Wer wird die Zeche für Donald Trumps Kriegsabenteuer am persischen Golf bezahlen?

Die strukturellen Konsequenzen einer anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran reichen weit über Energiepreise hinaus. Steigende Öl- und Gaspreise erhöhen unmittelbar die Produktions- und Transportkosten sämtlicher Güter. Sie treiben die Lebensmittelpreise durch höhere Düngemittel- und Transportkosten in die Höhe und setzen die europäische Industrie unter massiven Kostendruck.

Ökonomen warnen deshalb vor einer neuen Inflationsspirale, vergleichbar mit den Ereignissen des Jahres 2022, jedoch mit potentiell schwereren Ausgangsbedingungen: Damals waren die Gasspeicher voller, die Zinsen niedriger, und die Wirtschaft erholte sich noch von der Pandemie. Heute ist das Zinsniveau höher, die Staatshaushalte sind stärker belastet, und der geopolitische Kontext ist komplexer.

Experten der Deutschen Bank schätzen, dass ein anhaltender Ölpreis über 110 Dollar die Inflation in der Eurozone um zwei bis drei Prozentpunkte anheizen wird und das Wirtschaftswachstum um bis zu einem Prozentpunkt dämpfen könnte. Das sind trübe Aussichten für eine deutsche Volkswirtschaft, die seit Monaten hart an einer Rezessionen vorbeischrammt.

Das Eskalationspotential bleibt hoch

Langfristig könnte die Sperrung der Straße von Hormus als beschleunigender Impuls für eine Neuausrichtung der westlichen Energiepolitik wirken und durch die Notlage erzwingen, was durch politischen Willen bislang nicht gelang. Prof. Fritz Vahrenholt sieht in der Krise einen Anlass, über den Weiterbetrieb stillgelegter Kohlekraftwerke, die Aufhebung des deutschen Schiefergasverbots und eine Rückkehr zur Kernenergie ernsthaft zu debattieren.

Ein profitierender Akteur der Krise steht indes bereits fest: Es ist Russland, das trotz westlicher Sanktionen weiterhin große Ölmengen exportiert und von der globalen Verknappung durch höhere Preise unmittelbar profitiert. Diese Entwicklung ist die bittere Ironie einer Krise, die von US-amerikanischen und israelischen Militäroperationen ausgelöst wurde.

US-Präsident Trump äußerte schon Anfang März, der Krieg könne noch mehrere Wochen weitergehen. Bis heute hat diese Einschätzung keine nennenswerte Relativierung erfahren. Solange die Kampfhandlungen andauern, ist eine Wiederöffnung der Straße von Hormus für den regulären internationalen Schiffsverkehr nicht realistisch.

Die Einführung von Durchfahrtgebühren durch den Iran am 24. März zeigt überdies, dass Teheran die Meerenge nicht nur als militärisches Druckmittel sieht, sondern auch gewillt ist, sie als wirtschaftliches Instrument zu nutzen beginnt. Der Schritt ist ein Signal, das auf eine bewusste Prolongierung der Blockade hindeutet.

Die Frage ist deshalb heute nicht mehr, ob die Sperrung der Straße von Hormus wirtschaftliche Schäden anrichtet. Die Frage ist vielmehr, wie tief diese Schäden werden – und wer sie am Ende zu tragen hat.