Eine aktuelle Befragung zeigt deutlich, wie die Bevölkerung in Deutschland zentrale Fragen des Sozialstaats bewertet. Im Auftrag des WDR wurden durch infratest dimap mehr als 2.000 Menschen ab 16 Jahren interviewt. Das Ergebnis zeichnet ein klares Bild davon, welche Erwartungen viele Bürger an die Ausgestaltung sozialer Leistungen haben.
Einschnitte grundsätzlich in Ordnung
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Migranten unmittelbar Anspruch auf Sozialleistungen haben sollten oder ob dieser Anspruch an eine vorherige Erwerbstätigkeit geknüpft sein sollte. Eine deutliche Mehrheit von 66 Prozent spricht sich dafür aus, dass zunächst eine Phase der Beschäftigung vorausgehen sollte. Demgegenüber steht eine kleinere Gruppe von 26 Prozent, die einen direkten Zugang zu Leistungen befürwortet. Diese Verteilung zeigt, dass das Prinzip „erst beitragen, dann profitieren“ für viele Befragte eine wichtige Rolle spielt.
Interessant sind auch die Unterschiede zwischen politischen Lagern. Während Anhänger konservativer und teilweise auch sozialdemokratischer Parteien dem Vorschlag mehrheitlich zustimmen, fällt die Zustimmung bei Wählern von Grünen und Linken deutlich geringer aus. Die Umfrage verdeutlicht damit nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine politische Trennlinie in dieser Frage.
Ein weiteres Thema der Befragung betrifft die Bereitschaft, selbst mehr zu arbeiten, um den wirtschaftlichen Wohlstand zu sichern. Hier zeigt sich Zurückhaltung: 63 Prozent lehnen dies ab, während nur etwa ein Drittel zustimmt. Auffällig ist, dass ältere Befragte eher bereit sind, eine höhere Arbeitsleistung zu akzeptieren als jüngere Generationen.
Auch bei möglichen Reformen der Sozialsysteme zeigen sich gemischte Einstellungen. Zwar erklärt knapp die Hälfte, grundsätzlich zu Einschnitten bereit zu sein, gleichzeitig lehnt jedoch eine Mehrheit konkrete Kürzungen ab. Wenn Veränderungen nötig wären, tendieren viele eher zu höheren Beiträgen als zu Leistungskürzungen.