Pensionsfonds ziehen sich aus US-Staatsanleihen zurück: ABP als Fallbeispiel einer Trendwende

Europas größter Pensionsfonds, der niederländische ABP, hat seinen Bestand an US-Staatsanleihen innerhalb von gut einem Jahr um rund 84 Prozent abgebaut. Was zunächst wie eine technische Umschichtung in einer Fondsbilanz wirkt, ist in Wahrheit Teil einer breiteren Bewegung institutioneller Anleger in Nordeuropa, die ihr Engagement in amerikanischen Staatspapieren zunehmend hinterfragen.

Die Zahlen aus den eigenen Offenlegungen von ABP zeichnen einen klaren Verlauf. Ende 2024 hielt der Fonds, der die Altersvorsorge von rund drei Millionen niederländischen Beamten, Lehrkräften, Polizisten und Pflegekräften verwaltet, US-Staatsanleihen im Wert von etwa 29 Milliarden Euro. Bis zum September 2025, in dem US-Präsident Donald Trump im Rahmen seiner Zoll- und Handelspolitik den sogenannten „Liberation Day“ verkündete, war der Bestand bereits auf knapp 19 Milliarden Euro gesunken.

In den wenigen Wochen danach bis zum ersten Quartal 2026 schrumpfte der Bestand weiter auf nur noch 4,6 Milliarden Euro. Analysten gehen davon aus, dass dieser Rückgang überwiegend auf aktive Verkäufe beziehungsweise das Ausbleiben von Wiederanlagen zurückzuführen ist und nicht auf Kursverluste, da die Anleihepreise im fraglichen Zeitraum stabil blieben oder sogar stiegen.

Das freigewordene Kapital floss größtenteils in europäische Staatsanleihen: ABP hält inzwischen rund 40 Milliarden Euro in deutschen, 23,9 Milliarden Euro in französischen, 13,8 Milliarden Euro in niederländischen und 9 Milliarden Euro in belgischen Staatstiteln. Auch bei US-Aktien reduzierte der Fonds sein Engagement, unter anderem bei Nvidia, Microsoft und Apple. Ein Sprecher begründete die Umschichtung unter anderem damit, dass Anleihen in Euro angesichts der neuen niederländischen Pensionsstruktur attraktiver seien als Fremdwährungsanlagen. Zu der Frage, ob gezielte Verkäufe hinter dem Rückgang stehen, wollte sich ABP öffentlich nicht äußern.

ABP ist kein Einzelfall

ABP steht mit dieser Entwicklung nicht allein. Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension bestätigte den Verkauf von US-Staatsanleihen im Wert von rund 100 Millionen Dollar und verwies auf die angespannte Haushaltslage der amerikanischen Regierung als Motiv.

Auch der schwedische Vermögensverwalter Alecta hat erhebliche Bestände veräußert. Selbst Norwegens Staatsfonds, mit einem Volumen von rund 2.300 Milliarden Dollar einer der größten Staatsfonds der Welt, hat vorgeschlagen, sein Engagement in US-Staatsanleihen zugunsten japanischer Titel und außerstaatlicher US-Schuldtitel zu reduzieren.

Hinzu kommen politisch motivierte Verkäufe: Als Donald Trump im Streit um Grönland mit höheren Zöllen gegen mehrere europäische Länder drohte, wuchs die Sorge um die langfristige Verlässlichkeit amerikanischer Vermögenswerte zusätzlich, auch wenn der US-Präsident die Drohung später zurücknahm.

Was die Verkäufe für den US-Bondmarkt bedeuten könnten

Für sich genommen sind die verkauften Volumina im Verhältnis zum insgesamt rund 29 Billionen Dollar schweren US-Staatsanleihemarkt gering. Dennoch hat die Entwicklung Signalwirkung. Europäische Pensions- und Staatsfonds galten lange als verlässliche, preisunempfindliche Käufer amerikanischer Staatsanleihen. Wenn ausgerechnet diese Anlegergruppe aus fiskalischen und geopolitischen Erwägungen heraus ihre Bestände systematisch abbaut, könnte das andere institutionelle Investoren zu einer Überprüfung ihrer eigenen US-Allokation veranlassen.

Hinzu kommt: Ein nachlassendes ausländisches Kaufinteresse erhöht tendenziell den Druck auf die Renditen. Bleiben die ausländischen Käufer aus, muss der amerikanische Staat höhere Zinsen bieten, um seine wachsende Neuverschuldung zu platzieren, was wiederum die Finanzierungskosten für Regierung, Unternehmen und Verbraucher in den USA verteuert.

Ob sich aus den bereits beobachteten Verkäufen ein sich selbst verstärkender Trend entwickelt, ist offen. Inländische US-Käufer, Geldmarktfonds und andere Notenbanken könnten fehlende europäische Nachfrage zumindest teilweise auffangen. Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die in der Entwicklung ein frühes Warnsignal für die Rolle des US-Dollars als globale Reserve- und Ankerwährung sehen, zumal auch Notenbanken großer Volkswirtschaften wie Japan, der Schweiz oder Indien ihre Treasury-Bestände zuletzt reduziert haben.

Für die USA beinhaltet ein dauerhaft nachlassendes Vertrauen ausländischer institutioneller Anleger ein erhebliches Risikopotential, das geeignet ist, die Finanzierungsbedingungen des Staates spürbar zu verschlechtern. Dies stellt ein Risiko dar, das die US-Regierung angesichts der ohnehin hohen Haushaltsdefizite kaum ignorieren kann. Wie belastbar der Trend tatsächlich ist, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn weitere Offenlegungen europäischer und asiatischer Großanleger vorliegen.