in Gesellschaft

In Deutschland wird im September gewählt. Eine große Sache, eigentlich. Immerhin könnten dort – allen staatlichen oder privatwirtschaftlich installierten Lenkungsinstrumenten zum Trotz – plötzlich die Karten völlig neu gemischt werden.

Italien hat gezeigt, dass das im Prinzip geht – man stelle sich das mal in Deutschland vor: auf einmal haben kapitalismuskritische Parteien wie Die Linke 80 % der Wählerstimmen – oder die Piratenpartei kommt auf 95%. Das muss erstmal nicht viel heißen. Das „Establishment“ bereitet sich schon jetzt darauf vor, politische Newcomer einzunorden: Bernd Schloemer traf im Rahmen des elitären „Journalistenclub“ der „Welt“ Henry Kissinger (siehe Heise) – hier wird der Regierungsdirektor der Piratenpartei schon mal an die Leine gelegt. Aber der Wähler könnte doch einfach mal irgendwelche völlig Unbekannten wählen: zum Beispiel Deutschlands direkte Bürgerdemokratie, die mit ihrer Idee einer „Bürgerkammer“ frischen Wind in die verkrustete Demokratie bringen könnte. Denkbar wäre das – allein, wenn man der Meinung ist, dass erst mal irgendetwas anders werden muss, um besser zu werden.

Aber: genug geträumt. Es wird nichts anders werden, es wird auch nichts besser werden. Sieger der Wahl wird der Bankenclan sein (wie wir einfach mal kurz und knapp jene Interessennetzwerke nennen wollen, die mit dem Geld deutscher Steuerzahler ihre berufliche Zukunft in Aufsichtsräten großer Konzerne sicherstellen wollen), wie schon die letzten Jahrzehnte. Nun wollen wir aber hier nicht wieder in Politik- und Wirtschaftsschelte ausbrechen: das hört man überall. Wir wollen uns um den eigentlichen Täter kümmern, um jenen Personenkreis, der seit Jahrzehnten stramm und treu hinter jedem Unfug steht, den die Regierungen verzapfen, jenen Personenkreis, der völlig faktenresistent ist, sich hinter einer naiven Obrigkeitsgläubigkeit versteckt und gerne mit dem Finger auf andere zeigt: der deutschen Mittelschicht.

Erst unlängst hat erschien im Spiegel ein Kommentar von Ulrike Herrmann, die uns die zentrale Denkweise der deutschen Mittelschicht näher bringt:

„Die Mittelschicht überschätzt ihren Status aber auch, weil sie viel Kraft und Aufmerksamkeit darauf verwendet, sich vehement von der Unterschicht abzugrenzen. Nur zu gern pflegt die Mittelschicht das Vorurteil, dass die Armen Schmarotzer seien. So meinen immerhin 57 Prozent der Bundesbürger, dass sich Langzeitarbeitslose „ein schönes Leben auf Kosten der Gesellschaft machen“. Aus dieser Verachtung für die Unterschicht entsteht eine fatale Allianz: Die Mittelschicht wähnt sich an der Seite der Elite, weil sie meint, dass man gemeinsam von perfiden Armen ausgebeutet werde.“

Es sind ja auch ganze Kolonnen von Filmemachern, Schreiberlingen und Kommentatoren, die diese absurde Sichtweise unterstützen. Schauen wir uns doch mal an, was die „perfiden Armen“ wirklich kosten. Die FAZ hat da mal ein paar Zahlen veröffentlicht:

„Dennoch blieben die Hartz-IV-Kosten hoch: 2011 etwa wandte der Bund gut 33 Milliarden auf, die Kommunen für Miet- und Heizkostenzuschüsse außerdem rund 9 Milliarden Euro. Dabei sind die Gesamtkosten auch wegen sinkender Empfängerzahlen jüngst leicht zurückgegangen. Derzeit erhalten weniger als 6,2 Millionen Bürger Hartz-IV-Leistungen, in Spitzenzeiten waren es mehr als 7 Millionen. Fast jeder dritte Euro aus dem Hartz-IV-System wird dafür ausgegeben, niedrige Löhne auf ein Mindestniveau anzuheben. Die Ausgaben für die „Aufstocker“ sind seit 2005 kontinuierlich gestiegen.“

Oh – was ist das? Lese ich da richtig: von 42 Milliarden Euro werden 14 Milliarden zur Subvention von Löhnen gezahlt? Wirklich perfide, diese Armen. Die kosten sogar, wenn sie arbeiten gehen!

