USA wollen Partner in der Verteidigung sehr viel weniger unterstützen!

Die sicherheitspolitischen Koordinaten zwischen den Vereinigten Staaten und Europa verschieben sich spürbar. Mit der neuen Nationalen Verteidigungsstrategie 2026 hat Washington ein Signal gesetzt, das in vielen europäischen Hauptstädten aufmerksam gelesen werden dürfte. Das Dokument markiert keine abrupte Abkehr von transatlantischen Bündnissen, wohl aber eine klare Neupriorisierung amerikanischer Interessen.

Im Zentrum der Strategie steht ein altbekanntes Leitmotiv, das nun militärisch unterfüttert wird: „America First“. Die USA wollen ihre Rolle als globale Schutzmacht neu definieren. Verbündete sollen weiterhin unterstützt werden, allerdings gezielter und mit engeren Grenzen. Hinter der diplomatischen Sprache verbirgt sich eine nüchterne Erwartung: Partnerländer sollen deutlich mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen.

Modellpartnerschaften angedacht

Bemerkenswert ist der Blick auf Europa und Russland. Moskau wird zwar weiterhin als Risiko für die östlichen NATO-Staaten beschrieben, doch gleichzeitig relativiert das Pentagon dessen strategische Reichweite. Russland, so die Einschätzung, verfüge weder über die wirtschaftliche noch über die industrielle Basis, um Europa dauerhaft zu dominieren. Der Hinweis auf die wirtschaftliche Stärke einzelner europäischer Staaten – insbesondere Deutschlands – unterstreicht diese Sichtweise und rückt die Frage nach Eigenverantwortung in den Vordergrund.

Der strategische Fokus der USA verlagert sich damit weiter in Richtung Asien. China gilt eindeutig als die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Europa bleibt Teil der amerikanischen Sicherheitsarchitektur, steht jedoch nicht mehr im Mittelpunkt. Washington formuliert offen, dass der Schutz des eigenen Territoriums und die Abschreckung Pekings Vorrang haben.

Neu ist auch das Konzept der sogenannten „Modellpartner“. Länder, die ihre Verteidigungsausgaben ernsthaft erhöhen und militärische Fähigkeiten eigenständig ausbauen, sollen bevorzugten Zugang zu Rüstungstechnologie, industrieller Zusammenarbeit und geheimdienstlichem Austausch erhalten. Die Botschaft ist klar: Solidarität wird stärker an messbare Beiträge geknüpft.

Für Europa bedeutet das eine unbequeme Realität. Die sicherheitspolitische Komfortzone schrumpft. Die Frage lautet nicht mehr, ob mehr investiert werden muss, sondern wie schnell und wie konsequent. Die amerikanische Strategie zwingt die Europäer, ihre Rolle neu zu definieren – nicht als Schutzbefohlene, sondern als eigenständige Akteure in einer unruhiger werdenden Welt.