in Europa

George Soros hat jüngst wieder für Schlagzeilen gesorgt. Er sorge sich vor einer existenziellen Krise in der EU, die durch den Brexit ausgelöst werden könne, sagte er den Medien. Mit seiner Organisation „Best for Britain“ will der Milliardär nochmal einige Millionen investieren, um eine erneute Abstimmung zu erzwingen. Der Brexit müsse verhindert werden, weil er für beide Seiten große Verluste bescheren werde.

Viele Briten und britische Ökonomen dürften das allerdings ganz anders sehen.

Warum die Briten „nein“ gesagt haben

Die Gründung der Europäischen Union erfolgte auf der Basis eines Ideals. Man wollte eine wirtschaftliche Verschmelzung und gegenseitige Stärkung in einem Bündnis europäischer Staaten. Als das Bündnis mit der Zeit größer wurde, verdichtete sich jedoch auch die Machtkonzentration in Brüssel, an der auch die Deutsche Bundesbank zentral beteiligt ist. Die Demokratie in der Union wurde auf ein Minimum reduziert. Mitgliedstaaten wurden zunehmend Diktate und Richtlinien verordnet.

Die Gründe für das Brexit Referendum sind nicht nur mit der Masseneinwanderung, die auch vor Großbritannien nicht halt gemacht hat, zu erklären. Das Referendum war ein Protest der britischen Bevölkerung gegen ihre Regierung. Das Volk fühlte sich nicht mehr gehört. Die Masseneinwanderung war sicherlich ein Faktor, doch das Abstimmungsergebnis kann nicht allein darauf zurückgeführt werden. Viele Arbeiterfamilien protestierten gegen die Politik und die schlechte wirtschaftliche Lage Großbritanniens innerhalb der EU und die zunehmende Armut als Folge dessen. Zudem war das Referendum eine Absage an die einer Gehirnwäsche gleichenden Propaganda aus Brüssel.

Griechenland war das abschreckende Beispiel für viele Briten. Griechenland durchlief alle demokratischen Prozesse, um seine Unabhängigkeit und Souveränität zu behaupten. Davon ist in dem Land jetzt nichts mehr übriggeblieben. Das Land wurde zerstört und in eine Kolonie Brüssels und der Zentralbanken Europa verwandelt. Das politische Zentrum der EU betreibt Neoliberalismus in seiner extremsten Form.

Für die Eurokraten in Brüssel wird es zunehmend schwierig, Unterstützung für „das Projekt“ EU zu erhalten. Eine Umfrage in Europa, die direkt nach dem Brexit Referendum stattfand, zeigte die schwindende Zustimmung für die EU. Immer mehr Menschen in Europa wollen den Ausstieg aus der EU. Sie sind von der Brüsseler Politik tief enttäuscht, die Länder wie Italien, Spanien oder Griechenland zu Armenhäusern gemacht hat. Die Arbeitslosigkeit in Italien ist beinahe so hoch wie in Griechenland und das Land ist in einem permanenten Zustand finanzieller Krise.

Was Großbritannien erwarten dürfte

Großbritannien wird endlich seine Grenzen wieder selbst kontrollieren können. Das Land muss sich künftig weder EU-Richtern noch irgendwelchen Direktiven aus Brüssel unterwerfen. Großbritannien kann wieder seine eigenen Gesetze machen, seine eigenen Steuern erheben und seine eigenen Handelsverträge vereinbaren.

Großbritannien erhält wieder eine Schlüsselrolle auf der Weltbühne. Das Land erhält seine Macht in einer Sache wieder zurück, die nur noch wenige europäische Völker genießen: Die Freiheit, sein eigenes Schicksal zu entscheiden. Trotz des Referendums hat es in Großbritannien entgegen aller Unkenrufe bislang weder Jobkürzungen gegeben, noch sind die Immobilienpreise explodiert. Das vorausgesagte wirtschaftliche Chaos ist ausgeblieben.