Ganz anders da die deutsche Wirtschaft. Allein die großen Konzerne haben 92 Milliarden Euro am Fiskus vorbeigeschleust (siehe Spiegel) – absichtlich und mit einem großen Ausmaß an krimineller Energie versehen. 21% Steuern werden dort noch auf Gewinne gezahlt – ein Witz um Vergleich zu der Steuerbelastung, die der deutsche Mittelstand trägt.

Die Zeit hat hier die Kritik der OECD am deutschen Steuersystem  noch einmal verdeutlicht:

„Laut OECD-Studie zwackt der Staat bei einem alleinstehenden Geringverdiener derzeit 47,3 Prozent des Einkommens für Steuern und Sozialabgaben ab. Nur in Belgien sei die Belastung noch höher. Bei Besserverdienern sinke die Belastung ab einer gewissen Einkommensgrenze dagegen wieder, schreiben die Autoren. Während ein Single mit 63.000 Euro Jahreseinkommen in Deutschland die höchsten Abzüge hat (53,7 Prozent), zahle ein Single mit 110.000 Euro Jahreseinkommen „nur“ noch 50 Prozent für Steuern und Sozialabgaben.“

Ja, es sind die geretteten Banken und die durch Hartz IV subventionierten Großkonzerne, die auf ihre Gewinne nur 21 % Steuern zahlen, während sie andererseits großzügig zugreifen, wenn es um Hilfen durch den Steuerzahler geht. Da entgeht dem Staat viel Geld:

„Wenn Deutschland Unternehmen und Vermögen auf dem Niveau des OECD-Durchschnitts besteuern würde, kämen 75 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse.“

75 Milliarden Euro – damit könnten wir die Arbeitslosenhilfen verdoppeln und uns somit locker aus jeder Krise herausarbeiten. Arbeitslosenhilfe verdoppeln? Da rumort es deutlich hörbar in der deutschen Mittelschicht – dabei sind es Nobelpreisträger für Wirtschaft, die auf einen interessanten Nebenaspekt hinweisen, der in deutschen Medien gar nicht mehr diskutiert wird: wenn ein Staat schon Geld in die Wirtschaft pumpt, dann bitte in die Arbeitslosen. Dort hat es den höchsten Grad an Wertschöpfung (aus: Stieglitz, Im freien Fall, Siedler Verlag München 2010, Seite 95).

„Ausgaben haben nicht alle denselben Multiplikator: die Ausgaben für ausländische Auftragnehmer, die im Irak arbeiten, haben einen niedrigen Multiplikator, weil ein Großteil ihres Konsums außerhalb der Vereinigten Staaten stattfindet; das gilt auch für Steuersenkungen für Vermögende – die einen Großteil dessen, was sie mehr bekommen, sparen. Ein erhöhtes Arbeitslosengeld hingegen hat einen hohen Multiplikator, weil diejenigen, die plötzlich empfindliche Einkommenseinbußen erleiden, fast jeden Dollar ausgeben, den sie erhalten.“

Der volkswirtschaftliche Multiplikator für Arbeitslosengeld liegt bei 1,6. Das heißt: für einen Euro Arbeitslosengeld erhalten wir eine Steigerung des BIP von 1,60 Euro. Für einen Euro Bankenrettung erhalten wir … eine Rechnung über weitere Euro.

Natürlich wird die deutsche Mittelschicht dabei nicht mitmachen. Wäre ja noch schöner, wenn die Arbeitslosen sich ein schönes Leben auf Kosten der eingebildeten Mittelschicht machen würden – auch wenn die Rettung von arbeitspolitisch entsorgten Mitmenschen die höchste „Rendite“ aller staatlichen Investitionen einfahren würde.

