdings ein klares, modernes, eindeutiges Wort: SOZIALROMANTIK.

Seltsam, das wir in diesen Zeiten so Sturm laufen gegen ein „krankes Horror-Ritual“ einer „verrückten Sekte“, aber die Verwendung des Kampfbegriffs „Sozialromantik“ klaglos hinnehmen.

Wann begegnet uns dieses Wort?

Wenn wir nur im Ansatz darüber nachzudenken wagen, das es nicht in Ordnung ist, wenn in Griechenland, Spanien, Italien, Zypern, Irland die Menschen hungern, um faule Kredite risikofreudiger Großbanken abzustottern – Kredite, die sie selbst nie bekommen hätten. Ebenso werden wir mit diesem Wort belegt, wenn wir erwähnen, das eine zwanzig-Stunden-Woche vielleicht ein erstrebenswertes Ziel für arbeitenden Menschen ist: es blieb noch Zeit für Kinder, Vereine, Bildung, Kunst, Musik und einen Besuch bei der vereinsamten Oma.

Versuchen Sie mal, in der öffentlichen Diskussion ein Renteneintrittsalter ab 50 durchzusetzen. Sicher, vernünftig wäre es. Der „Arbeitsmarkt“ mag das „Gammelfleisch“ sowieso nicht, die Arbeitsämter sind voller „Kunden“, die nur ein Vermittlungshemmnis haben: das Alter. Eigentlich wäre eine Renteneintrittsalter ab 45 anzudenken, weil schon dort Vermittlungsprobleme auftreten … aber ganz schnell hört man wieder das böse Wort: Sozialromantik.

Nehmen wir Deutschland als Beispiel: inzwischen sind 42 Millionen Deutsche bei den sogenannten „Jobcentern“ registriert (siehe Welt), einer Abart von Behörde, die unter Missachtung vieler Menschenrechte dafür sorgt, das Versicherungsleistungen aus der Arbeitslosenversicherung nicht mehr in Geld für Arbeitslose sondern in „Maßnahmen“ investiert werden: Bewerbungstraining, Gabelstaplerscheine, realistische Spiele in eigens eingerichteten Verkaufsläden – der Blödheit ist bei der Erfindung ständig neuer Schikanen keine Grenze gesetzt, wer nicht brav pariert, dem wird die Existenz durch finanzielle „Sanktionen“ komplett zerstört.

Fordert man angesichts dieses Horror – rein aus christlicher Nächstenliebe heraus – eine bedingungslose Grundsicherung, so ist man … na? …. Sozialromantiker.

Christ zu sein führt zu Hetz- und Hassorgien, aber das Gegenteil ist allseits hoffähig – wir sind da jetzt „vernünftig“ geworden.

Wie wollen wir das Gegenteil nennen?

Nun – der Leitsatz ist klar, er stammt aus der Betriebswirtschaft im Zeichen des Share-Holder-Value: „Beute Deinen Nächsten aus so gut Du kannst“ – ist die Devise für die „Leistungsträger“ der Gesellschaft, für die anderen gilt: „Beute Deinen Nächsten aus wie Dich selbst!“ – und das machen wir auch. Aus all den stolzen „Mehrleistern“ des Jahres 2007 sind die krankgeschriebenen „Born-Out“-Kandidaten des Jahres 2012 geworden, ständig steigende Ausgaben für „Gesundheit“ inklusive (siehe Spiegel).

Wir kennen diese gesellschaftliche Bewegung, hören uns täglich Klagen darüber an, nennen sie manchmal „Kapitalismus“ und manchmal „Neoliberalismus“ – was sich für viele im ersten Moment positiv anhört. „Kapital“ ist etwas feines, das weiß jeder, der Ebbe in der Kasse hat, und „neoliberal“ hört sich so richtig schön neu und frei an – doch beide Begriffe beschreiben nicht treffend, was um uns herum vor sich geht: wir haben ja nicht nur ein Problem mit der Wirtschaft, wir haben ein Problem mit der Politik, der Gesellschaft, der Gerechtigkeit, den ständig neuen Rekorden an Kriegen in der Welt, den ständig ausufernden moralischen Debakeln, deren Verhinderung durch den Kampfbegriff „Sozialromantik“ beständig verhindert wird – und darum ist „Kapitalismuskritik“ auch ein viel zu weicher Begriff, der das Problem eher verharmlost.

