Die politische Richtung scheint eindeutig: weg vom Verbrennungsmotor, hin zur Elektromobilität. Unternehmen sollen ihre Fuhrparks elektrifizieren, emissionsfreie Fahrzeuge werden gefördert und für Firmen- und Dienstwagen stehen noch strengere Vorgaben im Raum. Doch ausgerechnet in den Fuhrparks der Politik entwickelt sich die Realität teilweise in die entgegengesetzte Richtung. Mehrere Spitzenpolitiker haben ihre reinen Elektrofahrzeuge abgegeben und sind auf Plug-in-Hybride umgestiegen. Der Verbrennungsmotor ist damit zurück im Dienstwagen. Der 20. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe liefert dazu bemerkenswerte Zahlen. Von 249 untersuchten Fahrzeugen aus Bund und Ländern erhalten 160 eine rote Karte, weil sie nach der Berechnung der Organisation den europäischen Flottengrenzwert überschreiten. Noch interessanter als die Rangliste ist allerdings die Entwicklung der Antriebsarten: Nur noch 90 der untersuchten Dienstwagen sind reine Elektroautos. Ihr Anteil liegt damit bei 36 Prozent. Plug-in-Hybride bilden mit 42 Prozent inzwischen die größte Gruppe.
Vom reinen Elektroauto zurück zum Verbrennungsmotor
Ein besonders auffälliges Beispiel liefert Hamburg. Die grüne Umweltsenatorin Katharina Fegebank war bislang elektrisch unterwegs. Inzwischen fährt sie einen Mercedes-Benz E 300 e – einen Plug-in-Hybrid, bei dem neben dem Elektromotor wieder ein Verbrennungsmotor an Bord ist.
Nach der Berechnung der Umwelthilfe kommt das Fahrzeug auf 153 Gramm CO₂ je Kilometer. Auch Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel wechselte vom reinen Elektrofahrzeug zu einem Plug-in-Hybrid. Gerade bei Fegebank ist der Wechsel politisch bemerkenswert. Noch im Juli lobte sie Hamburger Unternehmen für den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge. Das städtische Förderprogramm „UmweltFlotte“ wiederum betrachtet Plug-in-Hybride ausdrücklich nicht als emissionsfreie Fahrzeuge.
Damit entsteht ein schwer zu übersehender Gegensatz zwischen politischem Anspruch und persönlicher Dienstwagenentscheidung. Auch im Bund geht es zurück zum Hybrid. Im Auswärtigen Amt wechselten die Staatsminister Serap Güler, Gunther Krichbaum und Florian Hahn ebenfalls vom Elektroauto auf Plug-in-Hybride. Nach der Berechnungsmethode der Umwelthilfe erreichen ihre Fahrzeuge jeweils 196 Gramm CO₂ pro Kilometer. Denselben Wert weisen die Dienstwagen von Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungsministerin Karin Prien auf.
Unter den Umweltressortchefs landet Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann besonders weit hinten. Sein Audi A8 L 60 TFSI e kommt auf 192 Gramm. Bereits im Vorjahr belegte Willingmann den letzten Platz in dieser Gruppe. Sachsens Umweltstaatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch erreicht mit einem Mercedes S 580 e 182 Gramm, Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt 176 Gramm. Noch höhere Werte ergeben sich bei mehreren Regierungschefs. Hendrik Wüst, Manuela Schwesig und Kai Wegner stehen mit jeweils 262 Gramm an der Spitze der Negativliste.
Allerdings gibt es dabei eine wesentliche Besonderheit: Ihre Fahrzeuge sind gepanzert. Da für diese Versionen keine gesonderten Emissionsdaten verfügbar sind, erfolgt die Berechnung anhand der jeweiligen Basismodelle.
Auch die hohen Werte der Plug-in-Hybride müssen richtig eingeordnet werden. Die Umwelthilfe misst nicht den tatsächlichen Kraftstoff- und Stromverbrauch der einzelnen Politiker. Sie weiß also nicht, ob beispielsweise ein bestimmter Minister seinen Plug-in-Hybrid überwiegend elektrisch oder überwiegend mit Benzin fährt.
Stattdessen arbeitet sie mit einer Modellannahme. Dabei wird bei Plug-in-Hybriden ein elektrischer Fahranteil von lediglich rund elf Prozent unterstellt. Umgekehrt werden damit 89 Prozent der Fahrleistung dem Verbrennungsmotor zugerechnet. Das erklärt, weshalb die errechneten Werte teilweise weit über den offiziellen WLTP-Angaben der Hersteller liegen. Die angegebenen Grammwerte sind deshalb keine Messung der tatsächlichen individuellen Emissionen eines Ministers. Sie sind das Ergebnis einer bestimmten Berechnungsmethode.