Immerhin hat die deutsche Mittelschicht eigene Probleme – und die liegen darin begründet, dass sie in Wirklichkeit bettelarm ist – es aber nicht wahrhaben will. Das Karlsruher Institut für Wirtschaftsforschung hat hier mal eine interessante Vergleichsrechnung aufgemacht. Sie beurteilt nicht Einkommen, sondern Kaufkraft, die sich aus dem Verhältnis der vorhandenen Gesamtgeldmenge im Vergleich mit der dem Individuum zur Verfügung stehenden Geldmenge ergibt.

So hat der „Testverdiener“ Anton M. mit 1400 Euro Netto im Monat  einen durchschnittlichen Geldbesitz von 473, 73 Euro.

Die statistisch mittlere Kaufkraft pro Haushalt, die als Maßstab für „Mittelschichtsberechnung“ herhalten kann, beträgt (orientiert an Geldmenge M 1): 31 555 Euro.

Was heißt das auf Deutsch?

Wer sich im Sinne seiner Kaufkraft in Deutschland zur Mittelschicht zählen will, sollte schon über ein monatliches Bruttoeinkommen von 93397 Euro verfügen.

Wird jetzt verständlich, warum Mittelschicht in Deutschland nach Einkommen definiert wird – und nicht nach realer Kaufkraft im Vergleiche zur vorhandenen Geldmenge?

Zur Mittelschicht zählt die Politik in Deutschland schon Alleinstehende mit einem Monatseinkommen von 1000 Euro. So rechnet man sich die Welt schön.

Nun werden geneigte Leser sagen: das kann doch alles nicht sein!

Die deutsche Mittelschicht, Motor der Weltwirtschaft, Wunder an Stabilität: die kann doch nicht so schlecht dastehen, wie es die Zahlentricks der Karlsruher darstellen!

Nun – für die Zweifler habe ich noch andere Zahlenspielereien, die ich am Wochenende mal nebenbei mit den Arbeitslosenzahlen vorgenommen habe. Sortiert man konsequent (bei allerdings immer unsicherer Datenlage) alle „Schrottarbeit“ (Teilzeit, Geringverdiener, Aufstocker, befristete Verträge uvm.) aus dem Arbeitssegment heraus, lässt sich für die Bundesrepublik Deutschland eine reale Arbeitslosigkeit von 61% errechnen.

Zu hoch – es gibt wieder Protest aus der Mittelschicht?

Gut, gehen wir zu Statista und schauen uns die Zahl der unbefristeten Vollzeitjobs an (von denen einige auch Geringverdienern gehören, nebenbei bemerkt).

Die Zahl dieser Jobs sank von 45 % im Jahre 1992 auf 37 % im Jahre 2006.

Kein Traum, sondern Fakten: jener Arbeitsart, auf die unser Sozialsystem, unsere Staatsfinanzierung und unsere Familienversorgung beruht, ist nur noch für ein Drittel der Bevölkerung normal. 63% werden als arbeitend definiert, haben aber etwas anderes.  Leicht könnte man sagen: im Prinzip sind sie arbeitslos.

Wer jetzt noch glaubt, dass das alles nicht wahr sein kann, weil der deutsche Mittelstand einfach toll ist, der schaue sich die aktuelle Zahl steuerzahlender Haushalte in Deutschland an: (aus Kluge, Unliebsame Wahrheiten, Redline 2013, Seite 75): von 47 Millionen Haushalten in Deutschland zahlen 23,5 Millionen KEINE Steuern. Sie haben ein Jahreseinkommen unter 8004 Euro.

Das sind fünfzig Prozent!

Warum sieht man diesen Horror noch nicht auf den Straßen?

Eine Privatverschuldung von 1,57 Billionen Euro macht es möglich (siehe Spiegel). Die deutsche Mittelschicht pumpt sich ihre Statussymbole zusammen, was zu ersten Anzeichen einer Immobilienblase führt, wie wir sie aus Spanien, den USA oder Irland kennen (siehe Wiwo).