Es ist eine historische Wende, die wir erleben. Laut Malachi Martin ist sich die katholische Kirche der historischen Wende seit Beginn der fünziger Jahre  bewusst (erwähnt in seinem Werk „Die Macht und die Herrlichkeit“), wurde aber selber von den Predigern der neuen Zeit unterlaufen (siehe „Der letzte Papst“). Doch auch jenseits der Kirche nahm man die neue Qualität war, aktuell in dem Buch „Ego“ von Frank Schirrmacher, die beschreibt, wie der „neue Mensch“ (den Adolf Hitler sich so sehnsüchtig erträumte) von Militärs und Wissenschaftlern gezielt erschaffen wurde – als hemmungslose Egoist, der konzernkritische Film „Corporation“ erwähnt nebenbei, wie nützlich dieser egozentrische Idiot für die moderne Konsumwirtschaft war … und ist.

Die mächtigsten Gestaltungskräfte der Gesellschaft arbeiten gezielt an dieser historischen Wende – und alle klatschen

Nur korrekt benennen möchte sie keiner, dabei wissen alle, worum es geht: um die Etablierung des antichristlichen Zeitalters. Doch Vorsicht: ich gebrauche diesen Begriff als rein ethischen Begriff und möchte nicht mit sinnverwirrenden Hollywooddramen in Verbindung gebracht werden, die alberne Geschichten von bösen Geistern erzählen.

Das neue Zeitalter, das uns erwartet, soll ein antichristliches sein – und darum ist „Sozialromantik“ ein viel zitiertes Schmähwort für alle Ausdrucksformen der … Nächstenliebe.

Nun – aufhalten können wir dieses Zeitalter nicht mehr. Die christlichen Gegenkräfte in der Gesellschaft sind wirkungsvoll demontiert, die katholische Kirche selbst bei vielen schon ein Sinnbild für alles Böse, die Menschheit umerzogen zu sozialunfähigen Psycho- und Soziopathen, dir nur noch durch Bezahlung zur Handlung zu motivieren sind … jedenfalls überwiegend.

Zum Ende des christlichen Zeitalters gibt es auch ein neues Imperium: das Imperium der Superreichen, über das Hans Jürgen Krysmanski ein ganzes Buch geschrieben hat.  Die Verlagsbeschreibung des Buches illustriert, was wir im antichristlichen Zeitalter zu erwarten haben:

Die Geldeliten verselbständigen sich, sie beginnen im wahrsten Sinne des Wortes, auf eigene Faust mit Söldnerarmeen, privaten Polizei- und Geheimdiensten zu operieren. Klimawandel, Ressourcenprobleme und wachsende, unumkehrbare Arbeitslosigkeit deuten auf ein kommendes globales Szenario nackter Überlebenskämpfe. Für eine solche Rette-sich-wer-kann-Welt glauben sich die Geldeliten gut gerüstet. Hans Jürgen Krysmanski zeigt, dass sich zukünftig neue und neuartige Klassenkonflikte entwickeln werden und dass wir letztlich nicht umhin kommen, an diesen Konflikten teilzunehmen.

Die Demokratie wird zerfallen, der Staat wird zerfallen, übrig bleiben nur die Machtzentren der antichristlichen Fürstentümer.

Wir sollten es uns als Bürger des so viel und oft beschworenen christlichen Kulturraumes nicht nehmen lassen, diesen großen Paradigmenwechsel in Politik, Gesellschaft und Kultur auch beim Namen zu nennen: es ist die Etablierung des antichristlichen Zeitalters.

Jede Sendeanstalt, jede Zeitung, jeder Blog, jedes Thresengespräch sollte diese Botschaft hinaustragen, damit jeder die Wahl hat, bewußt daran teilzunehmen. Ich plädiere da einfach für mehr Offenheit im Gespräch – und ich denke, ich muss keine großen Worte darüber machen, das jedem klar ist, das wir uns Sozialromantik rein finanziell gar nicht mehr leisten können.

