in Medien

Zurecht löste der Spiegel Artikel “Stoppt Putin jetzt!” einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken aus, vielleicht auch stellvertretend für viele andere, ähnlich gelagerte Artikel über die mehr als tragische Entwicklung in der Ukraine und der angeblichen Rolle Russlands. Es ist gut möglich und sogar höchstwahrscheinlich, dass sich darunter auch organisierte, möglicherweise sogar bezahlte Auftragsschreiber befinden. Aber diesen Vorwurf müssen sich wohl alle Parteien gefallen lassen und in erster Reihe die Presstituierten unserer Mainstream Medien!
Der scheinheilige Versuch der Medien die Shitstorms in den Foren und den sozialen Netzwerken als das Ergebnis organisierter Auftragsschreiber abzutun ist allerdings eine grobfahrlässige Missachtung der Gefühlslage in der Bevölkerung einerseits und eine masslos übertriebene Simplifizierung andererseits.

Es mag sein, dass das im Spiegel erwähnte Titelbild (“Stoppt Putin jetzt”) objektiv nicht als kriegstreiberisch bezeichnet werden kann, sehr wohl aber der Duktus mit der die massenhaft erscheinenden, anti-russischen Artikel verfasst werden. Selbst im Spiegel gab es Artikel wo die seelische Verfassung Putins auf die ganze russische Nation projiziert wurde. Welche Attribute verdienen solche Artikel? “Agitation” vielleicht? Schmiererei? Hass-Propaganda? Kriegstreiberei?

Worin besteht der Wert eines kürzlich auf SPON erschienen Artikels über Putin in welchem er als zivilisationsscheuer Mann beschrieben wird, der seine Zeit lieber auf der Dacia ungeben von Tieren verbringt und den man beim Hockey gewinnen lassen muss?
Vor einigen Jahren noch wäre eine derartige Schmiererei im Spiegel undenkbar gewesen!

Dank des Interenets kann sich der kritische Leser heutzutage breiter und tiefer informieren als es früher je möglich war. Jedes Informationsportal, jede Zeitung muss also damit rechnen, dass deren Artikel vom Leser gegengeprüft werden. In diesem Zusammenhang fällt besonders die seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise extrem einseitige, tendenziöse Berichterstattung auf. Darüberhinaus werden gewisse für “unsere Agenda” unangenehme Details auch mal gerne ausgeblendet oder auf teils groteske Weise beschönigt (beispielsweise die gewalttätige Machtübernahme in Kiev durch eine vom Westen geförderte Nazi-Junta oder die „Anti-Terror“ Operation im Osten des Landes).

Die Angewohnheit des angeblich zivilisierten Westens grundsätzlich mit zweierlei Mass zu messen soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wo bleibt der Aufschrei des Entsetzens, die Entrüstung, wenn in Palästina über eintausend Zivilisten, darunter unzählige Kinder, Mütter und Alte, einem offensichtlichen Kriegsverbrechen zum Opfer fallen? Nein, wenn es um einen NATO Partner, einen Verbündeten geht, muss die Sprache angepasst, der Duktus geändert, die Lautstärke gesenkt werden. Besteht allerdings nur alleine der Verdacht, Russland könnte möglicherweise die Flugabwehrrakten an die Widerstandskämpfer im Osten der Ukraine geliefert haben, ist Feuer auf dem Dach und die Sprache nimmt Formen an die alle künftigen Gespräche mit dem russischen Partner vorbelasten und somit eine friedliche Lösung immer unwahrscheinlicher werden lassen.

