ZDF-Heute-Beitrag mit KI: Zusätzliche Fragen!

Der Vorgang wirkt wie ein Lehrstück über Anspruch und Wirklichkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ausgerechnet das ZDF, das sich regelmäßig als verlässliche Instanz im Kampf gegen Desinformation präsentiert, musste einräumen, dass im „Heute Journal“ manipuliertes Videomaterial verwendet wurde. Konkret ging es um einen Beitrag über Einsätze der US-Behörde ICE, in dem KI-generierte Sequenzen zu sehen waren, die als authentische Bilder erschienen.

„Nicht wie vorgesehen“

Die offizielle Reaktion des Senders folgte rasch – und fiel eindeutig aus. Nach Angaben eines ZDF-Sprechers seien interne Prüf- und Verifikationsverfahren „nicht wie vorgesehen“ angewendet worden. Die Verantwortung liege bei der zuständigen Autorin, der Leiterin des New Yorker Studios, Nicola Albrecht. Sie habe das verwendete Material nicht ausreichend auf Herkunft und Echtheit überprüft. Moderatorin Dunja Hayali hingegen habe keine Kenntnis von der Problematik gehabt. Sie wird ausdrücklich in Schutz genommen.

Brisant ist dabei eine inhaltliche Pointe: In ihrer Anmoderation hatte Hayali selbst auf die Gefahr gefälschter Videos im Zusammenhang mit den ICE-Einsätzen hingewiesen. Dass ausgerechnet in diesem Kontext manipulierte Sequenzen ausgestrahlt wurden, verleiht dem Vorgang eine besondere Schärfe.

Zusätzliche Fragen ergeben sich aus der Entstehungsgeschichte des Beitrags. Bereits zwei Tage vor der „Heute Journal“-Ausgabe war eine längere Fassung im ZDF-Mittagsmagazin zu sehen – jedoch ohne die später beanstandeten KI-Clips. Die fraglichen Sequenzen wurden offenbar nachträglich in die Abendversion eingefügt.

Damit steht mehr im Raum als nur ein individueller Fehler. Wer entschied über die nachträgliche Ergänzung? Wo fand diese redaktionelle Bearbeitung statt? Und welche Kontrollinstanzen haben das Endprodukt freigegeben? Der Fall wirft grundlegende Fragen zur internen Qualitätssicherung und zur Verantwortung innerhalb der Redaktion auf.