Man merkt wohl, warum die deutsche Kanzlerin regelmäßig die Presse einlädt, „wohlwollend“ über die Krise zu berichten. Wer anderes hören will, der muss zum Goetheinstitut, jenem privaten Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, umfassend und aktuell über die Situation in Deutschland zu berichten. Dort finden wir  – für das geneigte ausländische Publikum – ein Interview mit dem Soziologen Dr. Berthold Vogel, der über die Zukunftsaussichten der schon jetzt hoch verschuldeten deutschen Mittelschicht spricht:

„Die Mitte wird in Zukunft ungleicher sein. Die Konflikte in der Mitte um Status und Wohlstand werden an Schärfe gewinnen. Wer kann sich behaupten, wer bleibt in den Verteilungskämpfen zurück? Der Ton wird rauer. Zugleich ist das gut so. Denn das Wirtschafts- und Wachstumsmodell, von dem die Mitte heute profitiert, ist nicht tragfähig. Weder fiskalisch, noch ökologisch.“

Das sagt ein Mann, der zwar die Begrenztheit der Aussagekraft von „Einkommensstatistiken“ kennt, aber trotzdem noch von „solidem deutschen Wohlstand“ spricht, aus dem allerdings nach einer im Interview zitierten Studie von McKinsey noch einmal 10 Millionen Menschen bis 2020 herausfallen werden – in den nächsten sieben Jahren also.

Wie wir sehen, ist das auch gut so. Weder wirtschaftlich noch ökologisch können wir uns diese Schicht noch leisten. Und wenn wir uns das Wahlverhalten der Mittelschicht ansehen, die mit über 90 % jene Parteien wählen, die ihnen die Suppe eingebrockt haben, dann müssen wir zu dem Ergebnis kommen, dass wir uns diese Leute auch politisch nicht mehr leisten können.

So sehen das auch die staatstragenden Parteien, die jetzt erst mal 30 neue Sicherungskompanien aufgestellt haben (siehe Bundestag), die – neben dem zusätzlichen Schutz vor Naturkatastrophen oder „besonders schweren Unfällen“ – vor allem eins tun sollen:

„Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand des Bundes oder der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“

Das wird wohl dann der Fall sein, wenn die zehn Millionen, die in Zukunft zusätzlich aus dem System fallen, ihre Kredite für Haus, Urlaub und SUV nicht mehr bedienen können – und wir unsere eigene, hausgemachte „Subprime-Krise“ haben.

Oder wenn die deutsche Mittelschicht auf einmal Verantwortung für sich selbst und ihre Zukunft übernimmt anstatt sie gedankenlos nach Berlin abzugeben. Man könnte ja einfach mal einen Bundestag aus Bibeltreuen Christen, Familienpartei, den Violetten und der NEIN-Idee wählen: schon würde in Deutschland einiges anders werden.

Aber wahrscheinlicher ist, dass diese Mittelschicht nur noch mehr Energie darauf verwendet, sich vom Prekariat (genau genommen der Mittelschicht von gestern und vorgestern) abzugrenzen und sich so ihr eigenes Grab schaufelt.

Währenddessen üben sich die Superreichen immer mehr in Zurückhaltung und Philanthrophie (siehe Handelsblatt) und retten so eine Kaste, die sich nun deutlich humaner und verantwortungsbewußter zeigt als die reichtumsorientierte aber völlig über ihre Verhältnisse lebende deutsche Mittelschicht.

Gleichzeitig sichern sie sich so die Hilfe des Prekariats bei der zukünftig wirtschaftlich und ökologisch notwendig werdenden Zerstörung der Mittelschicht.

Schon clever, die Reichen.

Ganz anders als … die deutsche Mittelschicht.

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Kommentar

46 Kommentare

  1. Unfassbar guter Artikel. Das Schlimmste, alles stimmt.
    Das Teile und Herrsche funktioniert bei den Deutschen sicher am Besten. Mich persönlich baut die Gewissheit immer wieder auf, dass sehr sehr viele (siehe Artikel) die heute auf die faulen H4-Parasiten schimpfen, in nicht so ferner Zukunft selbst dazugehören werden. Am meistens gönne ich es den neoliberalen … von der gelbe Seuche.