Aber das weitaus Schlimmste – und dafür stehen wohl die Shitstorms im Besonderen – ist die unsägliche Dummheit, Arroganz und Überheblichkeit der Journalisten die solche Texte gegen Geld abliefern. Das ist unverzeihbar.
Unverzeihbar, nachdem das 20. Jahrhundert zwei Weltkriege durchmachen musste, deren Entstehung auf durchaus vergleichbaren Prozessen beruhte wie wir sie jetzt live miterleben. “So etwas darf nie wieder geschehen”, hiess es dann noch jahrzehntelang einschliesslich rührender Kranzniederlegungen nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Nur leider sind fast alle diese Stimmen die das Grauen des letzten, nun mehr fast siebzig Jahren zurückliegenden, grossen Krieges miterlebt haben, nicht mehr in der Politik anzutreffen. Sie sind entweder zu alt oder weilen nicht mehr unter uns. Die Dummheit und die Feigheit der Journalisten ist auch deswegen unverzeihbar, weil sie sich zum willigen Werkzeug machen lassen und aus den grossen Kriegen des 20. Jahrhunderts offenbar nichts gelernt haben. Bewaffnet mit dem Kugelschreiber in der Hand, handeln sie aus vermeintlich sicherer Distanz gegen den Menschlichkeit, gegen den Frieden, gegen den Zusammenhalt und gegen den Fortschritt nur alleine um dem Interesse der Eliten, den 0.1% zu dienen. Das Blut der Ukrainer klebt auch an den Händen dieser Medienschaffenden.

Unverzeihbar ist auch die Anmassung, dass uns immer wieder neue “Beweise” geliefert werden, die gar keine sind. Wir kennen das spätestens seit der ruchlosen Präsentation von “unwiderlegbaren Beweisen” für WMDs, Weapons of Mass Destruction, im Irak. Was auf diese mittlerweile erwiesene Lüge folgte, wissen wir alle nur zu gut.

Es darf deshalb niemanden in der Presse erstaunen, dass der heutzutage zu Recht vorsichtige Bürger nun etwas genauere Details, also stichhaltige Beweise fordert und sich keineswegs mit unscharfen Satelliten-Bildern abspeisen lässt die irgendetwas beweisen sollen was dem nahezu bankrotten transatlantischen Bündnis mal eben so in den Kram passt. Noch besser sind die vielen im Wochentakt medial hysterisch gefeierten Unterststellungen, Russland hätte dies oder jenes getan, ohne dass aber der kleinste Beweis geliefert wird. Da werden einfach Sachen in einer Endlosschleife behauptet die wahr sein müssen, einfach weil jemand sagt, das sei so. Ja für wie dumm verkauft man den Leser, den Bürger eigentlich?

Welche vom Spiegel angemahnte De-Eskalation kann der Westen von Russland fordern? Die machen ja nichts, ausser, dass sie alle Verträge mit dem Westen peinlichst einhalten! Es gibt bisher nicht einen Beweis für angeblich russische Truppen auf ukrainischem Boden. Es gibt nicht einen Beweis für die Lieferung von schweren Waffen an die Widerstandskämpfer in der Ostukraine. Es gibt keine Beweise für eine angebliche Bombardierung der Ukraine seitens der Russen (sehr wohl aber für das Gegenteil!).

Genau hier liegt das Problem des Westens, dem Drahtzieher dieses Umsturzes in der Ukraine mit dem eigentlichen Ziel Russland zu destabilisieren: Russland bewegt sich nicht, lässt sich trotz allergrösster Bemühungen seitens der EU, seitens der USA, nicht provozieren.
Die Propaganda über die Schwäche Russlands, seiner Isolation in der Weltgemeinschaft, ist mediale Masturbation und selbst als Treppenwitz noch zu absurd. Man könnte auch zum gegenteiligen Schluss kommen, nämlich, dass sich die EU durch ihre Handlungsweise auf dem eurasischen Kontinent zunehmend isoliert. Ausser den klammen Amerikanern haben wir ja keine echte Freinde mehr. Aber deren Kontinent schwimmt auf der anderen Seite des Planeten…

