I den westlichen Ländern ist schon seit Jahren ein Prozess zu beobachten, der die Reichen immer reicher werden lässt, während gleichzeitig die Armen zunehmend an Bedeutung verlieren. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in den USA. Aber auch in Europa ist diese Tendenz nicht zu übersehen. Das wird langfristig nicht ohne Folgen bleiben, weil die Geschichte gezeigt hat, dass homogene Gesellschaften wesentlich stabiler und ärmer an Konflikten sind als Gesellschaften, die von großen Differenzen – auch wirtschaftlichen oder finanziellen – gekennzeichnet sind.
In den USA, wo diese Entwicklung besonders ausgeprägt ist, sind die unteren 80 Prozent aller Einkommensbezieher mittlerweile nur noch für bescheidene 37 Prozent der Konsumausgaben verantwortlich. Vor etwa 30 Jahren in der Mitte der 1990er Jahre lag dieser Anteil noch bei 48 Prozent, also um elf Prozentpunkte höher. Dem gegenüber stehen die reichsten zehn Prozent der Amerikaner heute mit 49 Prozent für fast die Hälfte des gesamten US-Konsums.
Wenn Sie nun noch bedenken, dass der privaten Konsum in den Vereinigten Staaten für etwa 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich ist, dann wird die Bedeutung dieser Zahlen sofort sichtbar, denn wer konsumiert, steuert die Wirtschaft. Zwar verkauft die Industrie ihre Produkte in alle Bevölkerungsgruppen hinein, doch über kurz oder lang konzentrieren sich die Unternehmen bevorzugt auf jene Kunden bzw. Kundengruppen, die über die größte Kaufkraft verfügen.
Die Lösung sind neue Wege, nicht noch höhere Steuern
Für sie werden nicht nur mehr Produkte entwickelt, auch die Preisfindung orientiert sich sehr stark an dieser Kundengruppe. Die reichsten zehn Prozent der Amerikaner stehen damit inzwischen für rund ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung, während die unteren 80 Prozent nur noch für ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich sind.
Verantwortlich für diese Entwicklung ist die unterschiedliche Vermögensverteilung. Während Löhne und Gehälter nur mäßig steigen, haben die Vermögenspreise in den letzten Jahren sehr starke Anstiege verzeichnet. Wer viel Vermögen besitzt, kann deshalb leichter Ausgaben tätigen, die über den täglichen Bedarf hinausgehen, weil Aktien, Immobilien und andere Vermögenswerte stark an Wert gewonnen haben. Dabei gilt: Je schneller und weiter die Vermögenspreise steigen, desto größer wird die Kluft, die ärmere und reicherer Amerikaner von einander trennt.
In Europa ist die gleiche Entwicklung zu beobachten, wenn auch etwas gedämpfter. Da viele Deutsche beispielsweise dem Aktienmarkt fern bleiben, profitieren auch weniger Menschen von den starken Anstiegen, die DAX, Dow Jones und Co. in den letzten Jahren zu verzeichnen hatten. Die Tendenz ist aber in Deutschland die gleiche wie in den USA.
Wer von dieser Entwicklung profitieren möchte, muss daher bei der Anlage seiner Ersparnisse andere Wege gehen und mehr Beteiligungen am Produktivvermögen eingehen. Das geht am leichtesten und am schnellsten über den Aktienmarkt, der in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern – zu Unrecht – von vielen Privatanlegern immer noch recht stiefmütterlich behandelt wird.