Als Hitler sich die Ernährung und Erschießung von „Staatsfeinden“ nicht mehr leisten konnte, hat er zum Gas gegriffen – wir wissen also, welches Potential das antichristliche Imperium in sich trägt. Griechen, Zyprer, Spanier, Arbeitslose, Alte, Kranke können heute schon ein Lied davon singen, die ersten Erscheinungsformen antichristlicher Ethik sind dort auf den Straßen im Detail zu beobachten, andere Länder werden folgen.

Jakob Augstein schreibt momentan im Spiegel über die neue antichristliche Kultur – auch ohne sie zu benennen, aber er honoriert den religiösen Charakter:

Walter Benjamin hätte das verstanden. Er hat den Kapitalismus als „reine Kultreligion“ bezeichnet, „vielleicht die extremste, die es je gegeben hat“. Keine Dogmatik, keine Theologie, nur Kult.

Und eine Ethik- eine streng antichristliche

Wenn Sie, geneigter Leser, demnächst mit dem Vorwurf der Sozialromantik konfrontiert werden, sollten Sie einfach mal zurückfragen: „Aha, Sie sind auch bekennender Antichrist?“

Das wird vielleicht bei dem einen oder anderen „Neoliberalen“ einen Prozess des Nachdenkens anregen – aber wahrscheinlich wagen wir uns solche Ausfälle schon gar nicht mehr, schnell könnte man als Christ geoutet werden, was unangenehme Folgen für die Karriere haben kann: immerhin bekennt man sich mit einer solchen Positionierung dazu, manchmal Entscheidungen zu fällen, die nicht den maximalen Gewinn von Anteilseignern im Blick haben.

Solche Leute kann kein Personalchef gebrauchen.

Vielleicht endet das christliche Zeitalter Europas wie es angefangen hat: mit blutigen Verfolgungen. Im Prinzip bereiten Sendeformate wie das „Dschungelcamp“ solche Exzesse schon mal vor – unter dem Beifall von Millionen von Zuschauern. Würden die nicht auch jubeln, wenn wirtschaftskritische Sozialromantiker den Löwen (oder verwilderten Hunden) vorgeworfen werden?

Ich fürchte … wir werden es sehen. Das gehört zu solchen Zeitaltern einfach dazu.

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Kommentar

40 Kommentare

  1. Die ideologische Klammer: der Egoismus des Einzelnen ist gut für das Gesamtergebnis der ökonomischen Entwicklung, weil er die stärkste Triebfeder für das eigene Handeln (die Selbstausbeutung) darstellt. Diese ethische Dekadenz trifft man allerdings zur Genüge auch in vergangenen Jahrhunderten an, die „ethischen Christen“ waren wohl zu allen Zeiten in der Minderheit. Neu ist vielmehr das Ausmaß der destruktiven Potentiale und die schwindenden Selbstheilungskräfte angesichts der umfassenden manipulativen Kräfte, die auf viele Menschen einwirken.

    • @Ich kann schlecht über die ethische Dekadenz der vergangenen Jahrhunderte urteilen – für den Adel trifft das sicherlich überwiegend zu … für das gemeine Volk hat sich schon damals keiner interessiert. Was neu ist, sind eben jene „manipulativen Kräfte“, die das Selbstbild des Menschen formen – mit schrecklichen Folgen.

  2. Prima Artikel. Wir leben in einer Zeit der Krämer und Geldwechsler. Es wird Zeit, daß wieder einer kommt und sie aus dem Tempel schmeisst. Der Tempel, das ist unser Herz. Der sie rausschmeisst, das sind wir selbst. Ein Vorbild würde helfen.

