in Wirtschaft

Von Alice Marcondes

Porto Alegre, Brasilien, 13. März (IPS) – Sie sehen aus wie dünne Plastikscheiben und lassen sich biegen: Brasilianische Wissenschaftler haben Solarzellen aus Plastik entwickelt, die die Photovoltaikforschung des Landes in eine Liga mit Europa und den USA katapultiert haben.

Bereits seit mehr als zehn Jahren gibt es vor allem in westlichen Industriestaaten Experimente mit solchen Plastiksolarzellen, die auch Organische Solarzellen genannt werden und aus Kohlenwasserstroff-Verbindungen bestehen. Doch bisher ist noch kein Produkt großflächig einsetzbar. Sie sind zu teuer und zu ineffizient.

Außerdem sind sie bisher noch sehr klein. Doch genau das ist nach Ansicht der brasilianischen Wissenschaftler vom Forschungsinstitut CSEM Brasilien im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais von Vorteil: „Durch ihre Größe können die Solarzellen für ganz andere Bereiche genutzt werden als beispielsweise Siliziumzellen“, erläutert CSEM-Präsident Tiago Maranhão Alves. So können sie beispielsweise für Mobiltelefone, kabellose Computertastaturen oder –mäuse verwendet werden.

Doch das ist nur der Anfang. Jetzt wollen sich die Forscher an die Produktion von Solarzellen machen, die auch für größere Flächen geeignet sind, beispielsweise für Fensterfronten. „Ein Panel von zwei oder drei Quadratmetern könnte ausreichend Energie für eine vierköpfige Familie produzieren“, sagt Alves. Könnten die Solarzellen für große Gebäude wie Fußballstadien und Flughäfen genutzt werden, müssten keine gesonderten Flächen für die Photovoltaik einberechnet werden.

Solarenergie für ländliche Regionen

Darüber hinaus wären die Plastikpanelen eine mögliche Alternative zur Energieproduktion in schlecht erreichbaren Gebieten. „In Brasilien gibt es noch immer rund eine Million Orte, die nicht an das Stromnetz angebunden sind.“ Insgesamt leben in dem südamerikanischen Land 192 Millionen Menschen.

Ein Vorteil der Plastiksolarzellen gegenüber den üblichen Siliziumzellen ist der geringe Transportaufwand. „Sie sind einfach zu transportieren. Der logistische Aufwand ist niedriger. Außerdem können die Besitzer sie bei einem Umzug einfach abmontieren und mitnehmen.“

In die Forschung und Entwicklung Organischer Solarzellen wurden in Brasilien bisher zehn Millionen US-Dollar investiert. Im Laufe des Jahres kommen vermutlich weitere 20 Millionen hinzu. „Zum einen suchen wir nun nach Wegen, die Zellen auch in größerem Maßstab produzieren zu können. Zum anderen wollen wir Kostenanalysen durchführen“, sagt Alves.

Die Gelder stammen von der brasilianischen Kapitalbeteiligungsgesellschaft ‚FIR Capital‘ und dem Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie (CSEM). Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt auch von der Forschungsstiftung des Bundesstaates Minas Gerais. Zusammen richteten sie CSEM-Brasilien ein.

Verstärktes Engagement für ‚grüne Technologien‘

Die Plastiksolarzellen verweisen auf einen Trend in Brasilien, verstärkt in grüne Technologien zu investieren. 2012 startete die staatliche Agentur zur Finanzierung von Studien und Projekten (FINEP) das ‚Programm Nachhaltiges Brasilien‘. Kredite in Höhe von insgesamt zehn Millionen US-Dollar sollen an Initiativen fließen, die sich für den Erhalt natürlicher Ressourcen einsetzen.

Die Agentur reagiert damit nach eigenen Angaben auf das steigende Interesse an diesen Themen. In den vergangenen acht Jahren habe sie bereits 2,3 Millionen US-Dollar in die Finanzierung grüner Projekte gesteckt. Ein Viertel dieser Projekte diente der Produktion sauberer Energien.

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