Beschönigung der US-Folter: ZDF propagiert „harte Verhörmethoden“

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„Folter“ – das ist schon ein hartes Wort mit einer langen Geschichte. Viele verbinden mit dem Begriff eine grausame mittelalterliche Methode Menschen unter Druck zu setzen, um sie dazu zu bringen das zu sagen, was die Peiniger hören wollen. Die Grausamkeit und Brutalität sind Gesamtgesellschaftlich bekannt und vielseits geächtet. Für die Journalisten des ZDF gilt anscheinend deswegen das Prinzip der gezielten Vermeidung. Während mit den neuen Veröffentlichungen immer deutlicher wird: Die Vereinigten Staaten von Amerika foltern in Geheimgefängnissen rund um den Globus, besteht das ZDF auf den Propagandabegriff „verhärtete Verhörmethoden“.

Als die Jury für Sprachwissenschaften aus Darmstadt neben den Begriffen „Lügenpresse“ und „Putin-Versteher“ auch die Formulierung „erweiterte Verhörmethoden“ rügte, „weil diese ein Euphemismus [sein soll], der unmenschliches Handeln, nämlich Folter, legitimier[t]“, dachte sich die Redaktionen in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten wohl, jetzt müsse man eine Schippe drauflegen. Und die sprachliche Reaktion folgte sogleich: künftig sprach man von „harten Verhörmethoden“. So auch in der Nachrichtensendung „heute“ vom 20.01.15 ab Minute 8:00. Doch diese Strategie zieht sich durch mehrere Berichte; Von Tagesschau bis heute-Journal.

Petra Gerster eröffnet den Bericht über einen in Guantanamo Bayle gefolterten Araber, der offenbar schuldfrei ist, mit den Worten: „Das US-Gefangenenlager auf Kuba ist für seine harten Verhörmethoden bekannt“. Doch diese Formulierung, die direkt aus dem US-Folterbericht stammt der kein einziges mal das Wort „toture“ also „Folter“ enthält, hat gewisse Tradition in den ZDF Nachrichten, die wiederum die Meinung eines Millionenpublikums mitbilden. Am 09.12.14 formuliert ebenfalls Gerster in den heute-Nachrichten: „Dabei [dem Folterbericht, Anm. d. Autors] werden die brutalen Verhörmethoden der US-Geheimdienste (…) angeprangert“.

Doch was ist so schlimm an dem Folterbegriff? Folter steht klar, dass es ein Akt staatlicher Barbarei ist, der durch nichts und wieder nichts zu rechtfertigen oder relativieren ist. Wissenschaftlich betrachtet, geht der Begriff per se von einem de facto Verbrechen aus, ohne moralische Grundlage. Eine Annäherung über den Möglichen Nutzen ist also unzulässig. „Brutale-“ oder „harte Verhörmethoden“ gehen grundsätzlich von einem legitimen Akt aus, der nur inhaltlich moralisch falsch war. Die Verhörmethoden wären also – das impliziert zumindest der Begriff – per se nicht abzulehnen, sondern allein durch deren „brutale“ oder „harte“ Ausführung ungerechtfertigt.

Abseits der wissenschaftlichen Analyse macht die gesellschaftliche Belegung des Begriffs deutlich: „Folter“ ist mittelalterlich-barbarisch während „harte Verhörmethoden“ prinzipiell keine unmenschliche Sache seien. Doch die Berichte und Veröffentlichungen rund um Guantanamo machen klar: Es geht hier nicht um Verhörmethoden, Terrorbekämpfung oder einer simplen Aufwand-Nutzen Rechnung einiger Straflager, sondern um einen Missbrauch staatlicher Gewalt auf eine barbarische Art und Weise, die weder mit unserem Grundgesetz, den Menschenrechten noch mit unserem eigenen Wertebild vereinbar ist. Die öffentlich-rechtlichen Staatsmedien vermeiden diese Klarstellung, die über deutliche Formulierungen kommuniziert werden könnte jedoch. Ob das noch eine „erweiterte Programmrichtlinienverletzung“ ist oder schon brutale Propaganda, ist dem Leser überlassen.