Grönland ist das, was auch Venezuela ist: sehr rohstoffreich. Den Zugang zu diesen begehrten Rohstoffe möchte US-Präsident Donald Trump gerne jenen amerikanischen Unternehmen gewähren, die es seiner Meinung nach verdienen, diese Rohstoffe zu fördern. Entscheidungen, die in diese Richtung gehen, kann der US-Präsident allerdings nur dann treffen, wenn er nicht nur die militärische, sondern auch die politische Kontrolle über die Insel hat.
Dass die grönländische Regierung an dieser Stelle eigentlich über die politisch zu Dänemark gehörige, aber in Wirtschaftsfragen autonome Insel zu entscheiden hat, kommt in diesem Konzept natürlich nicht vor. Donald Trump ist sich dieser Schwäche bewusst. Deshalb hat er schon während seiner ersten Präsidentschaft, den Dänen den Vorschlag gemacht, Grönland an die USA zu verkaufen, so wie die Russen es im 19. Jahrhundert mit Alaska gemacht haben.
Dieser Vorschlag verkennt aber die staatliche Struktur des Königreich Dänemarks. Dieses besteht zwar aus Dänemark, den Färöer-Inseln und eben Grönland. Doch weder die Färöer-Inseln noch Grönland sind heute noch dänische Kolonien. Sie sind eigenständige Länder innerhalb des Königreich Dänemarks. Damit ist die Situation jener der britischen Commonwealth-Staaten sehr ähnlich. Auch sie haben den englischen König als Staatsoberhaupt, agieren aber ansonsten eigenständig.
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt?
Wenn Donald Trump Grönland für die USA von Dänemark kaufen will, so könnte er genauso gut in London den britischen Premierminister anrufen und diesem ein amerikanisches Kaufangebot für Kanada oder Australien und Neuseeland unterbreiten. In beiden Fällen ist die Idee vollkommen absurd, denn man kann nur etwas verkaufen, das man auch tatsächlich besitzt.
Dänemark besitzt Grönland aber genauso wenig wie Großbritannien Australien, Neuseeland oder Kanada besitzt. Es spricht nicht gerade für Donald Trump, dass er diesen entscheidenden Zusammenhang nicht sieht oder ganz bewusst nicht sehen will, weil er ihm unangenehm ist, denn er durchkreuzt seine weitreichenden Pläne.
Wenn überhaupt eine Vereinigung von Grönland und den Vereinigten Staaten stattfinden kann, dann nur über den Weg, dass die Grönländer selbst sich dazu entschließen, aus dem Königreich Dänemark auszuscheiden und als 51. Bundesstaat den USA beizutreten. Dass es dazu kommt, ist theoretisch möglich. Praktisch dürfte allerdings auch diese „Lösung“ nicht gegeben sein, denn bislang sind die Grönländer nicht dadurch aufgefallen, dass sie unbedingt US-Bürger werden möchten.
Die Bevölkerung in Gaza ist der nächste Bauer, der in diesem weltpolitischen Schachspiel geopfert wird
Sollte Donald Trump ähnlich wie unlängst in Venezuela dennoch mit militärischen Mitteln eines Tages nach den Rohstoffen der Insel greifen, dürften ihm an dieser Stelle sehr schwerwiegende Konsequenzen erwachsen. Denn eine reibungsfreie Integration Grönlands in die USA ist vor dem Hintergrund der von Donald Trump in den letzten Monaten aufgebauten Drohkulisse mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu erwarten.
In Gaza könnte sich in den nächsten Wochen und Monaten das wiederholen, was wir bereits in Venezuela und in der Grönlandfrage gesehen haben: Über die Köpfe der Menschen vor Ort hinweg, wird nach einer „Lösung“ gesucht. Im Gegensatz zu den Grönländern, die von der dänischen Regierung zu den Verhandlungen mit Donald Trump in Washington mitgenommen wurden, gesteht man den Palästinensern im Gaza-Streifen dieses Recht nicht einmal mehr zu.
Sie sind anders als Israel von Donald Trump nicht zu seinem „Friedensrat“ eingeladen worden und man gibt sich auch nicht die geringste Mühe, ihre Sicht auf die Zukunft des Landes überhaupt nur zur Kenntnis zu nehmen. Der Öffentlichkeit wurde der Plan für die Zukunft des Gaza-Streifens als ein gigantisches Immobilienprojekt verkauft.
Nicht erwähnt wurden die großen Gasvorkommen, die vor der Küste Gazas im Meer liegen. An sie wollen alle ran, um sie mit großem Gewinn nach Europa zu verkaufen, auch die Israelis. Stimmen die Menschen in Gaza der Ausbeutung ihrer eigene Rohstoffe durch andere nicht zu, stören sie ebenso wie die Venezolaner in Venezuela oder die Grönländer auf Grönland.