Bundeskanzler Friedrich Merz brachte es am 25. März 2026 im Bundestag auf den Punkt: Die Ukraine sei heute waffentechnologisch weiter als je zuvor und besser bewaffnet als je zuvor. Merz erklärte daher, eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern sei nicht mehr notwendig – weil die Ukraine die entsprechenden Fähigkeiten inzwischen eigenständig entwickelt und in Serie produziert hat.
Diese Einschätzung ist keine Übertreibung. Was mit kleinen Angriffen auf russische Ölraffinerien im Jahr 2025 begann, hat sich inzwischen zu einer systematischen Kampagne gegen Russlands Energieinfrastruktur ausgeweitet. Die Logik dahinter ist klar: Russland finanziert seinen Krieg zu einem erheblichen Teil aus Energieexporten und wenn es der Ukraine gelingt, die Exportinfrastruktur lahmzulegen, trifft sie direkt die Kriegskasse des Kremls.
Die Route über den Baltischen Luftraum ist dabei ein offenes Geheimnis: Ukrainische Drohnen nutzen eine Flugroute, die über Estland, Lettland und Litauen führt, um die Ostseeküste Russlands zu erreichen. Eine Drohne stürzte nahe Varena in Litauen ab; eine weitere traf aus russischem Luftraum kommend das Kraftwerk Auvere in Estland.
Von der Spielzeugdrohne zur Kriegsmaschine
Dass Nato-Mitglieder an diesem Routenverkehr beteiligt sind, egal, ob wissentlich oder nicht, gehört zu den diplomatisch heikelsten Begleiterscheinungen der neuen ukrainischen Schlagkraft in der Luft. Russland hat das registriert: Sein Verteidigungsministerium sprach ausdrücklich von einer Beteiligung der baltischen Staaten.
Die Antwort der Ukraine bleibt pragmatisch: Solange Russland ukrainische Wohnhäuser trifft – in Odessa starb in derselben Nacht, in der Primorsk angegriffen wurde, eine Frau –, wird Kiew seine neuen Fähigkeiten nutzen, so weit sie reichen und solange Russland keine angemessene Antwort hat, um diese Angriffe abzuwehren.
Die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht an dieser Stelle eindeutig für die Ukraine. Ihre eigenen Angriffswaffen sind billig und vergleichsweise leicht zu beschaffen. Werden sie auf dem Flug von der russischen Flugabwehr abgeschossen, verbraucht Russland für seine Abfangraketen mehr Geld als die Ukraine. An dieser Stelle stellt sich die Kriegsmathematik für die Ukraine schon recht vorteilhaft dar.
Noch günstiger wird die Rechnung, wenn eine der Drohnen ihr vorgesehenes Ziel trifft. Dann stehen für Moskau nicht nur Millionen, sondern gleich Milliarden auf dem Spiel. Allerdings US-Dollar oder Euro und nicht Rubel.