    Und ja, dann kommt wieder der Deutsche durch, es werden diese Sicherungskompanien benötigt, damit nicht alle, die nun endlich erwacht, alles und jeden kurz und klein schlagen. Wer ist dann eigentlich Schuld, die H4-Parasiten können es ja nicht mehr sein, man gehört ja mittlerweile selbst dazu?

    • Die Mittelschicht wird immer durch die massenhafte, leistungslose Geldvermehrung, durch das Sinken des Wertes Arbeit zerstört, wenn ich das richtig mitbekommen habe.
      Die ist dann nicht mehr in der Lage durch Steigerung ihrer qualifizierten Arbeit ausgleich für den Raubzug der privaten Zentralbanken zu finden. Meist rauben die privaten Zentralbanken auch noch die Bevölkerung über eine Währungsreform aus, damit das Spiel mit dem Hamsterrad und den virtuellen Möhren wieder beginnen kann. Diese Sklavensysteme sind sehr durchschaubar.
      Die echten Parasiten sind die, die das Geld aus dem Nichts schaffen und dafür die Völker plündern und Kriege organisieren. Die privaten Zentralbanken wurden in der Geschichte extra für die Finanzierung der…

  2. Hallo Karl … bei so einem Lob werde ich echt noch ganz rot. Die Leute schimpfen meines Erachtens auf die „Parasiten“, weil sie spüren, dass sie bald dazu gehören – und Angst davor haben. Zurecht: der Arbeitslose in Deutschland ist ein vogelfreier Mensch – in meinen Augen der größte Skandal der BRD-Geschichte.

    • „vogelfrei“ genau das ist der richtige Ausdruck der mir auch schon oft in diesem Zusammenhang in den Sinn kam, treffender und zugleich schändlicher für diesen Staat, kann man es gar nicht beschreiben. Oder eben => „– in meinen Augen der größte Skandal der BRD-Geschichte.“

  3. ich finde diesen Artikel auch sehr gut! Auch wird hier deutlich, ab wann man wirklich zur Mittelschicht gehört und wo eigentlich der fallende Ast liegt!

    Ich finde es auch schön, dass du die Lage mit den Aufstockern schilderst und dort beschreibst, dass einige Menschen trotz Arbeit keine anständige Bezahlung bekommen und vom Staat zwangsweise leben müssen

    Nach meiner Ansicht müssen die Löhne schon seit Jahren überall steigen, wenn man gegen die Inflation entgegenwirken möchte und die Ausbeutung von menschliche Arbeitskraft kann nur politisch bekämpft werden. Denn wenn es immer ein Weg für den Arbeitgeber gibt, seine Mitarbeiter zu auszubeuten (sie ARD über z.B. Aldi), dann muss eben ein Mindestlohn für solche Branchen eingeführt…

    • Ja, im Land der bettelarmen ist der Besitzer des Pfennigs schon Mittelschicht. Sieht man aber, was möglich sein müßte, wenn man die Tauschmittel nach Kaufkraft berechnet … dann ist Deutschland ein armes Land und seine klägliche Mittelschicht besteht aus armen Würstchen.

    • Der Steuerhinterzieher ist es nicht. Der möchte behalten was ihm gehört der Sozialhilfebetrüger will etwas bekommen was ihm nicht zusteht. Was hat der Sozialhilfebetrüger geleistet? Was der Steuerhinterzieher. Offensichtlich hat der eine was geschafft, der andere will sich „nur“ aushalten lassen.

    • Um ganz ehrlich zu sein: beide. Moralisch kann man das differenzierter sehen: der eine handelt aus Not, der andere aus Bosheit. Wer aber schädlich und tödlich für den „Wirt“ ist, ergibt sich allein aus den Summen.

