Deutschland erlebt offenbar eine Entwicklung, die viele Beobachter noch vor wenigen Jahren für kaum vorstellbar gehalten hätten: Das Vertrauen in Regierung, Parteien und politische Institutionen befindet sich laut einer aktuellen YouGov-Erhebung auf einem Tiefpunkt. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sich die Ergebnisse zwischen Ost- und Westdeutschland inzwischen nur noch wenig unterscheiden.
Die Stimmung kippt – unabhängig von der Region
Über Jahrzehnte galt die politische Stimmung in Ost und West als unterschiedlich. Die aktuellen Umfragewerte zeichnen jedoch ein anderes Bild. Sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern sehen rund zwei Drittel der Befragten die Demokratie in Gefahr. Ebenso glaubt eine deutliche Mehrheit, dass sich Deutschland insgesamt in die falsche Richtung entwickelt.
Noch deutlicher fällt das Urteil über die Bundesregierung aus. Im Westen sprechen ihr 60 Prozent der Befragten wenig oder gar kein Vertrauen aus, im Osten sind es 70 Prozent. Das Misstrauen gegenüber Parteien und Politikern liegt sogar noch höher.
Auffällig ist der Gegensatz zwischen persönlicher Lebenslage und der Einschätzung des Landes. Während sich viele Menschen mit ihrer eigenen Situation zufrieden zeigen, fällt die Bewertung der allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung deutlich negativer aus. Die Umfrage legt damit nahe, dass sich die Skepsis weniger aus individuellen Problemen speist als aus der Einschätzung, dass Deutschland insgesamt auf einem falschen Kurs sei.
An erster Stelle der Sorgen steht dabei die Absicherung im Alter. Ebenfalls häufig genannt werden steigende Wohnkosten sowie die Sorge vor Kriminalität. Nach Darstellung der Quelle spiegeln diese Ergebnisse wider, welche Themen viele Bürger derzeit als besonders belastend empfinden.
Die Umfrage beschränkt sich nicht auf die Bewertung der Bundesregierung. Sie zeigt auch eine wachsende Skepsis gegenüber den politischen Strukturen insgesamt. Ein erheblicher Teil der Befragten spricht sich für weitreichende Veränderungen des politischen Systems aus. Zudem sehen viele die Meinungsfreiheit als gefährdet an. Auch die Frage nach der politischen Problemlösungskompetenz wurde erhoben. Nach den in der Quelle wiedergegebenen Ergebnissen erreicht die AfD hierbei die höchsten Werte, während mehrere andere Parteien lediglich einstellige Zustimmungswerte erzielen.
Besonders kritisch fällt das Urteil über Politiker insgesamt aus. Eine Mehrheit der Befragten glaubt nach den Angaben der Studie nicht, dass sich Politiker ausreichend um die Interessen der Bevölkerung bemühen. Ebenso sind viele überzeugt, dass zwischen Regierenden und Bürgern nur noch wenig Verbindung besteht. Korruption und Fehlverhalten werden von zahlreichen Teilnehmern als wesentliche Schwächen des politischen Systems genannt.