Über Rohstoffe in der Antarktis und ihre mögliche Nutzung wird öffentlich wenig gesprochen. Dabei ist die Antarktis geologisch alles andere als leer und uninteressant. Rund 90 Prozent des Kontinents sind von Eis bedeckt, im Durchschnitt ist die Eisschicht etwa 2,2 Kilometer dick. Darunter hat die Forschung per Radar und Satellit ein Relief kartiert, das viele überrascht hat: das Gamburzew-Gebirge, etwa 1.200 Kilometer lang und so groß wie die Alpen, rund 400 Seen unter dem Eis, darunter der Wostoksee, sowie das Transantarktische Gebirge, dessen Gipfel aus dem Eis ragen.
An den eisfreien Rändern kennt man bereits geologisch interessante und prinzipiell auch abbaubare Lagerstätten. Im Transantarktischen Gebirge gibt es Kohle, in den Prince-Charles-Bergen der Ostantarktis Eisenerz. Im Dufek-Massiv vermuten die Geologen Platingruppenmetalle und Chrom, ähnlich wie im südafrikanischen Bushveld-Komplex.
Es gibt außerdem Hinweise auf Kimberlite, die auf Diamanten deuten könnten. Öl und Gas werden in den Schelfmeeren vermutet. Aufgrund der Datenarmut und dem Verbot einer geologischen Exploration gehen die Schätzungen über den Umfang der Ressourcen weit auseinander: Eine häufig zitierte Studie nennt rund 36 Milliarden Barrel Öläquivalent, Russland spricht dagegen von rund 500 Milliarden Barrel, eine Schätzung, für die es allerdings keine belastbare Grundlage gibt.
Die Wahrheit, die derzeit alle akzeptieren müssen, ist: Man weiß es einfach nicht bzw. nicht genau. Das Eis verdeckt das meiste Gestein und das Explorationsverbot verhindert, dass sich daran kurzfristig etwas ändert.
Die Zukunft: Das Verbot bleibt
Oft ist zu lesen, das Verbot laufe im Jahr 2048 aus. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Ab 2048 kann jede Konsultativpartei lediglich eine Überprüfungskonferenz beantragen. Änderungen am Protokoll benötigen jedoch die Zustimmung von drei Vierteln der Vertragsparteien, darunter die aller Konsultativparteien von 1991.
Und selbst wenn das Verbot fallen würde, dürfte erst gefördert werden, wenn ein umfassendes, verbindliches Regelwerk für den Bergbau in Kraft ist. Wer eigenständig aus dem Vertragssystem aussteigt, um dort doch zu fördern, riskiert eine massive politische Isolation. Damit sind die politischen Kosten für einen derartigen Alleingang so hoch, dass sie die wirtschaftlichen Vorteile vermutlich sehr schnell überdecken wird.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Wirtschaftlichkeit des Bergbaus ohnehin eine große Herausforderung darstellen wird. Eis, Stürme, die riesige Entfernungen und die großen Wassertiefen machen eine Förderung gefährlich und teuer. Für Öl und Gas vor der Küste bräuchte es eine neue Generation schwimmender Anlagen und bei der Kohle lohnt sich nach heutigem Stand eine Entwicklung kaum.
Die politischen Spannungen zeigen sich daher bereits an den Nebenschauplätzen: Russlands staatliche Explorationsfirma Rosgeo führte in der Vergangenheit seismische Untersuchungen durch, die die USA umgehend sanktioniert haben. Auf der Gegenseite blockieren China und Russland gemeinsam Schutzvorschläge zum Fang von Krill. Eine offene Rohstoffförderung ist daraus bislang nicht geworden.
Die Prognose lautet deshalb: Zuerst der Norden
Daraus lässt sich eine nüchterne Einschätzung ableiten: Die Welt wird sich bei der Rohstoffsuche zwangsläufig zuerst auf die Arktis konzentrieren. Die Gründe liegen auf der Hand. Die arktischen Vorkommen liegen überwiegend in flachem Wasser, meist in Tiefen von unter 500 Metern und zu einem großen Teil in den Hoheitsgebieten der Anrainerstaaten.
Dort gelten klare nationale Regeln und es gibt Lizenzen, Verträge und eine hohe Rechtssicherheit. Die Absatzmärkte auf der Nordhalbkugel sind wesentlich näher und eine gewisse Infrastruktur, auf der man aufbauen kann, ist vorhanden. Dort, wo das Eis zurückgeht öffnen sich zudem neue Seewege und ein leichterer Zugang.
Der Abbau in der Arktis ist ebenfalls teuer, aber im Vergleich zur Antarktis deutlich günstiger und zusätzlich rechtlich gesichert. Auch im Norden bleiben vorhandenen Hürden bestehen, etwa die Sanktionen gegen Russland, die Eisbedingungen und die hohen Kosten für Häfen, Straßen und eine Verbesserung der Infrastruktur. Doch diese Hürden sind überwindbar, was für die Antarktis bis auf weiteres nicht gilt.
Der sechste Kontinent bleibt damit eine langfristige Reserve. Für die kommenden Jahrzehnte dürfte er ein Ort der Forschung und der diplomatischen Machtspiele sein, aber nicht der Förderung. Interessant wird es frühestens in den Jahren nach 2048, wenn sich zeigt, ob die Vertragsparteien an ihrem Kurs festhalten. Bis dahin vollzieht und entscheidet sich der Rohstoffwettlauf im hohen Norden.