Verwischt China die Grenzen zwischen Kriegs- und Handelsschiffen?

Durchaus beunruhigende Nachrichten und Bilder kommen derzeit von den chinesischen Schiffswerften, denn dort wird das Frachtschiff Zhong Da 79 zu einer Waffenplattform umgebaut. Äußerlich wirkt die Zhong Da 79 wie ein normales Containerschiff. Doch die mitgeführten Container enthalten nicht nur Handelswaren.

Einige der aufgestellten Container enthalten Startrampen für Raketen. Bis zu 60 Silos sollen so auf der Zhong Da 79 aufgestellt werden können. Das modulare Konzept hat zudem den Vorteil, dass je nach Mission, unterschiedliche Container und damit spezifisch auf den geplanten Einsatz zugeschnittene Waffen mitgeführt werden können.

Die Zhong Da 79 ist damit ein neuartiger hybrider Schiffstyp, der nicht nur Handelsschiff, sondern zugleich auch ein Kriegsschiff ist. Damit unterscheidet sie sich wesentlich von den Hilfskreuzern, die von der Royal Navy und der deutschen Marine im Ersten und Zweiten Weltkrieg zum Einsatz gebracht wurden.

Die historischen Vorbilder waren anders, sie zeigen aber die Vorteile des Konzepts

Großbritannien bewaffnete Handelsschiffe mit Kanonen und setzte diese im Ersten Weltkrieg als sogenannte U-Boot-Fallen und im Zweiten Weltkrieg als Konvoi-Sicherung bzw. als Aufklärungsschiffe zur Durchsetzung der Fernblockade ein. Deutschland bewaffnete seinerseits Handelsschiffe, um mit ihnen fernab seiner Küsten Kreuzerkrieg zu führen.

Diese Operationen verliefen zum Teil sehr erfolgreich, wie die Kaperfahrten des Segelschiffs Seeadler unter dem Kommando von Graf Luckner und des Dampfers Möwe im Ersten Weltkrieg und der Raider Atlantis, Thor und Pinguin im Zweiten Weltkrieg eindrucksvoll belegen. Der große Vorteil dieser Einheiten waren ihre große Seeausdauer und ihre niedrigen Kosten sowohl in der Beschaffung wie auch im Unterhalt.

Diese Vorteile wird auch China für sich nutzen können, wenn die Zhong Da 79 ihren Dienst aufnimmt. Je nach dem, wie viele Container mit Raketen und Marschflugkörpern mitgeführt werden, hat die Zhong Da 79 die Feuerkraft eines Zerstörers, während die Kosten für ihren Umbau und ihren Unterhalt nicht annähernd an die eines regulären Kriegsschiffs heranreichen.

Der große Unterschied zu den historischen Vorbildern besteht darin, dass diese Handelsschiffe waren, die erst nach Kriegsbeginn zu einem Hilfskreuzer umgebaut wurden. Während sie als solche eingesetzt wurden, hatten sie allerdings keine zivilen Funktionen mehr. Das ist jetzt anders, denn die Zhong Da 79 kann zivile und militärische Container gleichzeitig transportieren und bis die erste Rakete abgefeuert wird, ist nicht zu entscheiden, ob das Schiff gerade als Handels- oder als Kriegsschiff im Einsatz ist.

Dieser Vorteil lädt zu überraschenden Angriffen geradezu ein.