  3. Der christliche Glaube soll durch eine alternative Religiosität ersetzt werden. Im Übrigen ist es wichtig, dass sich nicht das Weltbild der orthodoxen Wissenschaftler (Urknall-Theorie usw.) durchsetzt. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

  4. Eigentlich ein sehr guter Artikel, und dennoch stört mich der darin gegen Ende hin verbreitete Pessimisus massiv, denn es ist noch längst nicht aller Tage Abend, auch wenn dunkle Wolken am Horizont Finsternis verheissen.

    Wenn eine aufrechte, aufmerksame und bewusste Menschheit – gemeinsam in Vielfalt vereint – standhaft und beharrlich, eine neue Welt erschaffte, ohne diese luziferischen Machtstrukturen (auch die weltlichen Religionskonstrukte gehören dazu!), könnte nach und nach ein Paradies für alle etabliert werden.

    Passend zur Kapitalismuskritik gibt es folgenden Begriff:
    http://dudeweblog.wordpress.com/2013/03/22/geld-regiert-die-welt-dreckskapitalismus-teil-i/

    • @Dude: das hört sich gut an – nur sehe ich nirgends diese aufrechte, aufmerksame bewußte Menschheit, sondern nur einzelne Menschen, die so sind. Die breite Masse wird inzwischen in einer Perfektion manipuliert, die erstaunlich ist. Die Religion des Kapitalismus hat sich durchgesetzt.

      • @Eifelphilosoph

        Du hast schon Recht. Das sehe ich ja auch oft… …nur sehe ich auch anderes. Einige Leute haben innert den letzten paar Jahren langsam gemerkt, dass so einiges im Argen liegt. Das Erkennen geht aber angesichts der Komplexität des ganzen nicht von heute auf morgen. Auch darum ist es mir ein Anliegen, nicht zu entmutigen, sondern Mut zu spenden, so düster es auch aussehen mag.

        Lieben Gruss vom Dude

        • @Dude: während es mir darum geht, eine Zukunft zu beschreiben, die Realität werden kann, wenn wir nichts ändern. Mir fehlt in weiten Teilen der Bevölkerung der Problembewußtsein, das z.B. Hartz IV nur der Anfang war – und ein elementarer Bruch gleich mehrere moralischer Prinzipien, wie sie in einer Demokratie nie vorkommen dürften … aber Realität sind.
          Aber hinter den Kulissen arbeiten wir – mal wieder – an einer realen Organisationsform, die Positives aufbauen soll. Wie üblich fehlen Zeit, Geld und Personal … darum wird das etwas dauern.

  5. @Andersdenkender: nur weil ein Holocaustleugner hier anderer Meinung ist, heißt das nicht, das es das Gas nicht gab. Es gibt immerhin eine ganze Menge Zeugen, die das Zeug produziert, angewendet und die Leichen beseitigt haben. Ich habe NS-Opfer in der Familie (rein arisch, nebenbei bemerkt) und halte nichts von den Hypothesenkomplexen französischer Literaturwissenschaftler.

  6. Kann nur zustimmen. Die giftigsten Pfeile, die ich zu verdauen hatte, wurden aus „christlichen Kreisen“ abgeschossen! Leider sind nicht nur Christen, sondern alle ehrliche und aufrichtige Menschen betroffen. Juden, Muslime, Buddisten, Atheisten etc. Es gilt, das scheinbar trennende zu überwinden.

  7. „die Änderung der ethischen Maximen der westlichen Wertegemeinschaft“ – von welchen Werten reden Sie – was ist denn bitteschön ‚christlich‘ an diesen, an welchen Werten ?
    Sie haben leider wenig oder keine Ahnung von der jesuanischen Botschaft:
    Lesen Sie den ‚Theologen‘ und vielleicht werden Sie dann verstehen, dass ihre Rede von ‚antichristlicher Wende‘ – sorry – dummes, ganz dummes Zeug ist.

