Die Kernkraft erlebt außerhalb Deutschlands weltweit ein Comeback. Viele Länder planen neue Reaktoren, stillgelegte Meiler sollen wieder zurück ans Netz, und der Strombedarf der Rechenzentren für Künstliche Intelligenz gibt der Branche zusätzlichen Rückenwind. Doch ein Kraftwerk ist nur so verlässlich wie seine Brennstoffversorgung. Ausgerechnet bei einem Zwischenschritt der Lieferkette, der Urananreicherung, wird es eng. Die USA drängen ihre Lieferanten deshalb, neue Anlagen schneller zu bauen.
Natürliches Uran enthält nur etwa 0,7 Prozent des spaltbaren Isotops Uran-235. Moderne Leistungsreaktoren brauchen jedoch einen Isotopenanteil von drei bis fünf Prozent. Diese Anreicherung erledigen Zentrifugenhallen. Ihre Leistung wird in sogenannten Trenneinheiten (SWU) gemessen.
Weltweit stehen laut World Nuclear Association gut 68 Millionen SWU im Jahr bereit, bis 2030 sollen es knapp 78 Millionen werden. Den Markt prägen vier Anbieter: Rosatom aus Russland, das europäische Konsortium Urenco, Frankreichs Orano und Chinas CNNC. Russlands Anteil an der weltweiten Kapazität ist besonders hoch. Er wird je nach Schätzung auf 35 bis 44 Prozent beziffert.
Die Preise ziehen bereits an
Das spüren die Märkte. Der Uran-Spotpreis liegt nach Cameco-Marktdaten bei rund 90 Dollar je Pfund, im September 2022 waren es gut 48 Dollar, langfristige Verträge kosten etwa 96,50 Dollar. Im Januar kratzte der Spotpreis zeitweise an der Marke von 100 Dollar. Das ist knapp eine Verdopplung in vier Jahren. Die Beratungsfirma UxC spricht über fünf Jahre sogar von fast einer Verdreifachung.
Analysten schätzen, dass sich auch der Preis der Anreicherung auf etwa 200 Dollar je Trenneinheit verdreifacht hat, während die westliche Kapazität nur um rund vier Prozent wuchs. Der Engpass liegt damit weniger in den Minen als in der Fabrik. Für die Betreiber von Kernkraftwerken ist das heikel, denn Reaktoren werden Jahre im Voraus mit Brennstoff versorgt. Wer heute keinen Liefervertrag hat, zahlt später den Preis des knappen Marktes.
Wichtiger als der Preis ist aber das Uran selbst. Es muss zur Verfügung stehen, egal zu welchem Preis, denn innerhalb der Kosten, die ein Atomkraftwerk verursacht, nimmt das Uran nur einen Kostenanteil von lediglich vier Prozent ein. Kein Manager wird es auf sich nehmen, die ganze Anlage monatelang stillstehen zu lassen, nur weil man sich beim Preis verkalkuliert und zu lange auf tiefere Preise gehofft hat.