Die Lage im Nahen Osten hat sich erneut dramatisch zugespitzt, wie u.a. die „Welt“ berichtet. Nach iranischen Raketenangriffen auf israelisches Staatsgebiet reagierte Israel mit Luftschlägen gegen militärische Ziele im Iran. Besonders bemerkenswert ist dabei die politische Komponente: Die israelische Führung handelte offenbar entgegen ausdrücklicher Warnungen von US-Präsident Donald Trump, der weitere militärische Eskalationen verhindern wollte.
Nach Angaben der israelischen Streitkräfte richteten sich die Angriffe gegen militärische Einrichtungen im Westen und Zentrum des Iran. Ziel seien unter anderem Abschussrampen für Boden-Boden-Raketen sowie weitere militärisch relevante Infrastrukturen gewesen. Das israelische Militär erklärte, man befinde sich weiterhin in voller Einsatzbereitschaft und werde gegen jede Bedrohung der Sicherheit Israels vorgehen.
Ende offen
Iranische Medien berichteten anschließend von Explosionen in mehreren Städten, darunter Teheran, Täbris, Karadsch und Isfahan. Wohngebiete der Hauptstadt seien nach ersten Informationen jedoch nicht direkt getroffen worden. Die Behörden sperrten vorsorglich den Luftraum rund um den Flughafen Teheran.
Die Eskalation blieb nicht ohne unmittelbare Gegenreaktion. Nur wenige Stunden nach den israelischen Angriffen startete der Iran erneut Raketen auf Israel. Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden richteten sich die Angriffe gegen die israelischen Luftwaffenstützpunkte Nevatim und Tel Nof. Teheran bezeichnete die Aktion als Vergeltung für israelische Angriffe auf iranische Radaranlagen.
Brisant ist insbesondere der diplomatische Hintergrund. US-Präsident Donald Trump hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zuvor zur Zurückhaltung aufgefordert. Hintergrund waren laufende Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, die nach Auffassung Washingtons durch neue Militärschläge gefährdet werden könnten. Berichten zufolge telefonierte Trump kurz vor den Angriffen persönlich mit Netanjahu und drängte auf Zurückhaltung. Dennoch erfolgte die militärische Reaktion Israels.
Die israelische Führung verweist dagegen auf die unmittelbare Bedrohung durch iranische Raketenangriffe. Nach Angaben des israelischen Botschafters in den USA feuerte der Iran elf ballistische Raketen auf Israel ab. Jede einzelne Rakete habe das Potenzial, erhebliche Schäden anzurichten und zahlreiche Menschenleben zu gefährden. Israels Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir verschärfte die Rhetorik zusätzlich mit der Aussage, „heute Nacht müsse Teheran brennen“.
Die Auswirkungen der Eskalation waren auch im israelischen Alltag spürbar. In mehreren Städten wurde Luftalarm ausgelöst, Schulen blieben geschlossen und die Sicherheitsmaßnahmen wurden landesweit verschärft. Gleichzeitig berichtete das Militär von weiteren Bedrohungen aus dem Jemen, wo die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aktiv sind.
Der Iran begründet seine Angriffe wiederum mit angeblichen wiederholten Verstößen Israels gegen die Waffenruhe im Libanon sowie mit israelischen Militäraktionen gegen die Hisbollah. Die Führung in Teheran warnte vor noch schwereren Konsequenzen, sollte Israel seine Angriffe ausweiten.
Die Ereignisse zeigen, wie fragil die Sicherheitslage im Nahen Osten derzeit ist. Neben der militärischen Eskalation wird deutlich, dass auch die politischen Spannungen zwischen Washington, Jerusalem und Teheran zunehmen. Besonders die Missachtung der amerikanischen Zurückhaltungsforderungen könnte die diplomatischen Bemühungen um eine Stabilisierung der Region erheblich erschweren. Die Gefahr einer weiteren Ausweitung des Konflikts bleibt damit hoch.