  4. „Wir werden also, bei sonst gleichen Verhältnissen, jenes Land als auf der höheren Stufe volkswirtschaftlicher Entwicklung stehend zu bezeichnen haben, in welchem der Mittelstand am meisten vertreten ist. Wo aber der Mittelstand sich in fortschreitender Auflösung befindet, dort haben wir eine direkt dem Verderben entgegenreifende Entwicklung vor uns, und zwar umso sicherer, je größer der Reichtum ist, welcher diesen Auflösungsprozess des Mittelstandes begleitet.“

    Dr. Gustav Ruhland, 1895

    Manche Dinge werden immer wieder „vergessen“; insbesondere die Zinsumverteilung, die bisher jede Volkswirtschaft zerstörte.

    Der Zins – Mythos und…

  5. Einen Trost hält die Studie für die deutsche Mittelschicht aber bereit: Im europäischen Vergleich stehe sie gut da. Während in Deutschland nur 18 Prozent der Mittelschicht-Haushalte Probleme hätten, mit dem Monatseinkommen auszukommen, seien es in Frankreich 65 Prozent und in Italien sogar 78 Prozent.

  6. auf die gefahr hin, verbale pruegel zu beziehen, aber das muss sein.
    ich war 4 monate in chile und argentinien. die dortige mittelschicht lebt teilweise aermlicher als hier die h4-empfaenger. die menschen sind aber deutlich zufriedener, grosszuegiger und gluecklicher. teilen das wenige, was sie habem sogar und …
    … jammern nicht in einer tour. der selbstwert vieler die ich kennenlernen durfte, definiert sich halt nicht an statussymbolen … wie das in deutschland der fall ist. da haben werte wie menschlichkeit, freunschaft, gastfreundschaft einen viel hoeheren stellenwert.

    hier muss niemand hungern und wird in allen grundbeduerfnissen unterstuetzt.
    von deutschland als armen land zu sprechen … ist aus meiner sicht voellig…

    • Versuchen Sie doch mal selbst, ein Jahr lang von 370 Euro monatlich plus Miete zu leben. Wenn Sie es schaffen, dürfen Sie Ihre Kritik gerne wiederholen. So aber ist sie einfach nur weltfremd und unfair.

      • ich habe als studentin 6 jahre ohne geld von zuhause und ohne bafoeg oder andere zuschuesse leben duerfen. mit verschiedenen jobs alles selbst finanziert. da war am 20ten des monats oft kein geld mehr fuer den aufschnitt da. ich denke, ich weiss genau, was es heisst, mit sehr wenig geld auskommen zu muessen. und meine erfahrung aus suedamerika ist realitaet, also definitiv nicht weltfremd.

        • Nun – wie schön wäre es, wenn der reale Kaufkraftreichtum dieses Landes dafür eingesetzt würde, Studenten ein belastungsfreies Studium zu finanzieren – oder Elend in Südamerika zu lindern. Ich persönlich schätze es – aus rein ökologischen Gründen – sehr, wenn man mit geringer Ressourcenvergeudung arbeitet. Ungesund für alle wird, wenn Armut zum gesellschaftlichen Standard erklärt wird – das hilft niemandem, senkt aber das Niveau immer weiter.

    • Hallo Andrea. Die Perspektive ist sicherlich nicht falsch – aber nicht die einzig mögliche und eine sehr wertvolle. Glück ist nicht von Geld abhängig – aber viel von Menschlichkeit. Allerdings sollte man das Problem der Verteilungsgerechtigkeit nicht mit persönlichem Glück wegreden – da macht man anderen Vorschriften, die die Gesamtwirtschaft nicht weiter bringen.

      • da gebe ich dir voellig recht. die alternative: ein zinsfreies finanzsystem, fliessendes geld mit umlaufimpuls und ein bedingungsloses grundeinkommen.

        mir ging es nur darum, darauf hinzuweisen, dass kaufkraft und lebensqualitaet nicht voneinander abhaengig sind. in einer gesellschaft wie unserer zuvielisation gilt ja schon als ‚arm‘, wer nicht das neueste handy hat, bzw regelmaessig auf urlaub faehrt. dass es h4-empfaengern besch… geht, steht nicht in abrede. aber bei unserer konsumorientierung sind wichtige werte leider etwas verkuemmert.

