in Umwelt

Von Carey L. Biron – Washington (IPS) – Für ein Drittel aller US-amerikanischen Biobauern hat sich einer neuen Studie zufolge die Nachbarschaft zu Feldern, auf denen genmanipulierte Pflanzen ausgebracht werden, negativ ausgewirkt. Und mehr als die Hälfte von ihnen machte bereits die Erfahrung, dass sie einen Teil ihrer Agrarerzeugnisse zurücknehmen musste, weil diese genetisch kontaminiert waren.

Mehr als 80 Prozent der US-Landwirte, die an einer neuen Umfrage teilgenommen hatten, deren Ergebnisse am 3. März vorgestellt wurden, äußerten sich besorgt über die Auswirkungen von Genpflanzen auf ihre Farmen. 60 Prozent erklärten sogar, „sehr besorgt“ zu sein.

Die Untersuchungsergebnisse fallen in eine Zeit, in der das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen hat: Die Behörde verlängerte die Zeitspanne für die Abgabe öffentlicher Kommentare zu einem kontrovers diskutierten Bericht über die Frage, inwieweit genetisch manipulierte und nicht-manipulierte Pflanzen koexistieren können.

Im Zusammenhang mit einer Überprüfung der Jahre 2011 und 2012 war der USDA-Beratungsausschuss zu Biotechnologie und Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts (AC21) zu dem Schluss gekommen, dass die ihm vorliegenden Informationen nicht ausreichen, um das Ausmaß der Gen-Kontaminierung und die damit verbundenen Verluste für die Bio- und herkömmlichen Bauern zu erfassen.

Im November 2012 hatte der AC21 Empfehlungen vorgelegt, die jedoch als biotechnologiefreundlich kritisiert wurden. Daraufhin schlug das USDA vor, das Thema weiter zu recherchieren. Die Untersuchung vom 3. März, die vom Ökobauernverband OFARM und der in Washington ansässigen Nichtregierungsorganisation ‚Food & Water Watch‘ vorgenommen wurde, soll diese Wissenslücken schließen.

„Das USDA hätte uns nur zu fragen brauchen“, meinte Oren Holle, der OFARM-Vorsitzende, der im Bundestaat Kansas im Mittleren Westen der USA einen Hof betreibt.

„Wir sind der Meinung, dass die Einführung und die Verbreitung der genmanipulierten und patentierten Organismen (GMOs) nicht so reguliert wurden, wie dies eigentlich hätte sein sollen. Das USDA hat sich als viel zu lax herausgestellt, was wir auf den Einfluss der Biotechnologieindustrie auf die politischen Kreise zurückführen.“

Mais und Soja fast vollständig genmanipuliert

Während genmanipulierte Anbauerzeugnisse in den letzten zwei Jahrzehnten weltweit immer weiter um sich griffen, ist der Siegeszug der Biotechnologie nirgendwo größer als in den USA. Waren Mais und Soja Mitte der 1990er Jahre in einem Prozent beziehungsweise in sieben Prozent der Fälle genmodifiziert, waren es im letzten Jahr in beiden Fällen mehr als 90 Prozent.

In der neuen Untersuchung vertrat die Hälfte der US-Landwirte die Ansicht, dass GMOs und herkömmliche Agrarpflanzen niemals koexistieren können. Mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer erklärten, das das Prinzip des ‚verantwortungsvollen Handelns‘ (‚Good Stewardship‘), bei weitem nicht ausreiche, um die genetische Kontaminierung aufzuhalten.

Dass das USDA seinen Schwerpunkt auf Koexistenz und Ernteversicherungen setze, sei unangebracht, meinte Wenonah Hauter, Leiterin von Food & Water Watch. Sie bezog sich damit auf eine AC21-Empfehlung, wonach sich die Probleme der Genkontaminierung durch ein föderales Versicherungssystem lösen ließen, das auch schon bei Naturkatastrophen hafte.

„Das Ministerium muss sich endlich die Schäden vor Augen führen, die den Öko- und herkömmlichen Bauern bereits entstanden sind, und dann die eigentlichen Verursacher – die Biotechnologieindustrie – zur Verantwortung ziehen“, sagte Hauter. „Jetzt kann das USDA nicht länger so tun, als ob es das Problem nicht kenne.“

Obwohl immer mehr Berichte die Kontaminierung bestätigen, beschränkt sich die US-Regierung auf der Grundlage der alten AC21-Empfehlungen darauf, die Farmer zu ‚Good Stewardship‘-Praktiken und zu einem kommunikativen Miteinander zu ermuntern. Doch den Farmern zufolge, die keine GMOs anpflanzen, habe man selbst mehr Zeit und Geld aufwenden müssen, während die Gen-Landwirte sich ihrer Verantwortung entzögen.

