in Europa

Mit der Unabhängigkeitserklärung durch das katalanische Parlament hat der Konflikt zwischen den Separatisten in Barcelona und der spanischen Zentralregierung in Madrid am vergangenen Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht.

Von Ernst Wolff – Nachdem es einige Wochen lang so ausgesehen hatte, als ob beide Seiten bemüht seien, die Wogen zu glätten, droht die Auseinandersetzung nun in offene Gewalt umzuschlagen. Da schon jetzt feststeht, dass keiner der Kontrahenten als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen wird, stellt sich die Frage: Wem nützt er? Die Antwort ist schwer zu glauben: Der größte Nutznießer der gegenwärtigen Entwicklung ist niemand anderes als der Schuldige an der Misere – die Finanzindustrie.

Kein europäisches Land wurde stärker von der Finanzelite geplündert

Die separatistische katalanische Bewegung konnte nur deshalb so stark werden, weil die sozialen Gegensätze in Spanien in den vergangenen Jahren explodiert sind. Das wiederum ist vor allem auf die hemmungslosen Aktivitäten des immer mächtiger gewordenen und vor Kriminalität strotzenden spanischen Bankensektors zurückzuführen.

Kein anderes Land in Europa hat eine derartige Plünderungsorgie durch die Finanzelite erlebt wie Spanien. Ab 2001 ließen Spekulanten nach der Liberalisierung des Bodenrechtes innerhalb von nur sieben Jahren vier Millionen Wohnungen hochziehen. Die Folge: 2008 platzte die bis dahin größte Immobilienblase in Europa und stürzte Spanien in seine schwerste Krise der Nachkriegszeit.

Kurz darauf geriet das Land dann auch noch in den Strudel der Eurokrise und wurde unter die Zwangsverwaltung der Troika aus EZB, EU und IWF gestellt. Zusammen mit der Zentralregierung in Madrid erlegte die Troika der arbeitenden Bevölkerung ein Sparprogramm auf, das den Lebensstandard breiter Einkommensschichten drastisch senkte. Das Ergebnis war eine gewaltige Volksbewegung gegen die Austerität, die vom Staat mit aller Härte unterdrückt wurde.

Die Banken wurden mit Samthandschuhen angefasst

Anders wurde mit den Banken umgegangen: 2011 wurden sechs praktisch bankrotte regionale Sparkassen von der Regierung verstaatlicht und zur Gruppe Bankia zusammengeschlossen. Zu ihrem Chef wurde mit Rodrigo Rato (ehemaliger Chef des IWF und von 1996 bis 2004 spanischer Superminister für Wirtschaft und Finanzen) genau der Mann ernannt, der die Immobilienblase als zuständiger Minister juristisch ermöglicht hatte.

Die Rettung der Bankia-Gruppe kostete die spanischen Steuerzahler 22,4 Milliarden Euro. Da der anschließende Börsengang enttäuschend verlief, muss ein großer Teil des Geldes als verloren gelten. Rato wird den Verlust nicht mehr als Bankia-Chef miterleben: Er trat nach einem Jahr von seinem Posten zurück, kassierte eine Millionenabfindung und wurde 2017 wegen Untreue zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

Eine weitere Fusion – die der Bankia mit der Banco Mare Nostrum – wird die spanischen Steuerzahler mit zusätzlichen 1,1 Milliarden Euro belasten. Erst vor kurzem hatte die Großbank Santander 51 Prozent ihres Immobilien-Portfolios zu einem Drittel des Buchwertes an die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone verkauft und den amerikanischen Finanzgiganten damit zum größten privaten Immobilienbesitzer Spaniens gemacht – zu einer Zeit, da zehntausende durch die Krise verarmte Spanier mit Zwangsräumungen zu kämpfen haben.

Im Juni dieses Jahres übernahm die Großbank Santander die Banco Popolar Espanol für den symbolischen Preis von einem Euro, nachdem es zum ersten Mal in Spanien zur Anwendung des seit 2016 in der EU gesetzlich vorgeschriebenen „Bail-in“ gekommen war. D.h.: Die Aktionäre der Banco Popolar wurden um 1,3 Milliarden Euro und die Halter bestimmter (nachrangiger) Anleihen um zwei Milliarden Euro erleichtert.

Händeringend gesucht: Eine Ablenkung von den wahren Schuldigen

Diese Bail-in-Regelung ist in doppelter Hinsicht ein politischer Sprengsatz: Zum einen bringt sie zahlreiche Kleinaktionäre um ihr Geld und sorgt damit für zusätzlichen Unmut innerhalb der arbeitenden Bevölkerung, zum anderen wird sie ein juristisches Nachspiel haben, da einige Hedgefonds bereits angekündigt haben, gegen den Verlust ihrer Gelder zu klagen.

