Kindergeld für fast 300.000 Kinder im Ausland – Wagenknecht verlangt Kurswechsel

Die Zahl der im Ausland lebenden Kinder, für die Deutschland Kindergeld zahlt, hat sich seit 2011 nahezu verdreifacht. Neue Angaben der Bundesagentur für Arbeit bringen die grenzüberschreitenden Familienleistungen erneut in die politische Diskussion. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht fordert, Zahlungen für Kinder außerhalb Deutschlands einzustellen.

Ende 2025 wurde für 291.292 Kinder und Jugendliche mit Wohnsitz außerhalb Deutschlands Kindergeld gewährt. Im Jahr 2011 waren es noch 103.559, vier Jahre später 158.169. Besonders häufig entfielen die Leistungen zuletzt auf Berechtigte mit polnischer Staatsangehörigkeit: Auf diese Gruppe kamen 112.384 Kinder. Es folgten deutsche Staatsangehörige mit 36.727, tschechische mit 33.872 und rumänische mit 32.459 Kindern. Die Zuordnung richtet sich nach der Nationalität der Anspruchsberechtigten und sagt daher nicht unmittelbar etwas über den Wohnort der Kinder aus.

Die Zahlen stammen aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage des Bündnisses Sahra Wagenknecht. So erreichten die Überweisungen auf ausländische Bankkonten im vergangenen Jahr 528 Millionen Euro. 2011 waren es 45,7 Millionen Euro gewesen. Die Ausgaben haben sich damit binnen 14 Jahren mehr als verzehnfacht.

Allerdings lässt sich aus dieser Entwicklung nicht auf eine entsprechend starke Zunahme der Empfänger schließen. Seit 2020 soll die Zahl der im Ausland lebenden Kinder mit deutschem Kindergeldanspruch sogar um knapp 12 % zurückgegangen sein. Zugleich stieg die monatliche Leistung: Während für das erste Kind 2011 noch 184 Euro gezahlt wurden, waren es 2025 bereits 255 Euro.

Auch die oft genannte Summe von 528 Millionen Euro bedarf einer genauen Einordnung. Sie erfasst Zahlungen auf ausländische Konten. Darunter können sich Leistungen für Familien befinden, die in Deutschland leben. Umgekehrt kann das Kindergeld für Kinder im Ausland auf deutsche Bankkonten fließen. Insgesamt gab die Familienkasse 2025 rund 55,32 Milliarden Euro aus. Die Überweisungen auf Auslandskonten machten davon etwa 0,95 % aus.

Politisch verschärft hat sich die Auseinandersetzung nach einer MDR-Dokumentation über die Folgen der europäischen Sozialgesetzgebung. Wagenknecht wirft der Bundesregierung vor, finanzielle Fehlanreize hinzunehmen, während viele Haushalte in Deutschland mit knappen Mitteln auskommen müssten. Sie verlangt, den Anspruch auf deutsches Kindergeld an den Wohnsitz der Kinder in Deutschland zu knüpfen.

Einer solchen Neuregelung stehen allerdings europarechtliche Vorgaben entgegen. Wer in Deutschland arbeitet und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann auch für Kinder in einem anderen EU-Mitgliedstaat Anspruch auf Familienleistungen haben. Österreich hatte versucht, die Höhe seiner Zahlungen an die Lebenshaltungskosten im jeweiligen Wohnland anzupassen. Der Europäische Gerichtshof erklärte diese Regelung 2022 für unzulässig.

Damit wäre für eine grundlegende Änderung der grenzüberschreitenden Kindergeldzahlungen eine Reform auf europäischer Ebene erforderlich. Die veröffentlichten Zahlen zeigen zugleich, dass die bestehenden Ansprüche nicht automatisch auf einen Missbrauch des Sozialsystems schließen lassen. Wie viele Leistungen möglicherweise unberechtigt bezogen wurden, geht aus der Statistik nicht hervor.