EU „droht“ Russland

Von der Leyen

Die Europäische Union verschärft ihren Ton gegenüber Russland weiter. Besonders deutlich formulierte dies zuletzt die EU Außenbeauftragte Kaja Kallas, die Moskau vor schweren Folgen warnte, sollte ein Mitglied der NATO angegriffen werden. Die Botschaft aus Brüssel lautet damit klar: Angriffe auf einzelne Bündnisstaaten würden als Angriff auf das gesamte Verteidigungsbündnis verstanden.

Die Worte klingen entschlossen. Gleichzeitig wächst jedoch die Diskussion darüber, ob die Europäische Union ihrer zunehmend konfrontativen Rhetorik auch politisch und militärisch ausreichend Substanz gegenüberstellen kann. Denn während europäische Spitzenpolitiker immer härtere Warnungen aussprechen, bleibt vieles bei der konkreten strategischen Ausrichtung offen.

Ist die EU wirklich geschlossen?

Kallas verweist auf zunehmende Drohungen aus Moskau sowie auf den russischen Druck gegenüber der Ukraine und westlichen Staaten. Russland versuche, Stärke zu demonstrieren und Unsicherheit innerhalb Europas zu erzeugen. Gerade osteuropäische Staaten betrachten diese Entwicklung seit langem mit großer Sorge und fordern ein entschlosseneres Auftreten der EU und der NATO.

Doch parallel zu den öffentlichen Warnungen zeigen sich innerhalb Europas weiterhin erhebliche Abstimmungsprobleme. Selbst bei der Frage möglicher diplomatischer Initiativen oder künftiger Verhandlungen gibt es bislang keine klare gemeinsame Linie. Diskussionen über mögliche Vermittler oder Chefunterhändler verlaufen offenbar ohne konkretes Ergebnis.

Damit entsteht ein auffälliger Gegensatz: Nach außen bemüht sich die EU um Geschlossenheit und Härte, intern jedoch bleiben viele zentrale Fragen ungeklärt. Wer langfristig eine mögliche Sicherheitsordnung in Europa gestalten soll, welche Rolle Verhandlungen spielen könnten und wie eine gemeinsame Strategie aussehen müsste, ist weiterhin offen.

Hinzu kommt, dass in europäischen Debatten immer wieder prominente Namen für mögliche Vermittlungsrollen auftauchen. Dabei werden sowohl ehemalige Regierungschefs als auch frühere Spitzenvertreter europäischer Institutionen genannt. Gerade diese Diskussionen zeigen jedoch auch, wie stark Europas Russlandpolitik weiterhin von den Entscheidungen und Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre überschattet wird.

So steht die Europäische Union derzeit zwischen zwei Polen: einerseits dem Anspruch geopolitischer Stärke, andererseits den weiterhin sichtbaren Schwierigkeiten, daraus eine klare und geschlossene Strategie abzuleiten.