  8. @Horst Emmerlein: Die Botschaft der Nächstenliebe bestimmt weite Teile der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, was christlich war an diesen Werten ist das „Soziale“, dessen Abbau wir gerade erleben. Lesen Sie „Christliche Ethik der Menschenrechte“ von Dieter Witschen, eine systematische Arbeit zu diesem Thema – dann werden Sie sehen, welches Gerede ganz dummes Zeug ist. Sehr differenziert auch die Arbeit von Christoph Link (,http://www.akademienunion.de/_files/akademiejournal/2002-2/AKJ_2002-2-S-58-61_link.pdf) der sich mit christlichen Einflüssen auf die Deutsche Verfassung (und vor allem deren Menschenbild) beschäftigt. Und wie die Welt ohne dieses Bild aussieht, erfährt gerade der deutsche „arbeitslose Sozialschmarotzer“ …

  9. Lieber Reiner,

    vielen Dank für den lesenswerten Artikel. Wir leben in einer spannenden Zeit. Wachsamkeit ist das Gebot der Stunde. „Sozial ist was Arbeit schafft“ und ähnliche Parolen geistern wieder in den Köpfen der Menschen.

  10. .. habe in Chr. Link reingelesen … und er hat – fairerweise – zugegeben, dass’Freiheitswerte etc gegen den Willen der Kirchen durch die Aufklärung etc verwirklicht wurden‘.
    Begreifen Sie doch, dass die Mär von der Nächstenliebe nur ein Mäntelchen war (nach der Konstant. Wende) für die althergebrachte Machtpolitik … die Religion, die Sie meinen, bringt uns nicht weiter, diese Religion bzw. dieses Verständnis von Christentum ist KEIN Widerpart gegen den zerstörischen ‚Neoliberalen Finanzkapitalismus‘ ….
    Ihr Verständnis ist ein Christentum der Suppenküchen und Tafeln … aber es kömmt doch darauf an, dem Wahnsinn ins Lenkrad zu fallen … und sich nicht damit zu begnügen,die Opfer zu speisen bzw. zu beerdigen …(Bonhoeffer) !

    • „Dem Wahnsinn ins Lenkrad fallen“ – das gefällt mir gut. Ich spreche übrigens nicht von Religion noch von Organisationen (immerhin gehöre ich diesen Erscheinungsformen der Welt selbst auch nicht an) sondern von WERTEN. Hier gab es einen Wert (Nächstenliebe) der viel Gutes in die Welt gesetzt hat – ganz neues Denken, gegen den Wahnsinn des römischen Imperiums … und dieser Wert wird jetzt ersetzt. Das Ergebnis? Gaskammer statt Suppenküche, schätze ich mal. Oder, wie die BILD-Zeitung heute schrieb: Jagd auf kranke Arbeitslose! Solche Schlagzeilen müssen wir wieder erdulden …

      • … diese Werte (Goldene Regel etc) sind älter als das Judentum; aber entscheidend allein ist: Danach haben die Herrschenden NIE gehandelt. Diese Werte haben weder die Kreuzzüge noch den Hexenwahn, die Religionskriege noch die 500 Jahre Kolonisation noch WK I und WK II verhindert…
        Was soll also diese Gequake ‚WERTE‘ … die waren nur in Randgruppen angesagt und möglich … z.B. bei Franz von Assisi und den Quäkern u.a.m. … Es wird Zeit, dass wir dieses Werte vorgebende Christentum hinter uns lassen….

  11. hm antichristlichen Fürstentümer, das glaub ich nicht, die Deutschen Fürsten haben damals das Christentum entdeckt und damit gleichma das Volk zu Leibeigenen gemacht … das ging super und wird heute fantastisch … siehst ja am Vormarsch der Suppenküchen und Tafeln, das Christentum ist eher voll im Kommen …
    Hier in der Gegend z.B. wo ich grad wohn,gibt es es seit ca 1750 Menschen und trotzdem ist man überrascht dass bis ins 19 Jh. Sorbisch gesprochen wurde (die Menschen die hier zu der 1750 Zeit,der Binnenkolonisation angesiedelt wurden waren christliche Schwaben und Sachsen,die ganz gewiß kein Sorbisch heimlich sprachen … )
    Ich seh das im Großen und Ganzen eher als echte Sozialromantik,was Du da in die Vergangenheit reindichtest

    • Nun – Menschenopfer für die Religion haben wir lange nicht mehr: es war eine kulturhistorische Leistung des Judentums, das man das abgeschafft hat, während rundherum noch die Feueröfen qualmten. Von dem neuen Zeitalter erwarte ich das wieder … und es geschieht ja auch, trotz Aufklärung und Wissenschaft. Von „Christentum“ möchte ich aber nicht reden – das moralische Feigenblatt des gutbürgerlichen Biedermeier eignet sich nicht zur Diskussion über „Werte“.