Ein solcher Prozess ist für die Banken natürlich sehr gefährlich, da er ein Schlaglicht auf ihre kriminellen Aktivitäten werfen und der Öffentlichkeit vor Augen führen würde, dass kein anderes Land der Eurozone in den vergangenen zehn Jahren eine derartige Konzentration im Finanzsektor erlebt hat wie Spanien: Von den 55 Banken, die während des Baubooms Kredite vergaben, sind nur noch 13 als selbständige Einheiten erhalten. Sechzig Prozent aller Spareinlagen entfallen auf die drei größten Bankengruppen des Landes, die fünf größten Banken, die 1998 noch über einen Marktanteil von 34 Prozent verfügten, haben diesen inzwischen auf 62 Prozent ausgeweitet – alles mit voller Unterstützung der EU und der Zentralregierung in Madrid.

Was kann der Finanzelite in dieser Situation Besseres passieren, als dass eine regionale politische Gruppierung sie aus der Schusslinie nimmt, indem sie die Wut und die Aufmerksamkeit der gesamten spanischen Bevölkerung (und der europäischen Öffentlichkeit) auf einen langsam eskalierenden und möglicherweise auf einen Bürgerkrieg hinauslaufenden Konflikt zwischen Separatisten und Nationalisten lenkt…?

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Bullshit.
    da könnte man auch sagen, der König – schließlich ist es ebenso ein Witz, dass ein derart verarmtes Volk noch einen König samt Familie durchfüttert.
    Inhaltlich stimmt es natürlich schon, die Sache mit der Plünderung durch die Finanzelite – aber das ist eher ein weiterer Anschub für den Abspaltungsprozeß gewesen.

    Witzig auch, dass ich den gleichen Artikel vor ner Stunde bei Sputnik gelesen habe – wäre schon cool auch zu schreiben, wo man abgekupfert hat. Is eigentlich ein journalistischer Standard – siehe KenFM, free21…

    Aber nochmal, die Finanzelite profitiert nicht am Konflikt, auch wenn sich das manche gerne einreden / lesen wollen.

    • Ach ja! Sagen sie es uns, der König und die Hochfinanz profitieren nicht, wer denn dann? Klären sie uns über die Zusammenhänge auf…

    • Eigentlich hat Wolff im letzten Absatz ziemlich klar dargelegt auf welche Weise die Finanzelite davon profitiert, nämlich in dem sie als Auslöser des ganzen Problems subjektiv von der Kampfzone verschwindet. Ich finde das absolut überzeugend, sogar mehr als das. Die größten Probleme der heutigen Zeit entstehen genau dadurch, dass durch Nebenkriegsschauplätze und Medienkartelle die Kausalität aus der Welt gezaubert wird. Unsere ganze Politik ist von A bis Z geradezu und durchgehend akausal.

    • top, da stimme ich 100%ig zu.
      aber die Katalanen wollen seit Jahrzehnten aus Spanien raus – das ist nicht neu.
      Aber das Problem, der Enteignung auf den Finanzmärkten bleibt genau so stehen.
      Berichte über Königkrönungen u.ä., das nenne ich akausale Blendgranaten, klar und es ist erschreckend, was man da so alles serviert bekommt. Jedoch hatte die Finanzelite nicht den Hauch von Einfluss auf den Abspaltungsprozeß – insofern kann man ihnen viel vorwerfen, aber nicht dass sie die Profiteure wäre.

      • We repräsentiert die Finanzelite ? Die EU, eine Konstruktion der Finanzelite, steht hinter der Niederschlagung der Autonomiebewegung . Gegen die EU hätte das spanische Königshaus die Gewalt nicht durchziehen können,
        denn die brutale Niederschlagung der Wähler in Katalonien mit den 900 Verletzten ist ein beinahe unvergleichbarer politischer Skandal . Es gibt kaum Vergleiche, in denen eine demokratische Bewegung derart behindert und niedergeknüppelt wurde . Das braucht massive Unterstützung durch die MSM, die den antidemokratischen Skandal zu einer Durchsetzung vorgblich legitimen Rechtes umschrieben .
        Die MSM wiederum sind Sprachrohr der Seilschaft etablierte Politik/Finanzkapital.

    • Der Beitrag ist auch auf antikrieg.com zu finden. Wolff will mit seinen Publikationen Breitenwirkung erzielen und nicht nur auf einer einzigen Plattform erscheinen. Wie war das doch gleich? „Vor Inbetriebnahme des Mundwerks Gehirn einschalten.“

  2. Tja, die Katalanen mit brutalster Polizeigewalt zusammenprügeln und dem Präsidenten den Prozess machen ist eben „Demokratie“. Ein Referendum auf der Krim, wo sich ebenfalls eine übergroße Mehrheit für die Abspaltung entschieden hat, ist dann eben eine „Annexion“, die Macht der Finanzfaschisten hat vorerst nicht bis zur Krim gereicht, sonst hätte es wohl seinerzeit ein blutiges Gemetzel gegeben!

  3. Vielen Dank Herr Wolff für dieses ausführliche Aufzeigen von Tatsachen.
    Und klein Eddie, du solltest bitte nicht vernünfteln, sondern dir bitte grundhaftes Wissen anschaffen. Denn das Asyl von Puigdemont, das ihm Brüssel gewährt, zeigt klar auf, wer profitiert und von wem der Auftrag kam.
    Olaf Opelt
    Bundvfd.de