Brüssels Klimapolitik stößt an ihre Grenzen. Hauseigentümer sollen die Rechnung bezahlen

Von der Leyen

Die Europäische Union verfolgt eines der ambitioniertesten Regulierungsprojekte ihrer Geschichte. Bis 2050 soll der gesamte Gebäudebestand nahezu emissionsfrei werden. Was in Brüssel als klimapolitischer Meilenstein präsentiert wird, bedeutet für Millionen Haus- und Wohnungseigentümer vor allem eines: neue Vorschriften, hohe Investitionen und wachsende Unsicherheit. Energetische Sanierungen, der Austausch funktionierender Heizsysteme und immer strengere Effizienzstandards verursachen Kosten, die letztlich private Eigentümer, Mieter und Steuerzahler tragen.

Doch ausgerechnet dieses Prestigeprojekt offenbart inzwischen seine größte Schwäche. Kein einziger der 27 Mitgliedstaaten hat die europäische Gebäuderichtlinie fristgerecht in nationales Recht umgesetzt. Die Frist verstrich Ende Mai – ohne Erfolg. Statt diesen beispiellosen Vorgang als Anlass zu nehmen, die eigenen Vorgaben zu überprüfen, reagiert die EU-Kommission mit Vertragsverletzungsverfahren gegen sämtliche Mitgliedstaaten.

Eingriff in Privateigentum

Dieser Vorgang ist politisch bemerkenswert. Wenn alle Regierungen unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung an derselben Richtlinie scheitern, spricht vieles dafür, dass das Problem nicht in den Hauptstädten liegt. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die europäische Gesetzgebung die wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität der Mitgliedstaaten ausreichend berücksichtigt.

Die überarbeitete Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden verfolgt weitreichende Ziele. Neubauten sollen bereits ab 2030 emissionsfrei sein, fossile Heizsysteme schrittweise verschwinden und der Gebäudebestand umfassend modernisiert werden. Auf dem Papier erscheint dieses Konzept schlüssig. In der Praxis stößt es jedoch auf erhebliche finanzielle, technische und organisatorische Grenzen.

Besonders deutlich wird dies am Wohnungsmarkt. Jede neue energetische Vorgabe erhöht die Investitionskosten für Eigentümer. Wer saniert, muss investieren. Wer investiert, versucht die Kosten über Mieten oder Immobilienpreise wieder hereinzuholen. Wo dies nicht möglich ist, werden Modernisierungen verschoben oder ganz unterlassen. Die politische Absicht, klimafreies Wohnen zu fördern, kollidiert damit zunehmend mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten vieler Eigentümer.

Auch Deutschland dürfte von den Folgen erheblich betroffen sein. Werden die europäischen Emissionsvorgaben verfehlt, können erhebliche finanzielle Belastungen entstehen, etwa durch den Erwerb zusätzlicher Emissionszertifikate. Gleichzeitig werden die Mittel des Klima- und Transformationsfonds gekürzt. Damit wächst der Widerspruch zwischen immer anspruchsvolleren politischen Zielen und sinkenden finanziellen Spielräumen für deren Umsetzung.

Der eigentliche Konflikt reicht jedoch weit über einzelne Fristen oder Förderprogramme hinaus. Er betrifft das Verhältnis zwischen politischer Steuerung und privatem Eigentum. Die Europäische Union greift mit immer detaillierteren Vorgaben in Entscheidungen ein, die bislang Eigentümern überlassen waren: wie ein Haus beheizt wird, wann modernisiert werden muss und welche Investitionen wirtschaftlich vertretbar sind. Je umfassender diese Regulierung wird, desto größer werden die finanziellen Folgen für diejenigen, die Immobilien besitzen oder bewohnen.