  12. guter artikel. differentiere naechstes mal noch ein wenig mehr zwischen christlichem handeln und der katholischen kirche. ein manchen stellen entsteht der eindruck, diese beiden dinge haetten noch etwas miteinander zu tun. was gemeint ist kommt dennoch rueber

    • Verständlich, aber ich kann Kirche und Botschaft nicht streng voneinander trennen – bei aller Kritik an Kirche: sie ist die Institution, die die Botschaft, die Legende, den Mythos über 2000 Jahre transportiert hat – was für eine „Firma“ eine erstaunliche Leistung ist. Das Kirche und Botschaft heute nur noch wenig miteinander zu tun haben (weil Kirche mehr Firma als sonstwas ist) ist ein anderes Thema – und ich glaube, darüber braucht man nicht schreiben, das erlebt jeder Mensch jeden Tag.

  13. Es geht nicht um Paradigmenwechsel.
    Es soll ein Einheitsbreiglaube über doe Schaftsherde ausgerollt werden, der einheitliche Maritrea wird gelehrt werden, finanziert von der einzigen Weltbank, informiert von der Einheitssoßenpresse, bezahlt mit einer von jedem zu zahlenden Verdummungssteuer. Regiert von irgendeiner lächerlichen Politdarstellerfigur. Vielleicht erlaubt man „Wahlen“ aus 5 Colaflaschen – aber das gibt es ja heute schon.

  14. Sehr, sehr schöner Text über eine traurige Wirklichkeit!!

    Könnten Sie bitte noch die einleitenden Relativworte durch ein „dass“ ersetzen? Das würde der Seriosität meiner Meinung nach noch mehr Aufwind verleihen.

  15. Warum ist immer die rede von antichristlich? Wäre nicht atheistisch das treffendere Wort? Von den sog. „aufgeklärten Menschen“ werden doch alle Religionen für Schwachsinn erklärt!

    • Hä? und was ist mit Menschen wie mir? Sind wir auch asozial/antichristlich? Nur weil wir eben an keinen Gott glauben? Nennen mir doch ein Land in dem sich Humanisten gegenseitig den Schädel einschlagen! Und das eine Rente mit 70 von der CDU ins Gespräch gebracht wurde zählt nicht oder wie?? Aufgeklärte Menschen erklären den haltlosen Gottesvorstellungen den Kampf und nicht Ideen für ein besseres miteinander.

  16. @ Dude und Eifelphilosoph

    Allein die Tatsache, solche Komentare und Konversationen zu lesen, beweist mir dass Hopfen und Malz noch nicht verloren sind. Die Gesellschaft rast mit ungeheurer Geschwindigkeit dem Untergang entgegen. Und das Beste daran ist: Sie freut sich noch darüber. Dummheit und totaler Verlust jeglicher sozialer Kompetenzen ist das einzige was in dieser Welt überhaupt noch erreicht wird. Und sollten die Deutschen eines Tages zum Schaffot schreiten, werden sie sich brav und seelenruhig in einer Reihe anstellen. Und sollte sich doch nur ein Einziger seines Lebens wehren, wird man empört sein über sein ungehobeltes Verhalten gegenüber der Obrigkeit.

    Macht weiter so, macht was draus!

    DANKE

  17. oh doch, wir können uns die 20 Stunden-Woche sehr wohl leisten,

    – wenn das Zins-und Schuldsystem samt Börsencasino abgeschafft wird,
    – die Finanz-Elite eine Vermögensabgabe leisten muss,
    – mit einer Verschlankung der gesamten Staatsverwaltung und vereinfachtem Steuersystem ( damit hat sich ja mal ein Herr Merz geoutet)

    und dies , wie im Artikel geschrieben mit sehr viel mehr Lebensqualität

  18. Herzlichen Dank für diesen bemerkenswerten Artikel.

    Ich möchte dennoch anmerken, dass das Gebot der Nächstenliebe -das des ethisch-moralischen Umgangs mit fühlenden Wesen – nicht nur im neuzeitlichen Christentum verankert ist.
    Es ist mMn ein „Ur-Gebot“, denn es findet sich in allen Weltreligionen wieder.