Großbritannien ist wirtschaftlich wettbewerbsfähig geblieben und das Vertrauen der Verbraucher und Konsumenten hat wieder den Level erreicht, der vor dem Referendum herrschte. Die Angstmache hat nicht funktioniert. Auch die Finanzmärkte reagierten entsprechend entspannt.

Gute Gründe für den Brexit

Unabhängiger Markt

Viele Brexit Gegner sind der Ansicht, dass Großbritannien den Zugang zum EU-Markt verlieren wird. Diese Annahme dürfte falsch sein, denn Großbritannien wird einen Markt entwickeln können, der unabhängig von Brüssels Politik und Restriktionen sein wird. Nicht-EU Länder wie Norwegen, Island und die Schweiz habe ihre eigenen Handelsabkommen und diesen Ländern geht es wirtschaftlich hervorragend. Großbritannien wird sogar die Gelegenheit bekommen, wesentlich bessere Handelsverträge mit der EU auszuhandeln, als andere Nicht-EU-Länder. Zudem wird London jährlich Milliarden Pfund einsparen, da die EU-Beiträge wegfallen.

Großbritannien kann auf eine Zeit des Wachstums vorausblicken, denn das Land befreit sich von der übermächtigen EU mit ihrer protektionistischen Haltung. Großbritannien wird dann Handelsverträge und Regularien schließen können, die den wirtschaftlichen Interessen des Landes entsprechen.

Britisches Pfund

Während einige britische Politiker davor warnen, dass die Bevölkerung nach dem Brexit ärmer werden wird, wird das schwache Pfund jedoch britische Exporte wettbewerbsfähiger machen. Exporteure Großbritanniens können ihre Produkte billiger verkaufen und ihre Gewinnmarge vergrößern. Dies dürfte die Industrie des Landes neu beleben.

Seit den 1980er Jahren hat Großbritannien ein beständiges Defizit der Leistungsbilanz. Im letzten Viertel des Jahres 2015 erreichte das Defizit die Rekordhöhe von 7,2% des Bruttoinlandprodukts. Jetzt, da Exporte wieder wettbewerbsfähiger werden, dürfte das Defizit bald schrumpfen.

Investoren strafen Brexit Gegner Lügen

Trotz der Unsicherheit durch den Brexit erreichten die britischen Aktienkurse teilweise Rekordindizes. Der Blue-Chip Index hat seit dem Referendum teilweise zugelegt und präsentiert sich immer mal wieder als recht stark oder zumindest nicht als schwächer als etwa die großen Indizes in den USA oder Deutschland.

Wirtschaft

Die EU hat es versäumt, die Wirtschaftsprobleme seit 2008 zu lösen. Der Unterschied zwischen den Südeuropäern und Deutschland ist riesig. Europas Wirtschaft stagniert. Für die Gegner der EU in Großbritannien machte es also wenig Sinn in einem stagnierenden Wirtschaftsbündnis zu bleiben, das kaum in der Lage sein würde, die Probleme des Landes zu lösen.

Die bestehenden Finanzbeziehungen in Großbritannien sind nicht durch die Europäische Union entstanden. Die finanzielle Rolle des Landes reicht beinahe zwei Jahrhunderte zurück. Die EU arrangiert sich mit der finanziellen Realität, sie erschafft sie nicht. Wenn die Banken Londons nach Frankfurt umziehen, wird New York der Finanzmagnet schlechthin werden. Die Europäer brauchen jedoch ein Finanzzentrum in London. Sie können London auch nach dem Brexit nicht ausschließen.

Souveränität

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs das Misstrauen zwischen Finanz-, Handels- und Verteidigungsorganisationen. Die EU, der IWF und die NATO sind gute Beispiele dafür. Viele Gegner der EU glauben, dass diese Institutionen keinem guten Zweck mehr dienen. Sie haben die Kontrolle über einzelne Staaten übernommen. Misstrauen und die Angst vor Kontrollverlust ließen den Brexit zu einer sinnvollen Gelegenheit für den Absprung werden. Die Migrationskrise war lediglich der Auslöser.