Die naiv-blumige Beschwichtigung des Spiegels, die EU könne sich eine längere Auseinandersetzung mit Russland auf der Basis von Wirtschaftssanktionen leisten, ist womit begründet? Wieder wird etwas als Tatsache in den Raum gestellt, ohne dass überhaupt der Versuch unternommen wird darzustellen, wie man zu einer solchen Schlussfolgerung gekommen ist. Betrachtet man die in Europa grassierende Finanzkrise, die Euro-Krise, drohende Staatspleiten, die sinkende Kaufkraft und ein noch nie dagewesenes Massenheer von Arbeitslosen, so erweckt der Versuch dieser Beschwichtigung kein besonders hohes Mass an Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Urheber dieser Strategie. Man stellt sich sehr viel eher die Frage ob denn nun alle vollkommen verrückt geworden sind oder unter Halluzinationen leiden?

Man wirft Putin vor, er habe sich nicht für den Mord an den 298 Flugzeugpassagieren entschuldigt. Soweit mir bekannt, kann man sich nur für etwas entschuldigen wofür man selbst verantwortlich ist. Da könnte Herr Netanjahu gleich den Anfang machen und sich für den Massenmord an den Zivilisten in Palästina entschuldigen – denn es gibt absolut keinen Zweifel darüber wer den neuen Feldzug gegen die Palästinenser angeordnet hat. Wie steht es mit einer Million Irakern die ihr Leben haben lassen müssen und deren Land heute ein “failed state” ist der gerade dabei ist auseinanderzubrechen? Was ist mit den Syrern die in einen Krieg gegen vom Westen finanziell und waffentechnisch unterstützte Söldner gezwungen worden sind und dabei ihr Leben verloren haben? Wieder sind wir bei den zweierlei Mass, den berüchtigten “double standards” angekommen!
Da kann sich der Spiegel noch so pathetisch auf unsere demokratischen Werte und Freiheit berufen. Tatsache ist, wir, der Westen, treten eben diese Werte seit Jahren mit den Stiefeln!

Ich kenne kaum eine andere Sprache mit der sich schwierige Sachverhalte so eloquent und präzise ausdrücken lassen wie mit Deutsch. Jedenfalls war das so bis noch vor nicht allzulanger Zeit. Aber seither vergewaltigen und verhunzen die Mainstream-Medien die Sprache nach Belieben indem sie Wörter jeweils nach politischer Interessenslage rücksichtlos missbrauchen. Ein Beispiel der letzten Monate ist das Wort “Annexion”. Annexion bedeutet gemäss Duden “gewaltsame und widerrechtliche Aneignung fremden Gebiets”. Trifft das auf die Krim zu? War es objektiv betrachtet nicht viel mehr eine demokratisch herbeigeführte Separation von der Ukraine mit anschliessendem Anschluss an die Russische Föderation? Was ist mit der Ostukraine, den Widerstandskämpfern in Donezk und Lugansk? Warum werden sie mal als Terroristen und dann wieder als pro-russische Separatisten bezeichnet, wenn sie in Wahrheit Widerstandskämpfer gegen die Nazi-Junta in Kiev sind und die Mehrheit von ihnen durchaus gerne Ukrainer bleiben würden? Welche Anforderungen müssen eigentlich erfüllt werden um als Widerstandskämpfer vom Westen anerkannt zu werden? Warum bezeichnet man den Machtwechsel in der Ukraine nicht als das was es war – ein vom Westen orchestrierter und bezahlter Coup d’Etat? Dürfen ausgewiesene Nazis der kiever Junta deshalb nicht als Nazis oder Faschisten bezeichnet werden, weil sie die Hände von Steinmeier, Merkel, Barroso, Schulz, van Rompuy und Obama geschüttelt haben? Werden hingegen die friedlichen Montagsdemonstranten deshalb als verkappte Rechte, Faschisten und Neonazis verunglimpft und besonders vom Spiegel an den medialen Pranger gestellt, weil sie gegen die derzeitige “Ordnung” aufbegehren und sich erdreisten intelligente Fragen zu stellen? Fragen über Fragen auf die uns die Mainstream Presstituierten keine Antwort geben wollen. Sie, die Montagsdemonstranten aber auch die Occupy Aktivisten sind die wahren Helden unserer Zeit. Sie zeigen Rückgrat das der Presse offenbar vollkommen abhanden gekommen ist. Sie haben für Demokratie und Freiheit mehr getan als die gesamte Regierung unter Merkel seit ihrem Antritt vor acht Jahren.