        • Da stimme ich Dir voll zu. Hier verkümmern menschliche Werte in großem Stil – und das ist so gewollt. Frank Schirrmacher hat in seinem Buch EGO-Spiel des Lebens darauf hingewiesen. Ich sehe aber nicht die Lösung der Problematik darin, das Versorgungsniveau westlicher Armer auf das von Eritrea zurückzufahren … wie es viele gerne hätten. Aber Deine Alternativen hast Du ja schon genannt – es wären auch meine.

          • vieles, was passiert, ist ’so gewollt‘. und jeder einzelne sollte m.e. die situation aendern, die man gerade aendern kann. derzeit bin ich nicht in der lage, fliessendes geld zu nutzen. aber ich kann MEINEN umgang mit anderen menschen aendern. oder mein eigenes konsumverhalten, oder oder oder. das sind konkrete alternativen, die JEDER sofort umsetzen kann. das veraendert mittellfristig auch das system. von unten. so zumindest meine ueberzeugung

  7. Die Mittelschicht wird durch die Steuern zerstört. Die Hauptursache für die Notwendigkeit von Steuern ist die Tatsache, dass der Staat nicht selbst Geld schöpft und dieses in das Staatswesen investiert. Würde er das machen, hätte er keine Schulden und niemand müsste Steuern zahlen. Soweit die Theorie.
    Da der Staat aber das Monopol der Geldschöpfung an die Privatbanken abgegeben hat, muss er sich Geld vorerst von den Banken leihen. Diese schöpfen das Geld aus Luft und leihen es mit Zinseszins weiter. Der Zinseszins, welcher vom Steuerzahler bezahlt werden muss, bewirkt eine Exponentialfunktion der Schulden, sodass eine Tilgung unmöglich wird. Daher spricht man auch von Zinsknechtschaft.
    Dieses System ist NICHT alternativlos, wird aber…

  8. Mittelschicht:Vor allem Beamte,Meister,Bauern,Unternehmer gut bezahlte Angestellte.
    Die meisten werden bemerkt haben dass sie eigentlich direkt oder indirekt von der Unterschicht leben.Und solange die Unterschicht noch konsumieren kann werden sie auch noch gut leben können.Aber WEHE die Unterschicht bekommt keine Aufstockungen und Sozialleistungen mehr!!!
    Die Sozialleistungen sind momentan aus Schulden finanziert
    da die Unterschicht keine Jobs mehr hat wegen Outsourcing
    ,Zeitarbeit und Subfirmen aus dem Ausland.Aber ein System dass auf Schulden basiert wird früher oder später zusammenbrechen und somit wird auch die Mittelschicht betroffen sein!
    Unser Markt ist völlig aus dem Ruder wegen den offenen Grenzen und Zeitarbeitslohndumping!

    • Bei dem Begriff Beamte, wäre ich in DEUTSCH vorsichtig. Selbst Richter haben nur einen Dienstausweis, was darauf hinweist, dass sie weisungsbebunden sind. Ich würde mal nach den zwei Gesetzesbereinigungsgesetzen nach 2005 googlen.

  9. Und jetzt Finger hoch wer sich zur Mittelschicht wähnt ;)

    Eine bundesweite Umfrage wäre sicherlich sehr aufschlussreich. Die schnörkellose Frage könnte lauten „Zählen Sie sich zur Mittelschicht?“. Nur ein Ja oder Nein als Antwort möglich.

  10. …sehr schoener charakterisierender Artikel, vor allem wurde hier mal nicht Mittelschicht und Mittelstand verwechselt oder in einen Topf geworfen.
    Und genau aus dem, in diesem Beitrag gezeichneten Bild der Mittelschicht, halte ich selbige fuer deutlich verachtenswerter als die ein Prozent „Elite“ – vulgo Ausbeuter und Sklavenhalter
    auf dieser Welt.

    • Nun – politisch gesehen ist die Mittelschicht halt wirklich ziemlich blöde: gräbt sich selbst das Wasser ab und freut sich dabei wie Bolle. Na ja – aber das „eine Prozent“ hat halt auch ein wenig daran gedreht, oder?

      • …natuerlich hat das eine Prozent massive Propaganda betrieben – respektive betreibt sie weiterhin, aber das heisst ja nicht das man auf die Maerchenstunde reinfallen muss oder vielleicht sogar aktiv reinfallen will?