Einige EU-Politiker argumentierten, dass es eine moralische Verpflichtung war, den Flüchtlingen zu helfen. EU-Gegner empfanden die Masseneinwanderung jedoch als nationales Problem, das das Leben im Land beeinträchtigte. Aus diesem Dilemma wollten sich viele Briten befreien, was zu einem wichtigen Treiber für die Abstimmung wurde. Die EU versteht eben die Kraft des Nationalismus nicht. Nationalität und Identität wollen und sollen als Kulturrecht bestehen bleiben.

Polit-Elite

Last not least erlitten die britischen Politiker massive Zustimmungsverluste. Die Brexit-Stimmer gaben beiden Parteien, den Conservatives und den Labour eine Absage. Denn beide Parteien stimmten anfangs für den Verbleib in der EU. Auch deshalb stimmten die Briten für den Brexit, um gegen die britische Elite zu protestieren. Sie waren Meinung, dass Politiker, Konzern-Chefs und Intellektuelle ihr Recht verloren hätten, das System weiter zu kontrollieren.

Dieses Phänomen ist nicht neu in Europa. Es ist auch kein britisches Phänomen. Es ist ein Phänomen, das über ganz Europa fegt. Und mit der Machtergreifung Donald Trumps in den USA ist es auch dort präsent. In der westlichen Politik vollzieht sich gerade eine tiefgreifende Veränderung. Der Brexit ist nur der Anfang.

Dein Kommentar

Kommentar

  1. Wenn der herzallerliebste Soros in einen Gegenbrexit investiert, dann dürfte eigentlich klar sein, daß er mit dem Brexit riesige Verluste machen wird und keinen solch guten Schnitt, als er gegen das britische Pfund gewettet hatte. Die Zukunft Großbritanniens aber so rosig vor allem für die Menschen darzustellen, ist wiederum auch nicht richtig. Denn Großbritannien wird von der Londoner City beherrscht und deren Herrschaft schwindet seit Gründung der FED immer weiter in die Hände des Komitee der 300. und diesem Komitee gehören herzallerliebste Leut der Wallstreet, der Londoner City und Brüssel an. Wenn man dann dieses nach und nach begriffen hat, kommt man dann auch zu der Wahrnehmung, daß hier ein großes Ringelrein dem unbescholtenem Zuschauer vorgespielt wird, um diesen nicht gewahr werden zu lassen, daß es Schritt für Schritt weiter auf die Eine-Weltregierung zugeht. Gestützt durch den IWF durch die WTO und durch die Nato.
    Ich selbst war vor einiger Zeit noch am Glauben, daß die drei Finanzplätze sich gegenseitig bekriegen, habe aber durch weitere Wissensaufnahme zumindest die Spur auf Cup bekommen. Es stellt sich immer wieder dar, daß Wissen mit Hilfe der selbstbewußten Eigenverantwortung das Wichtigste ist, um sein Selbstbestimmungsrecht wahrzunehmen, was dann Nation für Nation für die einzelnen Völker in deren Gemeinschaft gilt. Und gerade das deutsche Volk hat dieses mit am notwendigsten.
    Olaf Opelt
    Bundvfd.de

  2. Wenn Frankreich sich nicht als d i e Macht auf dem europäischen Kontinent gerieren könnte, wäre es auch gegen die radikalen Einschräkungen seiner Souveränität. Die Vertreter Deutschland sind es nach dem verlorenen Krieg gewohnt, zu kuschen statt Nationalstolz zu zeigen – weit mehr als das Volk. Unsere Vertreter haben sich auf den Untergang des deutschen Nationalstaates eingestellt. Da wir das nicht wollen, müssen wir sie verjagen.

    • Jawohl, sehr geehrter Herr Ehlers, aber nur auf zivilem Weg, wie das z. B. mit der Bürgerklage geschafft werden könnte, wenn nur, ja wenn, genug Menschen dafür bereit wären.
      MwfG
      OTO

  3. Ziemlich unausgewogen. Nur reißerische Aussagen ohne Fakten aufzuzeigen. Nicht sehr überzeugend. Typischer unreflektierter Echoraum Mist. Ich hoffe ein paar Leute denken mal drüber nach.