Der Spieger verliert jeden Tag ein ein Stück seiner Existenzberechtigung und verdient dabei jeden Shitstorm – die digitale Variante von „mit faulen Eiern beworfen zu werden“. Kein Wunder läuft dem Toilet-Paper das Publikum in Scharen davon. Daran wird auch deren schleimige Artikel “in eigener Sache” nichts mehr ändern. Das Porzellan ist zerschlagen, das Vertrauen dahin, der ehemals gute Name beschmutzt. Das Bemerkenswerte daran: Der Spiegel ist stellvertretend für den Mainstream gerade dabei sich vom Mainstream zu entfernen, den Kontakt zur politischen Realität zu verlieren. Das zeugt von der Selbstreinigungsfähigkeit Europas und erfüllt mich mit Hoffnung und sogar ein bisschen Stolz.

Artikel im Spiegel

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11 Kommentare

  1. Ich stimme Ihnen zu, dass der Spiegel nur Propaganda gegen Rußland betreibt. Ich lese ab jetzt keinen Spiegel mehr, der hat bei mir jeglichen Respekt und Vertrauen als freie unabhängiges Medium verloren.

  2. Anfangs dachte ich, es kommt richtig dick. Aber dann fiel der Artikel doch differenzierter aus als gedacht. Gleichzeitig wird nicht versäumt, die Dinge beim Namen zu nennen.

    Aktuell werfen die USA Russland den Verstoß gegen ein gegenseitiges Abkommen vor – ein Vorfall wohlgemerkt aus 2008! Das abwartend kühlen Reaktionen der Russen müssen Washington derart brüskiert haben, dass man verzweifelt nach dem kleinsten Vertragsbruch gesucht hat. Und dann war es soweit – endlich – ups 2008. Egal – Putin ist der Böse.

  3. Der Artikel ist gut und differenziert geschrieben, aber der Erkenntnisgewinn ist gering. Die Fokussierung (Sehschlitz) auf den Spiegel und andere deutsche Medien verstellt den Blick auf die globale Entwicklung. Es gibt eine Medienkampagne gegen Putin in der ganzen westlichen Welt. In allen grossen Mainstream-Medien sind diffamierende Artikel über Putin erschienen. Wird ein Krieg gegen Russland vorbereitet? Und wie genau funktioniert es, wenn Medien im Chor anti-russisch berichten? Ein Bericht aus dem Jahr 2009 sagt: „Das US-Militär hat seine Propagandaabteilung gewaltig ausgebaut. Laut AP-Recherchen verfügt das Pentagon über 27’000 Personen, die ausschliesslich für die Öffentlichkeitsarbeit (PR, Werbung, Rekrutierung) zuständig sind.“ ???

  4. „Freinde“, „Presstituierte“ – sehr gut! Passender hätte man nicht formulieren können, danke dafür :D

    Heute zum 1. Mal auf dieser Seite und bin gleich begeistert. Gehört neben propagandaschau und den nachdenkseiten zur großen Überraschung gegen den Meinungs-Einheitsbrei der Mainstreams. Jedenfalls soweit ich das bisher beurteilen kann.

    Selbst die FAZ, war bisher meine letzte Hoffnung, ist nur noch bedrucktes Klopapier, bzw. Datenmüll. Einzig die Kommentare dort sind noch lesenswert.

    Wie gesagt, guter Kommentar. Danke.

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