  11. Schöner Artikel, allerdings habe ich ein Problem an einer Stelle und zwar da, wo es um Zahlen geht:

    So hat der “Testverdiener” Anton M. mit 1400 Euro Netto im Monat einen durchschnittlichen Geldbesitz von 473, 73 Euro.

    Die statistisch mittlere Kaufkraft pro Haushalt, die als Maßstab für “Mittelschichtsberechnung” herhalten kann, beträgt (orientiert an Geldmenge M 1): 31 555 Euro.

    Was heißt das auf Deutsch?

    Wer sich im Sinne seiner Kaufkraft in Deutschland zur Mittelschicht zählen will, sollte schon über ein monatliches Bruttoeinkommen von 93397 Euro verfügen.“

    Woher kommen diese Zahlen und wie hängen Sie zusammen? Das erschließt sich mir leider überhaupt nicht.

    Danke für die Aufklärung!

  12. @ debil: einfach mal den Link überhalb des Statements studieren… ; )

    Ansonsten ein toller Artikel, gut recherchiert und (vor
    allem anderen) mit aktuellen Links hinterlegt!

    Löblich, weiter so! ; )

  13. Oberschicht – Mittelschicht – Unterschicht

    Ein großes Lob zu diesem Artikel.

    Meiner Meinung nach kann man aber jede Klasse – blödes Wort – auch noch in einzelnen Herachien einteilen.
    Z.B. die Mittelschicht!
    Auch da gibt es die drei Klasseneinteilung. Die unterste Mittelschicht rutsch gerade in die oberste Unterschicht ab und so weiter.
    Irgendwann hat sich alles nach unten verschoben und schon kann die Regierung sagen:
    Ab 1000 Euro bist du reich, wir brauchen kein Mindestlohn.
    Die Denke der Menschen in diesen neuen Herachien werden allerdings bleiben.
    „Ich bin besser als du“, wird es dann immer noch heißen.
    Der Mensch brauch das, auch in der Unterschicht gibt es solch ein denken.
    Die Politik reicht uns durch und wir wählen…

  14. Ich habe ein Problem mit den Bruttojahreseinkommen, denn die spiegeln nicht einmal ansatzweise die Leistung des jeweiligen Steuerzahlers wider! Ich persönlich komme bei einer 60 bis 80 Stundenwoche auf ein ordentliches Bruttojahreseinkommen, mein Stundenlohn ist verglichen mit dem ein oder anderen 35 Wochenstunden Arbeitnehmer jedoch deutlich geringer. Meine Freizeit auch. Was soll daran also „sozial gerecht“ sein, wenn ich noch mehr Steuern zahlen soll als der weniger Arbeitende mit höherem Stundenlohn?!

  15. Mittelschicht, Unterschicht.. hauptsache Italien! Komisch ist wie wir alles aufteilen um uns ja zu trennen. Um als Bürger handlungsfähig zu werden müssen wir uns zusammentun, egal ob Arbeitslos, Ingenieur, schwarz oder weiß.. wir müssen unser eigenes Geld drucken und mal das jetzige politische und wirtschaftliche System überdenken. Was ist mit der Trennung von Arbeit und Einkommen. Was ist mit unserem Konsum? Was ist mit unserem Vertändnis für das Leben? Ich verstehe nicht warum wir das Ding zwischen unseren Ohren nicht nutzen. Irgendwie mag das für viele wohl unvorstellbar und zu groß bzw. zu abstrakt sein..

  16. Die eingebildete Mittelschicht wird vom Bettler arm und von der Bank nicht reich.
    Bestes Beispiel: Uli Höhneß. Der wird gefeiert wie ein Rockstar und dem Sozialfalle nebenan gönnt man noch nicht einmal die Margarine auf dem Brote (geschweige die Butter).

  17. SO Alles was ihr sagt ist super.ihr seit so wie ich.schreiben kann ich auch wen ich es will.kann mal einer oder wir oder alle was machen das was kommt.wird keinen schmecken wir haben bald ein krieg !