    Dieses „Ur-Gebot“ ausser Kraft setzen zu wollen, kann nicht gelingen, nicht dauerhaft.
    Es bedarf vermutlich noch mehr Zeit und eines Zusammenbruchs des „Wertesystems rund um das goldene Kalb“,leider mit einer Unzahl von Opfern, so vermute ich.
    Dennoch denke ich, dass „irgendwann“ der Dalai Lama Recht behalten wird:

    Eine spirituelle Revolution wird eine ethische nach sich ziehen.

    Wenn nicht, hat die Spezies Mensch…

  19. Ich fühle mich hier als agnostischer Humanist irgendwie zu Unrecht ausgegrenzt und als asozial abgestempelt. Man ist doch nicht asozial/Marktradikal nur weil man keiner Religion anhängt. Zu dem um Marktradikale zu verstehen empfehle ich die Schriften von Friedrich August von Hayek.(Unsere Kanzlerin ist übrigens ein Fan seiner Werke)

  20. Hi,

    wir Christen feiern nicht den Foltertod sondern die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Wenn man Gottes Plan kennen lernen und verstehen will, muss man die die Heilige Schrift studieren und nicht auf irgendwelche Philosophen hoeren. Bitte googelt mal was Martin Luther ueber das Bibelstudium gesagt hat.

    Gottes Segen

  21. Wir sind die Basis einer Pyramide!
    Wir sorgen als Produzenten, Konsumenten, als Kunden und Patienten, als Klienten und als potentielle Delinquenten, für den sich beschleunigenden Strom der Waren, Finanzen und Daten, im Stoffwechsel eines ‚pyramidalen‘ Organismus. Nachdem wir das Ertragsnutzenkalkül eines besinnungslosen Fortschritts im Wachstum verinnerlicht haben, empfinden wir den Raub der Selbstbestimmung und Identität nicht mehr als Verlust. Auf die atomare Einheit der Existenz reduziert, reihen wir uns ein, in die weltweiten Ströme der dynamischen Massen. Dabei steht die Isolation im Nahfeld der Beziehungen, in einem krassen Gegensatz zur Identifikation mit einem globalen Bewußtsein. Über die Instrumentalisierung religiöser Bedürfnisse, werden die Menschen zur Opferung der eigenen Identität gerufen, und zum Dienst für einen allumfassenden Welt-Ethos vorbereitet
    Wer sich nicht von Verschwörungstheorien verwirren lassen will, dem hebt sich mit „Das pyramidale Prinzip 2.0“ von Franz Sternbald der Schleier, und gewährt dem Leser einen unverstellten Blick auf das Wesen des Willens zur Macht! Gleichzeitig ist es ein leidenschaftliches Plädoyer für einen aufgeklärten Glauben, der sich, nach Kierkegaard, auch dem fundamentalen Zweifel stellen muß, sowie die Rettung der Würde des Individuums, gegen die kollektive Vereinnahmung, und seiner Zurichtung für die Zwecke eines globalen Marktes. Hier wird der Versuch unternommen, das Bewußtsein von einem Erlösungsbedürfnis aus der ‚Selbstentzweiung’ des Willens in der Natur zu erklären, und die Selbstentfremdung des Menschen aus seiner ‚Seinsvergessenheit’. Dem überzeugten Christen verschafft die Beschäftigung mit der Analyse des Willens zur Macht von Schopenhauer, über Nietzsche bis Heidegger, ein freieres Auge. Deren Aktualität steht nicht im Widerspruch zu einer christlichen Deutung der Weltgeschichte, sondern liefert vielmehr deren Bestätigung. L.G. Sternbald