Schutzvorkehrungen zu Lasten der herkömmlichen Bauern

Neben regelmäßigen Test- und Zertifizierungsmaßnahmen wird US-Bauern abverlangt, dass sie ihre Felder mit einer Pufferzone zum Schutz vor der Genkontaminierung schützen. Diese Pufferzone ist durchschnittlich zwei Hektar groß. Weil sie nicht bewirtschaftet wird, gehen den Landwirten Einnahmen in Höhe von 2.500 bis 20.000 US-Dollar verloren, rechnet die neue Untersuchung vor.

Andere Bauern wiederum warten mit der Aussaat ab, bis die Gensaaten der Nachbarn bestäubt sind. Auch diese Verzögerung geht für die Betroffenen mit Einbußen in Höhe von mehreren 1.000 Dollar einher.

„Ich bin es einfach satt, so viel Land für die Pufferzone aufzuwenden“, erklärte ein Bauer im Rahmen der Umfrage und beschwerte sich auch über die Unmengen an Herbiziden, die in der Genlandwirtschaft eingesetzt werden. „Wie wäre es, wenn derjenige, der bis zum Gehtnichtmehr um sich sprüht, für die Schäden aufkommt, die er versursacht?“

Holle von OFARM zufolge haben die Kosten, die Bauern aufwenden müssen, um ihre Felder vor einer Genkontaminierung zu schützen, nach eigenen Angaben wirklich überrascht. Trotz dieses offensichtlichen Ungleichgewichts sei es irritierend, dass die US-Regulierungsstellen immer noch nach den alten und überholten Spielregeln verführen.

„In den letzten 50 Jahren wurden viele neue Technologien in die Landwirtschaft eingeführt“, erklärte er. „Dennoch blieben die Landwirte dem Prinzip verhaftet, sich mitverantwortlich für die Höfe der Nachbarn zu fühlen. Die GMOs haben diese nachbarschaftliche Beziehung zerstört. Auch aus diesem Grund brauchen wir völlig neue Spielregeln.“

Auch wenn das USDA viel zu langsam auf die neuen Realitäten reagiert habe, ist Holle zuversichtlich, dass ein Umdenken stattfinden wird.

„Mit der Verlängerung der Zeit für öffentliche Kommentare hat das Ministerium zumindest gezeigt, dass es die ersten Kommentare offenbar ernst nimmt“, sagte er.

GM-Gegenwind

Zum Einfluss der Biotechnologie erklärte Holle, dass sich die Nicht-Genbauern aufgrund der wachsenden Nachfrage der Verbraucher nach genfreien Produkten mehr Gehör verschaffen konnten. Allein im letzten Jahr habe es zahlreiche Versuche der Legislativen auf Länderebene gegeben, GM-Produkte zu kennzeichnen beziehungsweise zu verbieten. Darüber hinaus gebe es Geschäfte, die keine Genprodukte verkauften.

Am 3. März gaben zwei größere US-Handelsketten bekannt, an genmodifizertem Lachs, der derzeit die Regulierungsstellen beschäftigt, nicht interessiert zu sein. Landesweit haben etwa 9.000 Geschäfte mitgeteilt, dass in Kühlregalen kein Genlachs zu finden sein werde.

„Mindestens 35 andere genetisch veränderte Fischarten werden derzeit entwickelt“, warnte die Umweltorganisation ‚Friends of the Earth‘.

„Die Entscheidung der US-Behörden über den Genlachs wird zum Präzedenzfall werden, was die Zulassung aller weiteren genmanipulierten Fisch- und Tierarten für den US-Markt angeht.“

Einer Umfrage aus dem letzten Jahr zufolge wünschten sich 93 Prozent der US-Bürger eine Kennzeichnung von Genprodukten.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Warum kommt schon wieder keine Identifikation der Genverbrecher?

    Wer sind die Hauptaktionäre von Monsanto?

    Namen, Clans, Verflechtungen, bitteschön!

  2. Solange Menschen „fressen“ ohne nachzudenken wird es andere Menschen geben, die dieses ausnutzen. Nicht die wenigen Kriminellen sind unser Problem, sondern die selbstverschuldet dummen Massen.

  3. Ja richtig Eutotanic,es macht kaum noch Sinn gewisse Menschen auf den ernst der Lage aufmerksam zu machen…es interessiert sie nicht die Bohne,sie werden weiterhin bedenkenlos ihren Mcdon in sich hinein fressen