In vielen Ländern verschärft sich aktuell die Situation. Die Schulden haben extreme Höhen erreicht, ihre Bedienung ist teuer und die Zinslasten stellen innerhalb der Staatshaushalte Posten dar, die eine schwindelerregende Größe erreicht haben. So geben die USA inzwischen mit jährlich 1,2 Billionen US-Dollar mehr Geld für ihre Zinsverpflichtungen aus als für ihr Militär.
Zwar hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, den Militärhaushalt kräftig erhöhen zu wollen, doch möglich ist die nur dann, wenn zusätzlich zu den bestehenden 38 Billionen US-Dollar im großen Stil weitere Schulden aufgenommen werden. Damit drohen bereits erdrückende Zinslasten in Zukunft noch höher zu werden. In Europa ist die Läge ähnlich. Auch hier soll massiv aufgerüstet werden, während Abstriche an den Sozialausgaben derzeit nicht zur Debatte stehen.
Japan quält sich ebenfalls mit einer kaum mehr zu tragenden Schuldenlast, die sich auf etwa 235 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beläuft. Um diese Zinslast bedienen zu können, müssen bereits jetzt 1,8 Prozent des Japanischen Bruttoinlandsprodukts aufgewendet werden. Die Zinskosten liegen damit höher als die durchschnittliche Wachstumsrate des Landes, die im Fall von Japan in den letzten Jahren durchschnittlich bei etwa einem Prozent lag.
Immer mehr Investoren drängen zum Ausgang
Japan ist vielleicht das extremste Beispiel innerhalb der westlichen Welt. Allein sind die Japaner an dieser Stelle jedoch nicht. Auch Frankreich, Italien und Deutschland als die großen Volkswirtschaften der Eurozone leiden zunehmend unter ihren kaum mehr tragbaren Zinskosten. Auch wenn die Europäische Zentralbank den „Schuldendienst“ mit niedrigeren Zinsen noch eine Weile fördert, so ist die Staatsfinanzierung doch längst zu einem Ponzi-System verkommen, benannt nach dem bekannten Betrüger Charles Ponzi (1882–1949), der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA sein Unwesen trieb und gutgläubige Anleger mit einem Schneeballsystem um Millionen betrog.
Obwohl die Situation freundlich formuliert ziemlich verfahren ist, sind die Kreditzinsen, die die großen Schuldnerländer bezahlen müssen, immer noch vergleichsweise niedrig. Noch spekulieren die Finanzmärkte nicht gegen die Notenbanken, von denen sie erwarten, dass sie die Zinsen auch weiterhin künstlich niedrig halten werden. Diesem Risiko will sich an den Anleihemärkten niemand aussetzen. Es ist wie beim beliebten Kinderspiel „die Reise nach Jerusalem“ bzw. im Bordrestaurant der Titanic: Alle machen mit, solange die Musik noch spielt.
Dennoch: Es gibt Warnsignale und diese senden vor allem die Edelmetallmärkte, allen voran das Gold. Die Anleger wissen, dass Gold, Silber, Platin und Palladium Werte an und für sich darstellen. Sie haben kein Gegenparteirisiko und damit keinen Forderungscharakter. Deshalb können sie nicht ausfallen. Auf der anderen Seite sind mit ihnen keine Zinsen oder Dividenden zu verdienen. Trotzdem wurden sie in den letzten Monaten vermehrt gekauft, weil immer mehr Anlegern bewusst wird, dass harte, unzerstörbare Werte gefragt sind, wenn die nächste Inflationswelle über uns hereinbrechen wird.